Intelligente Schließungen

Wie sagte Matthias Oloew, der Unternehmenssprecher „wir können nur hoffen, dass es gut geht“ auf die Frage des Tagesspiegel im letzten Jahr, ob das ausreichend war, im Bezug auf nötige und mögliche Investitionen am Beispiel des Wellenbad Spreewaldplatz. Investiert wurden im Herbst 2014 etwa 140.000 Euro, nötig sind, das sagt Oloew, 12 Millionen Euro. Jeder Laie weiß dann, die investierte Kleinstsumme ist raus geschmissenes Geld.

 

Im Sportausschuss am vergangenen Freitag hatte Dennis Buchner (SPD) dieses Thema angesprochen

 

 

Ein Raunen ging durch den Raum. 

Die Ausschussmitglieder stellten heraus, dass sie keine Schließungen von Bädern wünscht. Sowohl der zuständige Senator, als auch Herr Scholz-Fleischmann sagte, dass sie nicht die Absicht hätten, Bäder zu schließen.

 

 

Sicher erinnern sich die Ausschussmitglieder an die Einladung zur Personalversammlung im Januar 2015 vom Personalrat. Der damalige Vorstand soll mit Ordnungsstrafen in Anbetracht einer Verpflichtung zur Nichtöffentlichkeit von Personalratsversammlungen gedroht haben. Dienstbefreiungen und Entgeltfortzahlung sollen in Frage gestellt worden sein.

 

Auf der Personalversammlung im Januar 2015, die dann ohne die sportpolitischen Sprecher der Fraktionen im Abgeordnetenhaus stattfand, soll der damalige Vorstandsvorsitzende von „intelligenten Schließungen“ gesprochen haben, die „die Politik“ wünscht. Hierfür wird es also genügend Zeugen geben und die Ausschussmitglieder sollten sich mit dem Personalrat unterhalten.

 

 

Fakt ist, egal wie man es dreht oder was man nicht „vor hat“, es werden nicht alle Bäder zu halten sein.

 

 

93 Millionen Euro Sanierungsstau, exklusive Strandbad Tegel und das Sommerbad Olympiapark. Letzteres wird gerade saniert. Das Geld kommt nicht aus dem Haushalt der Berliner Bäder Betriebe. Lesen

 

 

Momentan ist die Finanzierung der Berliner Bäder Betriebe in Hinsicht auf Erhalt von Wasserfläche so geregelt, dass der investive Zuschuss Sanierungen vorsieht. Neubauten werden damit nicht finanziert. Ich bin Laie, mir erschließt sich der Sinn dahinter leider nicht. Ich schrieb es bereits, ich hänge an meinen Stammbädern, aber das nützt nichts. Ein funktionaler Neubau ist definitiv effektiver, Zukunftsweisend, auch in Anbetracht der Ressourcen von Energie und Wasser zum Beispiel. 

Außerdem ist mit Bäder, die teilweise 30,40 Jahre alt sind, kein Staat zu machen, wenn man sich das Marketing und die dazu gehörige Realität in Bädern ansieht.

Der Charme der 1970 er Jahre rechtfertigt keine Werbung für als „Sternebäder“ deklarierte alte Bäder. 50 Meter Bäder, voll mit Kursen für Kinder, Aqua Fitness oder Meerjungfraukurse ziehen keinen neuen Sportschwimmer an.

28-29 Grad warmes Wasser in 25 Meter Bädern werden zu Planschbecken, allerdings ohne Attraktionen für Kinder.


Ole Bested Hensing nannte es also „intelligente Schließungen“, ich kenne es unter dem Begriff „stille Schließung“.

 

 

Man, also die Berliner Bäder Betriebe, schließt ein Bad aufgrund „technischer Probleme“. Man investiert in „kleinere“ Probleme. Für umfassende Sanierungen reicht das Geld nicht.

Erneuert für ein paar Hunderttausend Euro das eine oder das andere, das Bad geht wieder ans Netz.

Dass wird, je nach Begebenheiten, wiederholt.

Die tatsächlich maßgeblichen Anlagen zur Erhaltung verrotten weiter. Oder es hakt dann an der nächsten Stelle.

 

Irgendwann kommt die sogenannte „Technische Schließzeit zur Wartung/ Instandhaltung“. Dazu die neueste Methode, auf die Gesetzeslage hinzuweisen „aufgrund gesetzlicher Bestimmungen“ wird dann gern mit angeführt.

Es gibt gesetzliche Bestimmungen. Das ist richtig. Diese sehen allerdings vor, dass man Bäder nicht bis auf Grund fährt und Wartungen auch im laufenden Betrieb durchführen kann. Das passiert nicht, ganz einfach, weil das Personal in der Zeit auf andere Bäder verteilt werden kann.

 

In Berlin beginnt man damit im April, in einigen Bädern bereits Ostern. Über die gleichzeitige Schließung fast aller Hallenbäder ohne Rücksicht auf die Wetterlage habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet.

Für diese Schließzeit wird ein Zeitraum festgelegt. Ist diese zu Ende und das Bad für die stille Schließung geplant, läuft es dann so:

 

Leider haben sich die Wartungsarbeiten verzögert, deshalb öffnet das Bad voraussichtlich...“ Ich frage mich jedes Mal, warum man das nicht wahrheitsgemäß kommuniziert. 

Nur einmal, für wenige Minuten stand das auf der Homepage. Danach "technische Probleme"


Als Beispiel die veralteten Rohrleitungssysteme und das Problem mit Legionellen.

Dann ordnet das Gesundheitsamt eine Gefährdungdanalyse an. Diese Maßnahme geht über eine Wasserbeprobung hinaus. Das ganze System wird geprüft.

Was vorgefunden wird, dürfte klar sein: marode Anlagen, die einer Prüfung nicht stand halten können.. Ich kürze das mal ab hier.

 

Dieser Hinweis wird einige Male wiederholt um dann bekannt zu geben: „Leider wurde während der Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten festgestellt, dass wir einen sicheren Badebetrieb nicht mehr gewährleisten können. Deshalb bleibt das Bad vorerst geschlossen“

 

Mancher mag jetzt meinen, dass man Schwimmbadbesucher schützen will. Eine stille Schließung unterscheidet sich von einer Schließung mit der Planung das Bad für die Öffentlichkeit irgendwann wieder zur Verfügung zu stellen. Dazu muss man nur das Bäderkonzept 2025 ansehen.

Würde es darum gehen, hätte man die Jahre bevor ein Bad völlig auf Grund gefahren wurde investiert, saniert, repariert. Es wird in vielen Bädern immer nur das Nötigste getan um es gerade noch am laufen zu halten.

 

 

Ich behaupte: solche stillen Schließungen sind Kalkül.

Ich behaupte auch, dass die Berliner Bäderbetriebe das leugnen gegenüber der Öffentlichkeit, sogar gegenüber engagierten BVV Verordneten und Abgeordneten des Senats. Bäder, die quasi nur noch geflickt werden und irgenwann vom Netz genommen werden müssen. Einsturzgefährdete oder undichte Becken, Anlagen, Filter, Lüftungen und so weiter.

 

Ich behaupte, auch die Entscheider handeln nicht aus Willkür, sondern weil Mittel fehlen, wird dieser Weg eingeschlagen.

 

 

Ich behaupte, diese stillen Schließungen sind mit dem regierenden Senat abgesprochen. Die BBB brauchen mehr Geld, „sonst müssen wir XY Bäder schließen.“ Der Senat sagt, es ist kein Geld da, dann schließt, aber wir haben das Bäderkonzept...

 

Es muss also „unter der Hand“ laufen. Allerdings wird es darüber schriftliche Unterlagen geben. Diese beschreiben möglicherweise einen „Notfall“.

Der Notfall wird durch zum Beispiel die Gefährdungsanalyse gerechtfertigt.

 

Diese „Notfälle“ werden in Form von Instandhaltungs- und Wartungsminimierung wissentlich herbeigeführt.

Zusätzlich wird die Öffnung für alle radikal minimiert im Vorfeld.

Ein Beispiel, an das sich bestimmt noch einige erinnern, ist die heutige, von privater Hand geführte, Zehlendorfer Welle. Die Sanierung der Schwimmhalle Hüttenweg wurde quasi als Ersatz kommuniziert. Ergebnis: Frau Siering hat diese Schwimmhalle, in der Zeit als sie den Berliner Bäder Betrieben allein vorstand, zum Schul- Kurs- und Vereinsbad umgewidmet. Kein Mensch scheint sich dafür zu interessieren, obwohl das gegen das so mühsam gestaltete Bäderkonzept 2025 steht

 

Ich bin sicher, es wird diese „intelligenten Schließungen“ geben. 'müssen'.

 

 

Herr Scholz-Fleischmann sagte im Ausschuss, dass er nicht die Absicht habe, Bäder zu schließen.

 

Die Absicht hat sicher keiner als Willkürakt. Dennoch wird es so kommen aufgrund der Zustände in und um die Berliner Bäder.

 

 


Was genau, ich schrieb es schon an anderer Stelle, war der Grund für den Besuch einiger Leute von „Stadt und Land“ im Stadtbad Tempelhof? Ein Unternehmen wie die Berliner Bäderbetriebe, eine Stadt wie Berlin plant lange im Voraus. Da wird nicht heute beschlossen, dass morgen etwas geschieht. Der Bau und Eröffnung der neuen Multifunktionsbäder, war zunächst in Mariendorf für 2021 geplant..

 

Wenn ich mir stadtpolitische Planungen ansehe, ist durchaus denkbar, dass um 2020 herum das Stadtbad Tempelhof weichen muss. Ob nun geplantem Wohnungsbau oder, was natürlich zu hoffen wäre, einem funktionalen Schwimmbad Neubau, bleibt abzuwarten.

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