Information von  ver.di  zur Situation in den Berliner Bäder-Betrieben

Beitrag von Dieter Korte ver.di 

Alles ist gut“


könnte man meinen, wenn man den neusten Newsletter der BBB vor sich hat.

09.09.2015

Information von  ver.di 

zur Situation in den Berliner Bäder-Betrieben


Beitrag von Dieter Korte

Alles ist gut“


könnte man meinen, wenn man den neusten Newsletter der BBB vor sich hat.

Dabei ist die Bilanz der "neuen", inzwischen teilweise alten Führung der Bäderbetriebe nicht die beste. Die Besucherzahlen sollen sich im Juli und August wegen des guten Wetters zwar verbessert haben, dies ist im Vergleich zu 2013 aber immer noch nicht mehr, obwohl drei Bäder wieder ans „Netz“ gegangen sind und viel Geld in Werbung und Marktforschung geflossen ist. Dieses Geld hätte in die Personalausstattung vor Ort gesteckt werden müssen, um die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten zu verbessern und den Gästen weniger Wartezeiten in der prallen Sonne und eine bessere Hygiene bieten zu können.


Im neusten Newsletter der BBB schreibt Frau Siering: “….entscheidend…ist einzig das Wetter“.


Dem folgt ver.di so nicht, sagt aber eine Menge über die Einstellung zum Personal und den eigenen Einrichtungen aus.

Ob die hochgerechneten Besucherzahlen sich auch beim Umsatz und dem „Gewinn“ bemerkbar gemacht haben, bleibt zu hoffen.

Eine Fokussierung auf 2 – 3 Sommermonate wird dem Auftrag der BBB nicht gerecht. Die BBB sind ein Ganzjahresbetrieb mit Höhepunkten in den Sommerferien.

Im Newsletter steht auch, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bädern engagiert sind. Dies ist eine vorsichtige Formulierung und würde in einem Arbeitszeugnis nicht gut ankommen.

Auch die gelobte Zahl der Schwimmkurse würde noch weiter steigen, wenn es genug Personal geben würde, um mehr Termine für Kinder mit berufstätigen Eltern anbieten zu können.


Es ist wirklich schön, wenn zwei oder sogar vier neue Bäder gebaut werden sollten. Der Vorstand hat aber auch an das Hier und Heute zu denken.


Nach unserer Ansicht war die Stimmung noch nie so schlecht wie heute.


Der Sommer-Tarifvertrag wurde wieder nicht angewendet. Überstundenzuschläge wurden trotz Dienstvereinbarung nicht pünktlich ausgezahlt, planbare Freizeit stand oft nur auf dem Papier. Aushilfen wurden schon im Juli wieder nach Hause geschickt.

Überstundenzuschläge unberechtigter weise gestrichen und oft wurden die Kolleginnen und Kollegen vor Ort allein gelassen.


Dass der Arbeitgeber BBB weiterhin versucht, seine Position mit allen Mitteln durchzusetzen, zeigt sich an einem Gerichtsverfahren - in einem personellen Einzelfall durch 5 Instanzen. Dass die Kollegin für Monate ohne Bezahlung nach Hause geschickt wurde, nur weil die Aussicht auf ein „gewinnen“ vor Gericht bei einer Weiterbeschäftigung noch geringer gewesen wäre, ist ein Armutszeugnis. Zum Schluss musste der Arbeitgeber zahlen, ohne dass er eine Gegenleistung erhalten hat.



Interessant ist auch der Umgang mit der Beschäftigtenvertretung. Der Personalrat muss seine Rechte immer wieder vor Gericht einklagen. Selbst die Einstellung von normalen Beschäftigten, wie den Bädermanagern, früher Regionalleiter (nur der Begriff Manager ist nicht eingruppierungsrelevant und bringt auch keine Befugnisse in personellen Angelegenheiten), wurde nicht ordnungsgemäß vom Arbeitgeber behandelt. Leitende Angestellte, außerhalb der Tarifnormen, gibt es im Übrigen schon genug.


Die Hygienevorschriften können nicht eingehalten werden, auch wenn dies auf dem Papier später viel besser aussieht, weil die Beschäftigten nicht lange erklären wollen, warum sie diese oder jenes nicht erledigen konnten.


Dass es an einem guten Sicherheitskonzept fehlt, wurde schon von Fachleuten bemängelt.


Die Technik und die Bausubstanz -Betriebsgenehmigungen drohen auszulaufen- werden, wie das Personal, auf Verschleiß gefahren.

Wenn dann mal Geld in die Unterhaltung gesteckt wird, kommt es leider immer öfter vor, dass die Leistungen der Handwerkerfirmen nicht mehr kontrolliert werden können.


Geldverschwendung würden wir auch das Stilllegen der Sauna in der Schwimmhalle Baumschulenweg nennen.

Nachdem die Leitungen erst gekappt wurden, sind sie jetzt wieder am Netz. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Badleitung genügend Personal hat, um die Sauna zu eröffnen. Fehlt dann nur noch die Zeit, um die Öffnungszeiten im Internet den Gegebenheiten anzupassen. Bisher scheint der Vorstand für den Rest des Jahres nicht eingeplant zu haben, dass die Beschäftigten einen hohen Berg von Überstunden vor sich her schieben, die auch in Freizeit ausgeglichen werden sollen. Es drohen weitere Kürzungen im laufenden Betrieb.


Wer plant, ein Bad morgens nur mit einem Beschäftigten zu öffnen, obwohl die internen Vorschriften dies verbieten, ist mehr als zu kritisieren. Eine solche Entscheidung kann man nur als höchst gefährlich ansehen. Dies ist ein deutliches Organisationsverschulden.

Wenn dies Folgen haben sollte, ist der Vorstand in der Haftung. In einigen Bädern sind solche Szenarien geplant.

Wenn dies per Weisung durchgesetzt werden soll, wird ver.di die Aufsichtsgremien und die Unfallversicherung informieren.


Auch die Arbeitszeitvorschriften sollen durch geschicktes Aufschreiben schon mal schön geschrieben worden sein. Da es viele Beschäftigte mit befristeten Verträgen gibt, lässt sich hier ja sehr leicht Druck ausüben.

Die Leitungsebene hat keine Geldnot, dort wurde und wird weiter eingestellt und übertariflich bezahlt. Das verbliebene Personal weiß nicht mehr, wo es zuerst hin soll.

Da Personal vor Ort fehlt, werden Öffnungszeiten verkürzt oder Bäder nur noch durch Vereine genutzt, die ganz oder zu bestimmten Zeiten, wie am Wochenende, dann nicht mehr für den "normalen" Besucher offen sind.

Jetzt sollen 15 befristet Beschäftigte für die Arbeit vor Ort fest eingestellt werden. Dies hört sich erst einmal gut an, reicht aber vorne und hinten nicht, weil der gültige Stellenplan damit bei weitem nicht eingehalten wird. Was wird aus dem Rest der fast 30 Bewerbungen? Haben die, um es mal drastisch zu formulieren, die Arschkarte gezogen und sich umsonst eingesetzt, obwohl auch sie dringend benötigt werden.

Auch auf der Beschäftigtenversammlung am 03.09.2015 konnte den Kollegen keine Perspektive für 2016 aufgezeigt werden.

Hier ist die Politik gefragt. Der Aufsichtsrat mit Innensenator Henkel an der Spitze genehmigt den Stellenplan -für dessen Umsetzung er auch zu sorgen hat- und den Haushalt. Der Senat gibt die unumgänglichen Zuschüsse.

Eine gute Bäderkultur ist nicht umsonst zu haben und braucht eine vernünftige Grundausstattung an Personal in den Bädern mit Fachangestellten, Technikern, Reinigungskräften, Badleitern, Kassenkräften und Rettungsschwimmern.

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung

Kommentar schreiben

Kommentare: 0