Den Berliner Bäderbetrieben fehlen Ideen- Bummelzug in die Multioptionsgesellschaft

Deutschlandweit kann man ganze Bäder mieten. Paare, Gruppen, Veranstaltungen, Geburtstage und so weiter.

Solche Angebote fehlen bei den BBB

Bummelzug in die Multioptionsgesellschaft


Der Kindergeburtstag im Schwimmbad

Spaß versus Wirtschaftlichkeit und Sicherheit?

Den Berliner Bäderbetrieben fehlen Ideen


Deutschlandweit kann man ganze Bäder mieten. Paare, Gruppen, Veranstaltungen, Geburtstage und so weiter.

Solche Angebote fehlen bei den BBB


Die BBB verfügen über Bäder, die dafür prädestiniert sind: zum Beispiel die Kleine Schwimmhalle Wuhlheide.

Bisher bieten die BBB das nur für Kindergeburtstage* und der Rahmen ist eng abgesteckt. Man kann auch eine Bahn mieten, mit 25 Euro je Stunde, völlig überteuert und ohne jede Aufsicht, die dafür sorgt, dass andere aus der Bahn bleiben. Das ist also völliger Blödsinn. Für Filmproduktionen werden Bäder ebenfalls vermietet.


Deutschlandweit gibt es zum Beispiel Angebote für zwei Personen unter 100 Euro, inklusive kleine Buffets, Getränke, saunieren und alleiniger Nutzung der Pools. Größere Gruppen können auch ganze Hallenbäder größeren Umfangs mieten zu einem vernünftigen Preis.


Was machen eigentlich die Marketing Verantwortlichen außer Kostenintensive Marktforschungsstudien in Auftrag zu geben? 


Wie wäre es, tatsächlich sinnvolle Vermietungen von Bahnen mit Beschilderungen, dessen Einhaltung beaufsichtigt wird? Zu einem adäquaten Preis? Wie wäre es, Premiumkarteninhabern endlich mal sinnhafte Angebote in diese Richtung zu bieten?


Es fehlt den BBB an Ideen. Kooperationen mit großen Unternehmen sucht man vergeblich. Auch da könnten neue Einnahmequellen generiert werden. Wie in meinem Kommentar beschrieben zum Stadtbad Tiergarten als Beispiel mit der DB AG oder Hotels.

 

*Der Kindergeburtstag im Schwimmbad


Spaß versus Wirtschaftlichkeit und Sicherheit?


Die Berliner Bäderbetriebe bieten seit einiger Zeit die Möglichkeit Kindern zwischen 5 und 14 Jahren (letztere sind für mich allerdings Jugendliche) in einer Gruppengröße von mindestens 5 und höchstens 15 Personen (hier sind wohl Kinder gemeint) dieses Event an. Je 5 Kinder muß eine Begleitperson dabei sein. 5 Kinder=1 Erwachsener, 10 Kinder 2 Erwachsene...


Diese Option gibt es in den Sternebädern

Stadtbad Lankwitz

Stadtbad Schöneberg

Wellenbad Spreewaldplatz

(Strandbad Wannsee)


Preise variieren, je nach gewählter Option dieser Veranstaltung.

Das Geburtstagskind hat freien Eintritt.


Die günstigste Variante:

Je Kind 12,50 Euro an Wochentagen

Samstag/ Sonntag 14 Euro

Die Begleitperson zahlt 9 Euro, bei jeweils einer Person pro 5 Kinder. Weitere Personen zahlen den vollen Preis wie für die Kinder!


Was beinhaltet das nun genau?


Ein wählbares Menue mit je einem Getränk, der Eintrittspreis ist ja inklusive.


Eine sogenannte „Funbox“ kann man mieten, kostet aber 9,50 Euro extra.


Dauer: scheinbar ohne Begrenzung.


Die teure Variante, Meerjungfrau Geburtstag:

Je Kind 38,50 Euro an Wochentagen

Samstag/ Sonntag 40 Euro

Begleitperson auch hier je 9 Euro, bei jeweils einer Person pro 5 Kinder. Weitere Personen zahlen den vollen Preis wie für die Kinder!


Das beinhaltet die Verkleidung, Make up und Fotos. Aus dem Flyer geht nicht hervor, ob das Menue wie oben beschrieben, auch inklusive ist.


Dauer: 2 Stunden.


Dazu werfen sich Fragen auf.


Gibt es ermäßigte Tarife, um Einkommensschwachen diese Option zu ermöglichen? Wenn ja, wie gestalten diese sich? Wenn nein, wie ist das vereinbar mit dem Auftrag der AöR?


Gab es eine Ausschreibung für das Catering? Wenn ja, wo ist das nach zu lesen, wenn nein, wie viele Angebote wurden eingeholt? Wer ist der Caterer oder handelt es sich um das gleiche Unternehmen wie in anderen Unterlagen aufgeführt? Was kostet das Catering?


Die genannte „Funbox“ musste angeschafft werden.

Gab es dazu eine Ausschreibung/ verschiedene Angebote?

Wer ist der Lieferant?

Wie viele davon wurden angeschafft? Wie teuer sind sie?


Pro Kindergruppe a 5 Kinder gehen die Bäderbetriebe von einer Begleitperson aus.

Wie stellen die Berliner Bäderbetriebe sicher, dass erstens die erwachsenen Personen schwimmen können* und wie wird sicher gestellt, dass, muss der Erwachsene eines der Kinder zur Toilette begleiten oder ähnliches, die anderen Kinder beaufsichtigt werden?

Werden für diese Events extra mehr Mitarbeiter in der Schicht eingeteilt?

Wie gehen die BBB damit um, wenn „Betriebsbedingt“ Mitarbeiter fehlen?


Wie wird die Sperrung des Beckens/ Teile des Beckens gehandhabt?

Die Frage der Wirtschaftlichkeit:

Kosten Menue

Kosten „Funbox“

Kosten Einsatz Mitarbeiter/n

Einbußen Generierung von Einnahmen

stehen den Einnahmen durch einzelne Veranstaltungen bisher gegenüber.


Wie viele solcher Veranstaltungen wurden bisher durchgeführt? Aufgrund des Veranstaltungsortes Wellenbad Spreewaldplatz: wie viele mussten abgesagt werden?

Welcher Zeitraum ist avisiert bis sich die Kosten- Nutzen Rechnung amortisiert und dann Gewinn bringt?


*Ich sehe in vielen Schwimmbädern Erwachsene (Eltern), die sich selbst kaum über Wasser halten können, mit ihren Kindern in den Schwimmerbecken. Aufsichten gibt es meist zu wenig, so dass diese die Eltern oft nur aus diesen Becken holen, wenn das Kind offensichtlich mit Schwimmflügeln ausgestattet ist. Eine Kontrolle, ob der Erwachsene schwimmen kann, kann nicht stattfinden. Ich sehe Erwachsene, auch ohne Kinder, die sich am Beckenrand des Schwimmerbeckens entlang hangeln, wie zuletzt die eindeutige Nichtschwimmerin beim Mitternachtsschwimmen, auf die meine Begleitung mich von außen aufmerksam gemacht hatte, weil er dachte, sie ertrinkt. Sie sagte auf Nachfrage etwa: Nein, alles ok, ich kann nur nicht schwimmen....

 


07.09.2015


Im Bummelzug in die Multioptionsgesellschaft


Auf der homepage der Berliner Bäderbetriebe im Menuepunkt Unternehmen befindet sich seit neuestem eine kurze Abhandlung aus der Autorenschaft von Klaus Batz. Er ist Geschäftsführer der Waterpark Association, die „sich versteht als ein Qualitätsverband der europäischen Freizeitbäder und Thermen.“


Alles was dort steht, findet sich bereits in Abhandlungen auf die Sportinfrastruktur der Kommunen aus den 1990 er Jahren. Wer mehr lesen will dazu, empfehle ich Eckl, Schabert, Wetterich und Schrade um nur einige zu nennen



Die sogenannte Multioptionsgesellschaft hielt Einzug auch in die sportlichen Bedürfnisse des Einzelnen.


Das heißt, weg vom organisierten Sport hin zu Individualismus.

Wellnessoasen statt miefige Turn- oder Schwimmhallen.

Nicht mehr die Vereinsstruktur bestimmt Abläufe und Art der sportlichen Betätigung, sondern das Individium bestimmt, was Sportstätten bieten sollen.


Viele Kommunen haben seither ihre Angebote individualisiert. Allerdings eben nicht Wohnortnah, mit immer neuen Erweiterungen. Strukturen der Verwaltung, Politik sind zu starr, um sich ständig und laufend zu modifizieren. Außerdem fehlen allerorts die finanziellen Möglichkeiten.


Das war und ist der Ruin für die sogenannten Badelandschaften, die überall entstanden waren, sich aber nicht weiter entwickelt haben aufgrund dieser Starre.


Aus ehemals hochmodernen, kommunalen Wellnesstempeln mit Anschein zur sportlichen Betätigung, Sonnenstudios, Cocktailbars und so weiter, wurden oft entweder Ruinen oder schlicht die gleichen miefigen Anlagen wie zuvor die alten Sportausgerichteten Stätten der Kommunen.


Für Berlin erinnere ich an einen Unternehmer, der in Neukölln innovativ das „Blubb“ aus der Taufe hob und unter mysteriösen Umständen damit regelrecht baden ging. Damals war er die größte Konkurrenz der „staatlichen“ Bäderbetriebe.


Im Vereinssport zeigt sich, dass die Förderung der Kinder und Jugendlichen massiv zu wünschen übrig lässt und einzig auf dem Engagement der Trainer und der Vereinsmitglieder aufbauen kann. Gelder werden gestrichen, Vereine schliddern an der Pleite entlang, Mitgliederschwund auch, weil immer weniger Wasserflächen für Breitensport zur Verfügung stehen und ohne Breitensport kein Leistungsport.

Schön zu sehen an den ehemals Weltbekannten Erfolgen der DSV Schwimmer und deren Mißerfolgen der letzten Jahre. Erst mit dem neuen Trainer scheint sich was zu tun, aber auch hier nährt sich das Eichhörnchen nur mühsam, einfach weil die breite Unterstützung durch Förderung fehlt.

Ein junger Schwimmer muss das Glück haben, von Eltern gefördert zu werden, welche die Mittel aufbringen können, teilweise knapp 200 Euro teure zugelassene Wettkampfanzüge zu kaufen und davor natürlich Vereinsbeiträge aufbringen, Fahrtkosten etc.


Zwischenzeitlich entstanden privat finanzierte Spas in immer neuen Varianten. Mal war es das asiatische Flair, was der Kunde wünschte, dann das türkisch ausgerichtete Bad, dann die Steingrotten mit Naturbaderlebnis , Tieren und anschließendem Cocktail in entsprechender Atmosphäre. Es entstanden bis in ländliche Gegenden Thermen mit Erlebnisorientierung ohne Sportanbindung.


Mittlerweile gibt es für jeden etwas in unterschiedlichsten Ausprägungen. Die Eigentümer nehmen dafür Risiken in Kauf, bleiben aber am Puls ihrer Kunden.


Es ist absolut unmöglich für Kommunen in diesem Wettbewerb auch nur zu bestehen, schon gar nicht ihn zu gewinnen.

Es gibt weder die Flexibilität eines Unternehmers noch die finanzielle Möglichkeit und schon gar nicht die Seviceorientierung, die in der Privatwirtschaft eines der drei Standbeine ist.


Im Bäderkonzept 2025 sind nun also sogenannte Bäderparadiese ausgewiesen. Als Standorte vorerst Pankow und Mariendorf benannt. Ersteres soll etwa 25 Millionen Euro kosten, das andere sogar 38 Millionen.

Alle anderen Bäder sollen erhalten bleiben, zum (großen) Teil umgewandelt in Schul&Vereinsbäder, aber auch der Erhalt sogenannter Mischbäder= Teilnutzung durch Öffentlichkeit mit gleichzeitigem Parallebetrieb Schulen und Vereine, Kindergärten und Kurse.


Momentan besteht ein Sanierungsrückstau von etwa 93 Millionen Euro. Vom Senat gibt es jährlich 50 Millionen Euro (man korrigiere mich, falls meine Zahlen falsch sind).


Wie also will man diese neuen Bäderparadiese finanzieren und vor allem, immer auf dem laufenden Stand halten und sich der Multioptionsgesellschaft anpassen.


Schon heute sind die BBB nicht in der Lage, die für viele Millionen Euro sanierten Bäder zuverlässig, ganzjährig offen zu halten. Ja, man ist noch nicht einmal in der Lage die Mischbäder zu den für die Öffentlichkeit zugängigen Zeiten für selbige zur Verfügung zu stellen.


Es wird Zeit, dass die BBB im Jahr 2015 ankommen und keine uralt Thesen auf ihrer homepage als Innovation anpreisen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Geschäftsführer eines Verbandes wie oben beschrieben, Interesse an dem Fortbestehen und wachsen von Thermen und Freizeitbädern hat.



Eins ist sicher, die Bezirksverordneten und der Senat wollen sicher stellen, dass auch Einkommensschwache sich den Schwimmbadbesuch leisten können.

9€ pro Nase als derzeit gedachter Eintrittspreis.Sicher wird es Ermäßigungen geben, aber selbst 7,50€ sind zu viel, wenn man die Entwicklung der Einkommen, Renten und Transferleistungen betrachtet.

Es ist bekannt, dass die Einkommensspirale nach unten zeigt.

Ein heutiger Normalverdiener/Rentner- und das scheint der derzeitige Durchschnittsbesucher zu sein, wie ich in vielen Bädern in Gesprächen erfahre- kann es sich schon heute nicht mehr leisten so oft ins Schwimmbad zu gehen wie vor den zweimaligen Preiserhöhungen. Die erste Preiserhöhung war absolut angebracht nach vielen Jahren ohne Erhöhung der Preise, die zweite ungerechtfertigt.



Das heißt also, 9€ zahlt der Besucher und Steuerfinanziert muß mit Sicherheit- wie heute schon- drauf gezahlt werden. Wo das hinführt ist besonders schön an exemplarischen Beispielen zu sehen.


Stadtbad Tiergarten, um nur eins zu nennen. Völlig runter gekommen, an unmoderner Ausstattung, Ranzigkeit vorhandener sanitärer Anlagen kaum zu unterbieten. Aus einem ehemals schönen Sportbad wurde eine Art Bruchbude mit hoher Unfallgefahr, Ausstattung, die an Lächerlichkeit kaum zu toppen ist und das trotz mehrfacher Sanierung und Reparaturen.

Wer da versagt hat, dürfte leicht zu ermitteln, aber kaum noch zur Verantwortung zu ziehen sein. Sämtliche Manager, Controller, Marketingexperten und politisch verantwortlichen haben dort (und anderswo) völlig versagt.

Mittlerweile steht etwa 5 Meter weiter ein Spa mit hochmoderner Anlage, Serviceorientiert und wie ich sehen durfte, quasi im Pilgeraufmarsch durchgängig sehr gut besucht.


Das Bäderkonzept 2025 ist längst ein überholtes Modell. Wie wäre es mal wirklich innovativ zu handeln und den Bau von riesigen, nur für wenige Wohnortnahe Bäderparadiese denen zu überlassen, die sich damit auskennen?


Es müssen Ideen her, die einer Millionenstadt würdig sind, die sie sich leisten kann.

Es ist an der Politik neue Wege zu gehen und den Wasserkopf Bürokratie und Schaffung von Posten und Pöstchen in Gesellschaften zu entschlacken.



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