Unter der Oberfläche des "Größten Bäderbetrieb Europas" Intelligente Bäderschließungen von der Politik gewünscht

 

8 Uhr: Heute geschlossen wegen des Warnstreiks. Sonst wäre das Bad allerdings auch geschlossen um diese Zeit für die Öffentlichkeit.

Der heutige Warnstreik betrifft auch die Berliner Bäder

Mehr Schließungen als „Betriebsbedingt“ gibt es trotzdem nicht.

Es sollen 10 Bäder betroffen sein.

So what? 12 von 24 an Sonntagen geöffneten sind am nächsten Sonntag geschlossen,einige andere eingeschränkt und nur wenige normal geöffnet

 

 


Tarifbeschäftigte haben sich heute vor dem Stadtbad Tempelhof versammelt um dann zu einer gemeinsamen Kundgebung aufzubrechen.

Wovon genau ist die Rede im Bezug auf Angestellte der Berliner Bäder Betriebe versuche ich mal dar zu stellen.

Vielleicht motiviert des den einen oder den anderen Schwimmer, sich an die Politik zu wenden, wenn man wieder mal vor einem „Betriebsbedingt“ geschlossenen Bad steht.

 

Heute jedenfalls besteht kein Anlass, sich zu ärgern.

Ich habe heute morgen ein kurzes Gespräch mit Frau Westhoff, Tarifkoordinatorin verdi und mit einigen Streikenden vor Ort geführt.

 

Ich bin keine Journalistin, deshalb gebe ich die Inhalte in eigenen Worten wieder.

 

 

Im Warnstreik geht es hauptsächlich um bessere Bezahlung und Altersvorsorge. Das heißt zum Beispiel für Auszubildende, die nach der Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe übernommen werden, dass es zum einen Befristungen gibt, zum anderen eine Eingruppierung E3 erfolgt wie für Ungelernte. Früher wurden diese Arbeitnehmer nach E5 bezahlt.

Kein Wunder, dass es zu wenig Auszubildende in diesem Beruf gibt. Junge Arbeitnehmer wollen eine Perspektive und die wird offensichtlich nicht geboten.

 

Eine weiterer Punkt ist die betriebliche Altersvorsorge. Ich denke, über staatliche Renten muss ich hier nichts schreiben. Um so wichtiger ist eine Vorsorgemöglichkeit im Betrieb. Das schafft außerdem Anreize dort zu arbeiten.

 

 

Bessere Arbeitsbedingungen, bessere Bezahlungen führen in der Konsequenz zu mehr Interessenten für diesen Beruf. Das nützt letztlich nicht nur den Mitarbeitern in Bädern, sondern vor allem uns, den Schwimmern.

 

Jeder von uns stand schon vor geschlossenen Bädern. „Betriebsbedingt“, was nichts anderes bedeutet, als dass aus Personalmangel kommunale Bäder geschlossen werden, die der Daseinsvorsorge dienen. Der Personalmangel in den Berliner Bäder Betrieben liegt allerdings nicht an der schlechten Bezahlung, sondern daran, dass für die Einstellungen in der Verwaltung Geld da zu sein scheint, für den sogenannten operativen Bereich aber nicht.

 

Ist eigentlich bekannt, dass der letztes Jahr ausgeschiedene Vorstandsvorsitzende, Ole Bested Hensing, vor versammeltem Personal gesagt haben soll, dass die Politik „intelligente Bäderschließungen“ wünscht?

 

Ablauf:

 

Variante I

 

Immer wieder Schließungen. Ob nun vordergründig aus Personalmangel, der nicht unbedingt am den betroffenen Standort zur Schließung führen müßte, aber man zieht Personal aus zur „intelligenten Schließung“ bestimmten Bädern ab, um andere offen zu halten.

 

 

 

Auch wenn es, vorerst, nicht zur Komplettschließung dieser Schwimmhalle kommt, jeder kennt solche undd ähnliche Aushänge:

 

 

 

Ob das Bad betroffen sein könnte, kann also jeder selbst feststellen. Oder, wen die Zahlen interessieren klick und wer lesen möchte,  für welches Bad gerade 30 Millionen Euro bereit stehen klick

 

Kunden stehen immer wieder vor verschlossenen Türen um irgendwann entnervt aufzugeben. So oder so, Bäder, die keine Besucherzahlen vorweisen können, damit keine Einnahmen haben, werden dann als „nicht so gut besuchte“ ausgewiesen und müssen schließen.

 

In der Verwaltung werden immer wieder neue Aufgabenbereiche geschaffen, neu eingestellt, während es in den Bädern eine immer dünner werdende Personaldecke gibt.

Provokativ gesagt: bei den Berliner Bäder Betrieben scheint es zuzugehen wie in einem Selbstbedienungsladen, während man die Kassiererin einspart...

 

Ist eigentlich bekannt, dass die Bädermanager  ohne Zustimmung des Personalrats eingestellt wurden? Das führte zu Verfahren vor dem Arbeitsgericht, in dem der Personalrat Recht bekam. Die Kosten hätte sich die Anstalt öffentlichen Rechts sparen können. Nur am Rande: obwohl ich ja nur Kundin bin, oder vielleicht genau deshalb, weil ich daneben stehe, wenn solche Dinge passieren klick mal hier 

 

Variante II

 

Es kommt aufgrund mangelnder Reparaturen und daraus entstehenden weiteren technischen Problemen, zu häufigen Schließungen, die letztlich dazu führen, dass Sanierungen fällig werden. Diese sind dann „leider“ so teuer, dass man Bäder schließt.

 

Variante III

 

Bäder an Vereine abgeben

 

 

Das können durchaus auch mit öffentlichen Mitteln Kostenintensiv sanierte Bäder sein. Manche erinnern sich sicher an die Diskussionen um das Kombibad Gropiusstadt?

Aber auch alte Bäder, wie das Stadtbad Tempelhof, die Schwimmhalle Baumschulenweg oder die sanierte Schwimmhalle Hüttenweg, die laut Bäderkonzept ein Mischbad sein soll, aber in der Zeit als die jetzt wieder zweite Vorständin allein die Stricke in der Hand hatte, zum Vereinsbad wurde.

 

 

Für die kommende Sommersaison steht ein Desaster bevor. Frau Siering hatte im Sportausschuss Ende Januar keine oder nur ausweichende und beschönigende Antworten gegeben, deshalb steht jetzt ein weiterer Termin am 29.04.2016 hierfür an klick

 

Das ist der Grund, warum es in Sommerbädern kein Frühschwimmen und kein Spätschwimmen geben kann...

Das Sommerbad am Humboldthain dient hier nur als ein Beispiel. Weitere betreffen unter anderem das Kombibad Mariendorf/ Halle.

 

Die Kurse bucht man über eine GmbH, die in Leipzig ihren Sitz hat.

Diese Öffnungszeiten gelten ab Öffnungstag und das soll der 11.06.2016 sein. Für Kurse wohl eher...


 

Dein Bad um die Ecke gibt es schon nicht mehr. Und das um drei und mehr Ecken bald auch nicht mehr, wenn nicht endlich eine Kehrtwende eintritt.

Von diesem Senat ist das nicht zu erwarten. Und, nach meiner persönlichen Einschätzung, von der zwar nun wieder in die zweite Reihe gestellten, Vorständin darf man nur erwarten, dass sie die "intelligenten Schließungen" durchführen wird.

 

So lange, bis wir in Berlin nur noch Halligalli Wellness Tempel haben?

Ob der neue Vorstandsvorsitzende, Herr Scholz-Fleischmann sich gegen diese Austrocknung der Berliner Bäder Landschaft durchsetzen kann?

 

Ich jedenfalls finde es bigott, sich hinzustellen und zu sagen "alle Bäder bleiben geöffnet" während das weder gewünscht noch wahr ist.

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Kommentare: 1
  • #1

    R. Schäfer (Freitag, 29 April 2016 16:27)

    Schöner Beitrag!
    Allerdings frag ich mich, warum bei dem halbtägigen (andernorts ganztägig ...)Warnstreik nur 10 Bäder betroffen waren. Hätten nur diese in der Frühschicht geöffnet?

    Falls nicht, sind die Beschäftigten der BBB so gering organisiert?

    Oder wird gar "so was" (wie auch aus einem hannoverschen Fachbereich berichtet) bei den BBB "nicht gern gesehen"?

    Eine Notfallregelung wird Ver.di für diesen halben Tag in einem nicht lebenswichtigen Bereich wohl nicht mit den BBB abgeschlossen haben.