Fazit des Managements Ole Bested Hensing von Mai 2013 bis Mai 2015

Die Berliner Bäderbetriebe werben mit 62 Bädern- Berliner Schwimmer bleiben dabei auf dem Trockenen

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Schwimmen so oft sie wollen“ heisst der Werbeslogan für die 539Euro (ermäßigt 319€) teure Jahreskarte. Wo, fragen sich Berliner Schwimmer.

 

 

Eine Bilanz des Managements von Ole Bested Hensing, Chef der Berliner Bäderbetriebe (BBB) von Mai 2013 bis Mai 2015 aus Sicht einer Schwimmerin

 

Das neue Bäderkonzept sieht vor, alle Bäder sollen geöffnet bleiben.

Zwei neue Bäderparadiese, in Pankow und Mariendorf gebaut werden. So wurde es der Öffentlichkeit vermittelt.

Vergessen wurde zu erwähnen, dass diese Öffentlichkeit keine geöffneten Bäder findet, in denen man schwimmen kann.Schon gar nicht „so oft sie wollen“

 

Realität für die Bürger, immer mehr Schwimmhallen sind nur noch für Vereine, Kurse und Schulen nutzbar.

 

Öffentlichkeit nicht erwünscht.

 

Die BBB müssen hierfür Wasserfläche zur Verfügung stellen. Sie ist vorhanden, zum Teil Sanierungsbedürftig und das größte Problem ist der Personalmangel und die Weigerung einzustellen. Deshalb werden weitere Hallen außerhalb der Schul- Kindergarten- und Vereinszeiten auch nicht mehr für Berliner Bürger geöffnet.

Ich wette schon jetzt, dass sowohl das Stadtbad Tempelhof als auch das Stadtbad Wilmersdorf I nach Errichtung der Bäderparadiese für die Öffentlichkeit gesperrt werden, wie viele Bäder jetzt schon nicht für die Öffentlichkeit nutzbar sind. Wilmersdorf II war bereits wie andere ein Schul- und Vereinsbad. 

Parallelbetrieb allerdings gibt es in allen von mir besuchten Bädern. Das heisst, selbst wenn geöffnet ist, heisst das noch lange nicht, dass man schwimmen kann in einer (abgetrennten) Bahn.

 

Mit „Mehr Hallenbäder geöffnet, flexiblere Öffnungen der Freibäder“ war Ole Bested Hensing, nun scheidender Chef der BBB, angetreten. Mehr Nutzergruppen ansprechen.

 

Realität im gesamten Südwesten Berlins, Kreuzberg, Neukölln, Tempelhof, Schöneberg, Steglitz, Zehlendorf und bis Wilmersdorf bleiben nur Sternebäder geöffnet. Die Halle des Kombibads am Ankogelweg ist bereits vor Ostern geschlossen worden. Das Stadtbad Tempelhof hat für die Öffentlichkeit an drei Tagen insgesamt nur 19,5Stunden geöffnet. Die Schwimmhalle Hüttenweg, saniert für viele Millionen, öffnet wenige Stunden für die Öffentlichkeit.

Es blieb also die etwa 45 minütige, einfache Fahrt in die Schwimmhalle Finckensteinallee , aber dort ist nun auch bis Ende August geschlossen. Diese Halle wurde für über 12 Millionen Euro saniert und ist nach nur 9 Monaten Öffnung aufgrund massiven Personalmangels, der vor Sanierung bekannt war, geschlossen. Ausweichen war auch in die Schwimmhalle Wilmersdorf I mit einer einfachen Fahrtzeit von 35 Minuten noch möglich. Vor Abschluß des zweiten Premiumvertrages (Jahreskarte) hieß es Seitens der BBB, Wilmersdorf I bleibt den gesamten Frühling und Sommer geöffnet. Nun schließt die Schwimmhalle doch zum 23.Mai bis Ende August. Selbst das Personal wurde davon überrascht.

 

Freibäder (beheizte, 24,5 Grad Wassertemperatur) welche sonst zum 01. Mai Traditionsgemäß öffneten, sind Teilweise weiter geschlossen. Unbeheizte Freibäder öffnen immer erst frühestens im Juni. Ich persönlich halte das für richtig. Jeder kennt den Berliner Frühling und Sommer.

Ein kurzer Ausflug in die Temperaturwerte der letzten fünf Jahre im Mittel.

Mai 2010 13,2 Grad

Mai 2011 15,7 Grad

Mai 2012 14,3 Grad

Mai 2013 14,3 Grad

Mai 2014 15,2 Grad (Quellen Deutscher Wetterdienst, Wetter.com und Wetter Kontor)

 

 

Mai 2015, Morgentemperatur zwischen 2 Grad und 9 Grad. Nachts zwischen Frost und 8 Grad. Temperaturmittel bisher 12,1 Grad.

 

Wo soll der Schwimmer nun seine Bahnen ziehen?

 

Die Schwimmhallen sind ab 23. 05. im gesamten Südwesten und Wilmersdorf geschlossen. Im Osten der Stadt sieht es derzeit (noch!) etwas besser aus.

 

Werbewirksam wurde unter anderem der Abendschau (RBB) am 27.04.2015 mitgeteilt, dass mehr Hallen geöffnet bleiben. Unerwähnt blieb, dass es sich bei allen genannten Schwimmhallen um sogenannte Sternebäder mit 30 Grad Wassertemperatur handelt. Schwimmen gefährdet Ihre Gesundheit? Ist das der neue Slogan der BBB?

 

Was sind Sternebäder?

 

Aus Freizeitbädern, in denen das Personal es jeder Gruppe Nutzer recht machen konnte, Schwimmern ihre Bahnabtrennung bei 27,5 Grad Wassertemperatur zu bekannt gegebenen Zeiten, Kindern den Tobebereich usw, wurden Sternebäder mit 30 Grad Wassertemperatur, sportliches schwimmen nun unmöglich ohne Kreislaufschäden zu riskieren.

Das Ganze zum Eintrittpreis von 5,50€ Basistarif und 7,50€ Haupttarif für Erwachsene. Zwei massive Preiserhöhungen ohne Änderung des Komforts zum Beispiel der Kabinen oder der Ausstattung wie Rutschen, Whirlpool, Schwimmbecken, sanitäre Anlagen. Im Gegenteil.

Teilweise bleiben ganze Gänge mit Kabinen (gleichzeitig Spinde) trotz hohem Gästeaufkommen geschlossen. An einem Tag im Sternebad haben fünf andere Damen und ich eine ganze Zeit eine freie Kabine suchen müssen, vergeblich. Eine der Damen informierte einen Angestellten, dass alle Kabinen besetzt waren (abgeschlossen) und dieser verwies uns in die Sammelumkleide in der etwa 25 Kinder bereits tobten und sich umzogen. Einen Schlüssel für die Schlösser mit denen die Gänge abgeschlossen waren hatte er nicht. Für eine der Damen war es besonders schwer, das sie sichtbar gehbehindert ist.

Ein Servicedesaster, aber was soll das Personal machen wenn zu wenig Angestellte vor Ort sind? Sicherheit an Becken muss durch mindestens je eine Person gewährleistet sein.

 

Ich wollte unbedingt testen, ob es nicht doch möglich ist, langsam zu schwimmen in so einem Bad. Nach etwa 10 Minuten musste ich aufgeben. Trotz sehr stabilen Kreislaufs wurde mir schwindlig und ich bekam Herzrasen.

Die Nutzergruppe Familie mit Kindern und im Wasser Badende wird hier angesprochen, Schwimmer bitte draußen bleiben.

 

Welche wirtschaftliche Logik steht hinter dieser Öffnungspolitik?

 

Wenn die BBB alle Hallen schließen und auf Freibäder verweisen, geht man von Sommern mit täglich 25Grad Außentemperatur aus? Wie folgt die Offenhaltung und vor allem, beibehaltene Wassertemperatur von 30 Grad der Sternebäder dieser wirtschaftlichen Entscheidung?

 

Ein kurzer Ausflug in die Temperaturen der letzten fünf Jahre.

Die Sommer im Mittel:

2010 17,8 Grad

2011 18,7 Grad

2012 18,5 Grad

2013 19,7 Grad

2014 19,2 Grad (Quellen Deutscher Wetterdienst, Wetter.com, Wetter Kontor)

 

Jeder weiß, was ein Mittelwert ist. Die BBB verzeichnen sinkende Besucherzahlen. Warum wohl? Wer will ins Freibad, wenn es morgens regnet, bei 15 Grad? Selbst wenn es nachmittags 25 Grad werden, so ist schwimmen unmöglich. Tobende, springende Kinder, herumplanschende, nicht um sich schauende Jugendliche, Erwachsene die im Wasser sich nur abkühlen wollen. Auch ich war mal ein Kind und Kinder, Familien, wollen baden. An Sommertagen extrem volle Wasserbecken. Baden ist nicht schwimmen. Abgetrennte Schwimmbahnen aufgrund Personalmangels nicht möglich. Also auch hier: Schwimmer bitte draußen bleiben.

 

Ein großer Teil der ehemaligen Stammgäste ist abgewandert. In die Schönefelder Welle. Jahreskarte 225 Euro (ermäßigt 150 €). Auch in die Zehlendorfer Welle die zu Fitness First gehört ausweichen ist eine Option für viele geworden. Monatsbeitrag um 50Euro und die Garantie, schwimmen zu können.

 

Das Positive in den Berliner Bädern ist das Personal.

Besonders hervor zu heben ist dabei das Stadtbad Tempelhof. Dort kennt man die Not der Schwimmer im Berliner Südwesten und hat zwei Bahnen abgetrennt, eine für schnellere, eine für die, die nur Bahnen schwimmen und der Rest ist für die Gäste, die sich beim schwimmen unterhalten wollen. Es ist der Umsicht des Personals zu verdanken, dass es in diesem 25 Meter Bad Bahnen gibt, denn durch Aquafitness war dort Jahrelang während der Kurse überhaupt kein schwimmen möglich, trotz der geringen Wochenöffnungszeit für alle Berliner. Das Bad ist das wohl sauberste, welches ich kenne. Die Schwimmlehrer der BBB dort freuen mich immer wieder. Da legt sich die Schwimmmeisterin an den Beckenrand, um einem ängstlichen Kind Mut zu machen und nach wenigen Wochen schwimmt es ohne Angst wie ein Fisch.

 

Auch im Stadtbad Lankwitz gab es im letzten Jahr(noch nutzbar zum schwimmen) zwei Schwimmlehrer, die mit Geduld und Umsicht jeden der kleinen Schwimmschüler am Ende die Prüfung abnehmen konnten.

Im Stadtbad Wilmersdorf ist es der Aufmerksamkeit des Personals zu verdanken, dass dort, ebenfalls nur 25 Meter, zwei Bahnen für Schwimmer nutzbar gemacht werden, wenn gerade kein Verein, Kurs, Schule dort schwimmt im Parallelbetrieb.

Leider darf das Personal die Gäste nicht auffordern, sich vor dem betreten des Beckens zu duschen, trotz Hinweistafeln tun das immer weniger. Ekel vorprogrammiert. Ich musste in allen Schwimmbädern oft erleben, was das Personal sich anhören muss, wenn darum gebeten wurde. Ich befürchte, die BBB geben dem Personal an dem Punkt einfach nicht genug Rückendeckung, so dass mittlerweile Tonnen von Haarspray und Make up durch die Filter gehen müssen.

 

 

Überall spürt man als Gast, dass selbst das Personal überrascht ist von Schließungen. Man spürt einen regelrechten „Maulkorb“ . Die Angestellten versuchen, alle Kunden irgendwie zu berücksichtigen. Eine unmögliche Aufgabe, aber das Engagement möchte ich unbedingt erwähnen. Es ist in den Berlinern Bädern überall freundlicher geworden. Na, fast überall. Im letzten Jahr bekam ich in der Schwimmhalle Ernst Thälmann Park eine merkwürdige Antwort auf die Frage „In welcher Bahn darf man sportlich schwimmen“ Der anwesende Angestellte hob an mit „wir sind doch alle Brüder und gleich“...aber das ist eine andere Geschichte. Ich glaube, ich muss doch mal einen Blog eröffnen und über die Erlebnisse in Schwimmbädern berichten...**

 

Der neue Internetauftritt der BBB ist sehr modern gestaltet. Die Suchmaske leider nutzlos wenn Schwimmer keine erreichbare Schwimmhalle finden. Die Mitarbeiterinnen in der Kundenbetreuung sind immer freundlich, versuchen auf Fragen zu antworten, aber welche Antwort gibt es bei sämtlich geschlossenen Schwimmhallen für den Südwesten?

 

Jetzt sitze ich mit meiner Jahreskarte auf dem Trockenen. Danke für Ihre Vorauszahlungen, liebe Schwimmer höre ich die Buchhaltung der BBB flüstern.

 

 

 

Dieser von mir für den schwimm-blog-berlin im Mai 2015  verfasste Beitrag wurde den Berliner Bäderbetrieben von mir, unter Nennung meiner persönlichen Daten,  zur Kenntnisnahme per E Mail am 20.05.2015 zugesendet. Ohne Genehmigung zur Veröffentlichung.

Die blau gekennzeichneten Sätze sind in der Betriebsinternen Zeitung veröffentlicht worden. Ohne Nennung der Quelle schwimm-blog-berlin, ohne Genehmigung, sinnentstellt gekürzt.

 

Dieses Fazit wurde ebenfalls  an an den zuständigen Senator Frank Henkel, sämtliche Medien und Parteien gesendet, zur Kenntnisnahme. Veröffentlichung nur mit meiner Genehmigung und unter keinen Umständen Sinnentstellt.

 

 

**Der schwimm-blog-berlin ist mittlerweile eine homepage.

Nachtrag Juli 2015:

 

 

Geöffnet bleiben die Sternebäder, ungeeignet zum schwimmen.

Momentan sind drei Schwimmhallen, zwei in unmittelbarer Nähe zueinander, Lichtenberg, Prenzlauer Berg und eine in Moabit geöffnet. Parallelbetrieb ist in den Hallen sowieso.

28.07.2015, 14 Grad morgens, Tagestemperatur erwartet:20 Grad.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Dieter Korte (Mittwoch, 05 August 2015 09:44)

    Hallo,
    die Bilanz der "neuen", inzwischen teilweise alten Führung der Bäderbetriebe ist mehr als schlecht. Die Einnahmesituation und die Besucherzahlen sinken immer weiter. Die leicht gestiegenen Zahlen im ersten Halbjahr 2015 sind auf die drei wieder eröffneten Bäder zurück zu führen. Eigentlich hätten die Besucherzahlen mit diesen Bädern deutlich steigen müssen. Zieht man die drei Bäder ab, kommt ein großes Minus zustande.
    Es wurde viel Geld in Werbung bzw. wie es heute so schön heist Marketing gesteckt. Dieses Geld wäre besser in die Bäder bzw. in Personal vor Ort gesteckt worden. Nach meinen Informationen gibt es ohne Herrn Hensing (der im Januar einen Rücktritt noch ausgeschlossen hat, da ja alles so gut funktioniert)immer noch 4 Beschäftigte (auch der Badmanager soll dazu gehören) die mehr Geld (mehr als die höchste Eingruppierung im Tarifvertrag TV-L)erhalten, wie ein_e Geschäftsführer_in in einem Kita-Eigenbetrieb.
    Jetzt soll schon wieder eine gut dotierte Stelle in der Leitungsebene installiert werden. Vor Ort wird Personal abgebaut. Das verbliebene Personal weis nicht mehr wo es zu erst hin soll. Da Personal fehlt, werden Öffnungszeiten verkürzt oder Bäder an Vereine abgegeben, die nicht mehr für den "normalen" Besucher offen sind.
    Schade, eigentlich könnten die Berliner Bäder ein Vorzeigobjekt sein.
    Hier ist die Politik gefragt. Der Aufsichtsrat mit Innenminister Henkel an der Spitze gehnemigen den Stellenplan und der Senat stellt den Haushalt auf. Eine gute Bäderkultur ist nicht umsonst zu haben.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dieter Korte