Schwimmbadtypen

Frösche, Kampffische, Wasserdrohnen und andere Schwimmbadwesen...


Bei Schwimmbadbesuchen trifftt man die unterschiedlichsten Schwimmertypen. Eine nicht ganz ernst gemeinte Beschreibung. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt...

Typ Frosch aus dem Stadtbad


Dieser Schwimmer trägt unterschiedliche Badebekleidung. Von Bikini, über knielange Anzüge oder Hosen, bis hin zu Sportbadeanzügen und Badeshorts.

Oft trägt dieser Typ eine Badekappe, fast immer eine Chlorbrille.


Der Frosch duscht vorab, spuckt in seine Brille, spült es unter der Dusche aus und läuft gemächlich zum Becken. Gesehen werden will er nicht unbedingt, er weiß, wie blöde man in Schwimmsachen aussehen kann wenn man nicht Typ Camille Lacourt oder Zsusanna Jakobos ist.  

Deshalb macht er seine Streck- und Dehnübungen nicht öffentlich, sondern in der Dusche oder im Umkleidebereich. Seine riesige Tasche mit seinem halben Badezimmer stellt er dezent am Rand ab oder hängt sie auf.


Der Stadtbad Frosch setzt sich meist an den Rand, gleitet ins Wasser, richtet seine Brille, schaut sich um, wie voll die Bahn ist und los geht’s. Schwimmen kann er, aber oft startet er zu schnell oder die Brille läuft voll Wasser, also steht er nach ein, zwei Bahnen bereits hechelnd am Rand und ruckelt sich zurecht. Aber dann. Er schwimmt ein, zwei, drei Kilometer, mit kleinen Pausen. Er schlägt wenig Wasser auf, aber doch mehr als ein Ästhetikschwimmer.


Er lässt schnellere Schwimmer überholen, ist manchmal neidisch auf bessere Technik, beobachtet und verbessert seine eigene. Er schwimmt die langsameren nicht über den Haufen, regt sich aber höllisch auf über Querschwimmer, die ihn aus dem Rausch des Gleitens bringen. Er versteht auch die ihn überholenden Wasserbesitzer nicht. Manchmal hat er das Pech, dass der Neid auf den Ästhetikschwimmer ihn ausbremst. Er muss glotzen und bewundern.


Hat der Frosch sein Programm erledigt, macht er seine Dehnübungen im Wasser, neben geleinten Bahnen, um die anderen nicht zu stören.

Der Frosch schafft es nicht, sich elegant aus dem Becken zu ziehen, wie der Ästhetikschwimmer. Will er ihn nachmachen, weil es so elegant und sexy aussieht, rutscht er garantiert zurück ins Wasser oder landet auf den Knien, schlimmster Gau, auf dem Bauch, also nimmt er die Treppe. Unelegant, aber sicher.


Manchmal ist er in seinem Traum, weil der Rausch des Schwimmens in beflügelt und versucht, wie die Ästhetikschwimmer seine Brille galant nach unten ziehen. Er vergisst dabei leider seine Nase, das endet bei jedem Versuch mit Blessuren. Also zieht er uncool seine Brille vorsichtig vom Kopf. Dann versucht er manchmal die enge Siliokonkappe so abzuziehen, dass es gut aussieht. Wie machen das Ästehikschwimmer, fragt er sich bei jedem Versuch. Der Frosch verliert dabei regelmäßig Büschelweise Haare oder die Kappe reißt einfach. Dieses lässige Haareschütteln gelingt ihm nicht. Es sieht eher aus wie ein nasser Pudel. Die Augen ähneln nun Froschaugen, die Brille hat nur den Vorteil, dass sie nicht auch noch grüne Dellen um die Augen formt.


Der Frosch versucht so schnell wie möglich in die Dusche zu entkommen, sonst quakt er noch....

Typ Badeentchen

 

Die Bekleidung ist völlig unterschiedlich. Manche im Badeanzug, manche im Schwimmanzug, Badehose oder Shorts. Badekappen tragen sie selten, Chlorbrille nie.

 

Sie duschen vorher. Manche haben Angst um ihre Frisur, anderen ist das egal.

 

Badeentchen strecken sich nicht.

 

Wenn sie ein Schwimmbad betreten, kennen sie sich aus. Sie gehen nur in ihr Stammbad. Tasche oder Handtuch finden schnell den Stammplatz, ist der besetzt, kommt es schon mal vor, dass sie sich dezent umschauen und schnell die Sachen anderer umhängen um ihre gewohnte Haken oder Ablagen zu benutzen. Man findet sich ja so schwer zurecht sonst.

 

Sie betreten das Wasser immer über die Treppe und schwimmen sofort los. Es sei denn, sie treffen ihre Schwimmfreunde, dann kommt es vor, dass man zunächst vor der Treppe einen Plausch hält. Nachfolgende, unbekannte Badeentchen müssen warten.

Danach geht’s los.

 

Sie schwimmen mit dem Kopf meist über Wasser und die Beine bewegen sich wie bei kleinen Entchen. Paddelnd. Die Badeentchen laufen mehr als dass sie schwimmen. Manche stecken auch ab und zu den Kopf ins Wasser, andere mögen keine nassen Haare. Viele von ihnen können eine Bahn nicht halten, manchmal schwimmen sie diagonal, aber das tun sie nicht aus bösem Willen. Oft sind sie höflich und versuchen wieder in die richtige Richtung zu schwimmen.

 

 

Treffen sie im Wasser auf weitere Bekannte, wird ein wenig geschwatzt, das Bewegen der Beine geht aber weiter und so treiben manche wieder quer, aber auch das nicht um andere zu stören. Sie freuen sich einfach, dass sie ihre Mitentchen sehen. Badeentchen darf man nicht mit Wasserdrohnen verwechseln.

 

Die Badeentcchen sind meist 20 Minuten bis zu einer Stunde im Wasser. Da sind sie eisern. Das machen sie schon immer so und weniger oder mehr kommt nicht in Frage.

 

Die Badeentchen gehören zu der aussterbenden Gruppe Duschwilliger. Sie duschen sich meist vorher, nachher aber immer. Manche im Schnelldurchgang, andere schrubben sich gegenseitig die Federn...äh...Rücken.

 

Danach gehen sie gern ein Stück Kuchen essen.

 

 

 

Typ Ästhetikschwimmer


Dieser Typ trägt oft knielange Badehosen oder gut sitzende Badeanzüge bekannter, teurer Marken. Je nach Geschmack eine schicke Siliokonkappe und immer, immer eine Chlorbrille. Nie, nie schwimmt er ohne.


Egal ob in Badeanzug oder knielanger Hose, es sieht immer fantastisch aus. Er hat nur ein Handtusch dabei.

Er macht oft letzte Dehnübungen am Beckenrand, spült dann lässig seine Brille aus und wenn er nicht lässig ins Wasser gleitet, springt er, schon mit Brille mit einem astreinen Startsprung ins Wasser.

Er lächelt diejenigen an, die gerade am Rand stehen, nickt grüssend mit dem Kopf und schwimmt los.


Er gleitet, ja fliegt geradezu über das Wasser für die nächste Zeit. Seine Brille beschlägt nie und füllt sich auch nicht mit Wasser. Man sieht fast keine asserblasen und keinen Schaum.

Er schwimmt eine Traumtechnik, schnell, fair, schwimmt niemanden über den Haufen, überholt ohne Schaum zu schlagen, wendet in der perfekten Rollwende und wenn man Glück hat, setzt er irgendwann an zum butterfly. Da kann man dann nur noch staunend die Bahn räumen und tut das gern. Zusehen kann auch toll sein.


Hat dieser Schwimmer Typ sein Programm erledigt, streckt er sich ein wenig. Ihn dabei zu beobachten sollte man unterlassen. Er zieht mit einer Hand die Brille nach unten und seine Nase bleibt heil. Er sieht selbst bei albernsten Dehnübungen sportlich aus. Wer dann nicht schnell die Augen schließt, erlebt, wie er sich mit den Händen abstützend aus dem Wasser direkt in den Stand zieht. Ist der Schwerelos, fragt man sich. Am Beckenrand geht er lässig, ohne Arroganz zu seinem Handtuch in dem das Duschgel eingewickelt ist- mehr braucht der nicht. Währenddessen zieht er die Badekappe mit einer Hand vom Kopf und egal ob eine langhaarige Ästhetikschwimmerin oder ein kurzhaariger Ästhetikschwimmer. Die Haare kurz lässig geschüttelt und es sieht aus wie vom Friseur. Ruhig und gelassen verlässt er das Bad.

Typ Wasserdrohne


Ihre Bekleidung ist sehr einheitlich. Wasserdrohnen tragen Badeanzug. Selten Badehose, denn es handelt sich zu 99% um Frauen.


Die wenigsten tragen Damenbadekappen. Die Frisur, die Frisur. Duftet nach vielen Sprays, immer eingedreht in schicke Wellen. Sie sind dezent geschminkt. Lippenstift, zwei Schichten make up, Puder, Lidschatten, Augenbrauen, Wimpern, Nagellack, Bräunungscreme. Was der Kosmetikschrank hergibt und davon viel. Ihre Schmuckschatullen sichten sie grundsätzlich vor dem Schwimmen und legen alles an, was die Schatulle hergibt. Aber keine Angst, es klimpert nicht. Denn dazu müssten sie schwimmen. Das ist niemals Aufgabe einer Wasserdrohne.

Sie betreten das Bad und haben eine schicke Tasche, passend zur Badebekleidung. Sie treten niemals allein auf. Und wenn doch, kommen die anderen gleich oder sind schon da. Im Wasser. Sie winken und rufen. Der Schwimmer daneben sollte schnell abtauchen, denn sie schauen nicht, wenn sie winken oder sich in entgegengesetze Richtung aufmachen. Da kriegt man schon mal beim rudern der Arme einen Schlag mit dem Goldarmband.


Wasserdrohnen kommentieren gern. Sätze wie „was schwimmen sie hier auch rum, selber schuld“ wenn man bittet, doch zu gucken wie man winkt.

Dabei ist es völlig egal, ob sie sich in der Sportbahn befinden. Wie die da hin kommen? Erkläre ich gleich.

Treffen sich also Wasserdrohnen, werden sie zu einer Art Kriegsgeschwader im Wasser. Alles was schwimmt, gehört weg. Wasserdrohnen sind mindestens so gefährlich wie ihre Kollegen Wasserbesitzer. Beide Gruppen sind sich spinnefeind. Einig ist man nur darin, dass quer und kreuz, diagonal und entgegen der Bahn normal ist. Ist schließlich ihnen zu verdanken, dass der Bademeister seinen Job hat. Bei Ermahnungen seitens Bademeister sind Wasserdrohnen völlig renitent. „Was wollen sie, schließlich bezahle ich sie mit meiner Eintrittskarte“


Wenn die Wasserdrohnen im Wasser sind, gruppieren sie sich zu Armadas, mindestens zwei, meist drei, vier oder mehr nebeneinander oder versetzt diagonal.

Vielleicht wollten sie mal Synchronschwimmer werden, hat nicht geklappt.


Auf alle Fälle brauchen sie Platz zum plaudern. Meist strampeln sie mit den Beinen auf der Stelle. Am liebsten mitten im Becken. Sie kommen nicht voran, so interessant ist die Unterhaltung.

Manchmal laufen sie durch das Wasser. Rudernde Armbewegungen, aber niemals, niemals darf das Haar nass werden. Oder das make up. „Müssen sie so schnell schwimmen, ich krieg ja Wasser ab“ und „Immer diese Schwimmer, machen alles nass“ sind die beliebtesten Kommentare.

Ist ja auch wirklich frech. Man stelle sich das vor. Im Schwimmbad zu schwimmen. Ungehörig sowas.


Die Wasserdrohnen haben unterschiedliche Wasseraufenthaltszeiten. Sie verlassen das Wasser über die Treppe, nehmen ihre Tasche und laufen wie der Blitz unter einer Dusche entlang. Wenige setzen dann eine Plastikhaube auf und waschen sich.


Zum Abschied wird noch über sieben Kabinen und drei Gänge hinweg über böse Schwimmer, Bademeister und nasses Wasser gemeckert. Dann gehen sie zum Orthopäden und wundern sich über Nackenschmerzen, Hüftprobleme. Kann man nix machen, sagt der Doktor. Sie schwimmen nicht richtig. Frechheit. Der versteht sie nicht. Also bleibt nur der Friseur. Der sprüht alles fest, damit sie auch beim nächsten Wasserkontakt betonierte Haare haben.

Typ Wasserschaufler


Dieser Typ trägt oft Badebekleidung, die vor 20 Jahren zuletzt gut gepasst hat und viel zu klein ist. Seine Sache, eigentlich, wären da nicht nackte Tatsachen, die keiner sehen möchte.

Badekappe braucht er nicht, jeder soll sein volles oder auch gedacht volles Haar sehen. Brillen tragen nur die Weicheier, ihn entstellen auch Kaninchenaugen nicht. Meist ist er männlich, aber es gibt auch wenige weibliche Wasserschaufler.


Der Wasserschaufler betritt das Bad so, dass ihn jeder sehen muss. Er sieht ja gut aus, hat eine Topfigur, jedes Kilo am Bauch ist hart erarbeitet und ist der Athlet, der sich jeder wünscht zu sein.

Hat er seine Sachen abgelegt, manchmal nur ein Handtuch, manchmal gut gefüllte Kosmetiktasche, geht er, nein er schlendert zum Beckenrand. Dort steht er eine Weile, bis auch der letzte, der sich im Becken befindet, ihn wahrgenommen hat. Was er jetzt tut, muss einfach jeder sehen.


Er steht grundsätzlich an der Sportbahn. Wer wenn nicht er.


Wenn er sicher ist, dass jeder ihn gesehen hat, gibt es variable Situationen, aber sie enden alle gleich. Er springt. Mit dem Kopf voran. Und landet einen Bauchklatscher. Oder er springt eine Arschbombe. Ist man dabei gerade in der Bahn, sollte man kurz die Augen schließen. Die viel zu enge Badebekleidung rutscht meist und man sieht Dinge, die man nicht sehen wollte.


Nun kommt es darauf an. Entweder er bleibt am Rand. Das war schließlich anstrengend. Jeder hats gesehen. Top Sportler.

Oder er schwimmt sofort los. Beide, Randsteher und Sofortschwimmer haben eins gemeinsam. Sie schaufeln soviel Wasser wie möglich aus dem Becken. Schließlich haben sie dafür bezahlt und so geht schwimmen. Je mehr Schaum und Wasserverlust im Becken, desto Athlet.


Frosch und Ästhetikschwimmer haben bereits bereits beim Antritt dieses Wasserschauflers die Sportbahn verlassen , sie wollen ja nicht riskieren, geschlagen, getreten und zum Wasser schlucken gezwungen werden.


Der Wasserschaufler schwimmt jetzt eine Bahn. Vorwärts mit rudernden Armbewegungen glaubt er sich kraulend und kommt nach etwa 2 Minuten am Ende der Kurzbahn an. Hochroter Kopf. Hechelnde Atmung, als Beobachter überlegt man kurz, ob man die Aufsicht bittet, den Rettungswagen zu holen. Dann allerdings, nach etwa 5 bis 10 Minuten hat er sich erholt. Wenige Wasserschaufler wiederholen dieses Programm. Und dabei gehört ihnen die Bahn. Allein und wer das nicht versteht, dem wird es bewusst, wenn man im Wasserlosen Becken schwimmt oder Kopfschläge, Fußtritte spürt, unabsichtlich, aber Schwimmen bedeutet für den Wasserschaufler schließlich den Einsatz aller Gliedmaßen in alle Richtungen.


Meist paddelt er erschöpft zur nächsten Leiter. Das Wasser schaufeln vergisst er dabei nie.Er verlässt das Becken. Auch an dieser Stelle ist es sinnvoll, die Augen zu schließen. Rutschende Badekleidung, ein vorstehender stark geröteter Bauch, all das erweckt Mitleid. Das braucht er nicht. Er ist einfach knallharter Sportler. Er geht jetzt zu seinem Handtuch. Dort erinnert er sich an den Hampelmann aus seiner Kindheit und macht dieselben Bewegungen. Dann geht er, nie ohne den letzten Blick aufs Becken.


Sein Sportprogramm war so anstrengend, dass er jetzt Bier und Schnitzel braucht.

Typ Käfer


Dieser trägt gern Shorts oder Blumenbadeanzug. Ob er Badekappe trägt, hängt vom eigenen Geschmack ab. Eine Chlorbrille braucht er nicht.


Oft kommt er mit Plastiktüte in die Schwimmhalle. Die hängt er auf.


Er betritt das Wasser über eine bequeme Treppe und legt los. Rückwärts.


Den ersten Zusammenstoss hat er meist schon bevor er sich einen Meter bewegt hat. 

Er wusste einfach nicht, dass noch andere Leute im Schwimmbad sind. Und in der Sportbahn schon gar nicht.


Meist regt er sich nicht darüber auf, die werden ja ab jetzt Platz machen. Er kann ja schließlich nicht sehen, wohin er sich bewegt.


Und er bewegt sich. Wie ein Käfer, der auf dem Rücken liegend versucht wieder auf die Beine zu kommen. Nur will der Typ Käfer nicht auf die Beine, repektive in die Bauchlage.

Sein Arzt hat ihm mal gesagt, Rückenschwimmen ist gesund.


Das ist es auch. Wenn man schwimmt auf dem Rücken. Unkoordiniertes rudern, mit beiden Armen gleichzeitig hat mit Rückenschwimmen so wenig zu tun wie der Marienkäfer aus Schokolade fliegen kann. Wenn dann noch auf Teufel komm raus mit den Beinen gestrampelt wird, wird’s gefährlich. Besonders für seine Hüften und den Nacken, aber auch für Schwimmbadbesucher.


Grundsätzlich böse ist er nicht, der Typ Käfer, er merkt es einfach nicht. Schließlich kann er nix sehen und auf die Idee, dass die Welt sich nicht um ihn dreht, kommt er nicht.


Dieser Typ hält sich meist 30 bis 45 Minuten im Wasser auf. Dann geht er duschen. Ja. Das tut er meist. Die Wärme tut seinen Knochen, die ihn alle einzeln schmerzen, gut.


Immer diese Hüftprobleme, Sport ist doch Mord.

Typ überehrgeizige Eltern


Die Familie fährt mit dem Geländewagen auf den Parkplatz. Schneidet zwei Toyotafahrer und regt sich beim aussteigen über diese Proleten auf. 60.000 Jahreseinkommen, Doppelverdiener, ihnen steht dieser Parkplatz zu als Leistungserbringer dieser Gesellschaft. Schlimm genug, dass man sich mit diesen Leuten das Schwimmbad teilen muss.

Dieser Typ tritt meist zu zweit auf. Immer mit dem zukünftigen Top Athleten des DSV.

Die Bekleidung ist hochmodern und schick. Badekappen tragen die Mütter dieser Gruppe nicht. Väter durchaus. Auch Chlorbrille teuerste Marke ist dabei.


Sie kommen mit großer Familientasche, Inhalt ist alles was gesund ist, Zweitbadekleidung und das I Phone.


Die Ehrgeizeltern, die Paarweise auftreten haben folgende Vorgehensweise: Vater geht ins Wasser und Mutter zieht den zukünftigen, fünfjährigen Top Athleten an den Beckenrand. Der steht da mit seinen Schwimmflügelchen und hat Angst.

Nun geht’s los: „spring, Lukas Jannis Alexander- wahlweise Marie Luise Lara- der Papa passt auf“


Der kleine Zukunftsathlet weint. Die Mutter redet auf ihn ein.

Immer wieder, der Ton wird lang gezogen „sprihihing doch Luuuukaaas Jaaannnnisss Aaaaalexander“

Dann folgt „du springst jetzt, sonst...(Drohkulisse)“

Und dann wieder die antiautoritäre Verständnistour, die ein Fünfjähriger inhaltlich nicht erfassen kann „Wenn du jetzt springst, kannst du später der zweite Michael Phelps werden und die ganze Welt wird deinen Namen kennen. Du wirst Arzt und vielen Leuten helfen, aber dafür musst du jetzt ins Wasser“

Irgenndwann verliert sie die vermeintliche contenance.


Schubst ihn dann rein und der Vater, der sich vom Beckenrand entfernt hat, lässt den weinenden Zukunftsathleten strampeln bis er aussieht wie eine Qualle.


Vater macht ihm nun die Schwimmübungen vor. Oder zumindest, was er dafür hält. Nach 2 Metern gibt er auf. Das Kind säuft fast ab. Er zieht es an den Rand und spricht mit ihm. „Als ich so alt war wie du, da...“


Jetzt tritt der Bademeister auf den Plan, der von anderen Gästen des Schwimmbades informiert wurde. Er bittet die Eltern, mit dem Kind ins Nichtschwimmerbecken zu gehen.


Ach, ich vergass zu erwähnen, das ganze findet selbstverständlich in der Sportbahn statt. Sonntags. Wenn Berufstätige ihre Bahnen ziehen und etwa 12 Schwimmer sich im Kreisverkehr die einzige geleinte Bahn teilen. Und wehe, einer von ihnen wagt es, diese Ehrgeizeltern zu bitten, das zu unterlassen. Wer sind diese Leute denn schon.


Und jetzt kommt also der Bademeister dieses Unterschichtentempels. Und dann geht’s richtig los. Vater hebt das Kind aus dem Wasser. Das steht am Beckenrand und hat soviel geweint, dass der Wasserstand gestiegen ist. Mutter geht zur Familientasche, Vater zieht sich mühsam aus dem Becken und baut sich vor dem Bademeister auf. „Sie wissen wohl nicht, mit wem sie es zu tun haben. Mit ihrem Chef gehe ich regelmäßig zum Schach, sie werden schon sehen, was sie davon haben“ Mutter ist zurück, I Phone in der Hand. Sie musste ihre gesamten Damenbekanntschaften der „wie fördere ich mein Kind Gruppe“ per whats app informieren. Und hält mit der Kamera drauf, wie der Vater ihres Kindes den Bademeister zur Schnecke macht.


Der bleibt eisern und die Ehrgeizeltern verlassen diesen Ort der Gewöhnlichkeit.


In zwei Stunden muss der kleine zukünftige Klaviervirtuose sowieso zur Musikförderung.



Typ Kampffisch


Dieser Typ unterteilt sich in zwei Untergruppen. Gruppe 1 kann excellent schwimmen, ist meist Vereinsangehöriger, trägt Markenbadebekleidung, Kappe und Chlorbrille. Sie treten meist zu zweit auf und oft sind sie relativ jung.


Gruppe 2 trägt unterschiedliche Badebekleidung, durchaus Bikini, Badehose oder Schwimmanzug. Chlorbrille immer. Dieser Gruppe gehören auffallend viele Männer an und sie treten meist als Einzelkampffische auf. Entweder recht jung oder mindestens im mittleren Alter.

Geduscht sind Kampffische fast immer. Und immer treten sie mit ihrem gesamten Equipement im Schwimmbad auf: Paddles, Board, Pullbuoy und so weiter.


Beide Gruppen findet man ausschließlich in der Sportbahn. Aber nicht nur das eint sie. Sie sind unsportlich im Verhalten. Ihnen ist es völlig gleichgültig, was andere wollen. Sie sind die Schwimmer. Während Gruppe 1 der Kampffische schnell und eine gute Technik schwimmt, schwimmt Gruppe zwei nur in ihrer Vorstellung schnell. Von Technik hat diese Gruppe nie gehört. Schnell, egal wie und was das ist.


Es geht los bei Gruppe 1 mit Genöle:“das wird schwierig heute. Kein Platz und guck mal, die können alle nicht schwimmen“ Dann wird die Schwedenbrille- diese Gruppe ist hart im nehmen, schließlich Vereinsschwimmer oder wären es gern- zurechtgerückt. Das dauert. Sie stehen dabei immer zu zweit am Rand der Sportbahn. Die Rollwende brauchen andere nicht machen. Sie sind die echten. Nach etwa 10 Minuten Genöle, Brille richten, geht’s los. Tolle Technik, Geschwindigkeit, Rollwende perfekt, alles wird überholt. Es ist ihnen gleichgültig, ob sie langsamere über den Haufen schwimmen oder treten. Sie schwimmen ja.


Gruppe 2 richtet am Rand die Brille, dehnt und streckt sich, egal ob da jemand schwimmt. Sie schwimmen los. Mittlere Bahn. Immer. Ob andere überholen wollen, die schneller sind, ist ihnen egal. Sie sind die schnellsten. Rollwende können die wenigsten. Nach 200 Meter ist noch lange nicht Schluß. Sie besetzen die mittlere Bahn. Aber dann. 


Werden die mitgebrachten Hilfsmittel angelegt. Paddles sind verboten, aber das interessiert diese Gruppe nicht. Mittlere Bahn, wer was auf den Kopf kriegt, gehört entfernt.


Beide Gruppen sind etwa eine Stunde im Wasser. Zum Schluß nölt Gruppe 1 wieder über alle Nichtschwimmer. Natürlich am Beckenrand.

Gruppe 2 versucht sich oft elegant aus dem Wasser zu ziehen. Klappt nicht immer. Bevor sie das aber tun, wird am Rand noch10 Minuten lang das Equipement zusammengesucht.


 

Das Schwimmbad verlassen beide Gruppen lässig und sind stolz auf ihre Leistung, heute wieder allen gezeigt zu haben, 

wie Unsportlichkeit richtig geht.


Typ Liebestoll


Die Badebekleidung dieses Schwimmbadtyps ist Geschlechtsabhängig

Die Damen tragen so wenig Stoff wie möglich. Unpraktisch wäre das.

Die

 

Männer tragen häufig Knielange Schlabberhosen. Das erfüllt seinen Zweck. Er braucht Platz. Der Er.

Der Typ Liebestoll ist immer zu zweit. Paar Liebestoll wäre korrekter.


Sind sie nicht gleichzeitig im Bad, dann wartet der erste. Aber meist tauchen sie synchron aus der Umkleide auf. Vermutlich whats appen sie. Man vermisst sich schließlich so. Seit dem betreten der unterschiedlichen Umkleiden sind drei Minuten vergangen. Nicht auszuhalten.


Dann wird geknutscht, lange und ausgiebig. Nicht um ihr Glück zu demonstrieren. Sie tun es, weil sie einander so vermisst haben.


Hand in Hand sitzen sie am Beckenrand, Küsschen hier, Küsschen da.

Irgendwann gehen oder springen sie ins Wasser. 10 Sekunden ohne den anderen. Also wird am Rand weiter geknutscht.


Sie schwimmen allerdings auch noch. Ein, zwei Bahnen. Nebeneinander, um sich am Rand in Empfang zu nehmen und zu knutschen.


Jetzt könnte man denken, ach, die jungen Leute. Wir waren auch mal Teenies.

Haben vielleicht strenge Eltern oder das Studentenzimmer in der WG ist zu klein, die Mitbewohner lästig.


Das sind mitnichten immer Teenager. Oft sind es Erwachsene. Die haben kein Zuhause. Oder haben eins und da sitzt ein Nichtschwimmer auf dem Sofa?


Diese Erwachsenen belassen es nicht beim Knutschen, necken und innigem aneinander schmiegen.

Vielleicht haben sie was verwechselt und wollten eigentlich in einen entsprechenden Club?


Wenn sie das Schwimmbecken verlassen, gehen sie immer Hand in Hand. Bis zur Trennung an der Umkleide. Sie sind schnell in der Dusche. Und keiner zieht sich so schnell an.


Fünf Minuten später sieht man sie draussen, knutschend.

Typ Wasserbesitzer


Diese Schwimmbadnutzer sind in unterschiedlichster Ausprägung zu finden. An der Kleidung kann man sie nicht erkennen. Sie tragen alles. Eng, weit, Knielang, Kappe, mit und ohne Brille.


Wenn sie das Schwimmbad betreten, gehört ihnen das Wasser. Sofort.


Manche von ihnen springen rein, andere nehmen die Treppe. Eins haben sie gemeinsam. Sie gucken nie rechts oder links. Ihnen ist es völlig egal, ob sie jemanden in den Rücken springen. „Was wollen sie denn, gehört ihnen die Bahn“ ist der beliebteste Satz der Wasserbesitzer.

Man erkennt sie auch nicht an ihrem Schwimmstil. Manche können einigermaßen schwimmen. Manche verwechselt man zunächst mit Badeentchen. Das ist fatal. Denn Wasserbesitzer schäumen, strampeln, um soviel Wasser wie möglich umzuverteilen. Sie brauchen Platz und Abwechslung. Nur sportlich schwimmen in dieser Bahn? Das tun sie doch. Sie wechseln, sind mal hier, mal da und auch im Nichtschwimmerbecken.

Und sie tun es oft lange. Das Wasser umverteilen.

Sie sind nicht wie die Wasserschaufler mit ihren short stays. Sie schaufeln das Wasser auch nicht aus dem Becken. Ihre Aufgabe ist es, das Wasser möglichst neu im Becken zu verteilen. Und dafür wird jede Bahn benutzt. Kreuz, quer, den Rand besetzen. Das muss sein. Wie würde das Wasser ohne sie sonst vernünftig geordnet.

 

Der Wasserbesitzer ist häufig dreist genug, einzufordern, man solle doch die Bahn wechseln oder am besten gleich ganz das Bad verlassen.

 

Manchmal ist es ein ganz klein wenig lustig, wenn Wasserbesitzer und Wasserdrohnen zunächst glauben, Angehörige der gleichen Gruppe zu sein. Wenn sie dann bemerken, wie gegensätzlich ihre Kriegsziele sind, gibt’s was zu lachen.

 

Der Wasserbesitzer verlässt das Bad genau dann, wenn er glaubt, die Umverteilung sei gelungen. Er geht stolz Richtung Dusche und man beginnt wieder ruhig seine Bahnen zu ziehen. Es kommt aber vor, dass der Wasserbesitzer zurückkommt. Und das ganze geht von vorn los.

 

Der Wasserbesitzer geht nie so ganz.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Viv Evans (Dienstag, 26 Januar 2016 18:19)

    Das war eine herrliche Beschreibung!
    Ich darf Ihnen verraten dass ich diese Typen allesamt auch aus meine Schwimmbecken kenne - die sind allerdings in Grossbritannien ...
    Muss am Chlorwasser liegen, nicht wahr?
    :-)

  • #2

    schwimm-blog-berlin.de (Dienstag, 26 Januar 2016 21:16)

    Vielleicht schlucken die zu viel davon ;-)

  • #3

    Pit (Montag, 06 März 2017 11:58)

    Typ "Arschloch" fehlt. Der hat uns im Wellenbad am Spreewaldplatz erst mehrmals halb über den Haufen geschwommen, weil er aggressiv sein Bahn halten musste, ohne sich um andere Schwimmer zu kümmern. Als er darauf hingewiesen wurde (durch kurzes Berühren beim Bahnwechsel und Ansprechen), reagierte er mit wüsten Beschimpfungen. Nach einem freundlichen Hinweis beim Bademeister, dass da einer aggressiv wird, beschwerte er sich seinerseits lautstark. Und verfolgte uns in der Dusche. Und kam nochmal in die Umkleide zurück für weitere Kommentare. Passiert sehr selten, aber passiert.