Zurück in die Bezirke oder Trägerschaft Berliner Bäder Betriebe

Warum ich es besser finde, die Berliner Bäder unter einem Dach zu organisieren. Eigentlich.

 

Ich werde immer mal wieder gefragt, warum ich die Berliner Bäder Betriebe überhaupt mag. Chaos Kommunikation. Schließungen. Eine scheinbare hire and fire Personalpolitik und vieles mehr, was eine Idee kaputt macht.

Eine gute Idee hängt in der Hauptsache an der Charakterfestigkeit und dem Willen der handelnden Personen wirkliche Veränderung zu gestalten.

 

Die Berliner Bäder wurden 1996 unter dem Dach der Berliner Bäder Betriebe als Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) als Träger organisiert.

 

Bis dahin waren die Bezirke Träger und bekamen wesentlich mehr Zuschüsse. Unter der Trägerschaft der Berliner Bäder Betriebe reduzierte sich der Zuschuss so drastisch, dass immer mehr Bäder schließen mussten. Das klingt erst mal so, als sei es ein Fehler gewesen, diese AöR zu gründen. Fakt ist, es gab mehr Bäder in Bezirken.

 

 

Schaut man etwas genauer hin, stellt man aber fest, dass auch in Zeiten der Trägerschaft der Bezirke längst nicht alles

Gold war, was einigen heute als Glanzzeit der Berliner Bäder in Erinnerung ist.

Es gab Bäder, sowohl im Osten als auch im Westen die mehr Bruchbuden als Bäder waren, es war eine Art Konkurrenz zwischen den Funktionshallen und den 'Freizeitbädern', mir kam es teilweise so vor wie eine Art Wettrüsten versus Wettverfall und die Konkurrenz zwischen Ost und West ist schließlich vorbei. Die Bezirke haben, das erinnere ich für einige zumindest, die Bäder nach dem Motto „Geld ist ja da“ ausgerüstet.

Nicht erkannt hatten Verantwortliche, dass die Zeiten des von Westdeutschland alimentierten Berlin West vorbei war und die Zeiten der Hauptstadt der DDR, das Vorzeige Ost Berlin, ebenfalls.

Klar, es gab zum Beispiel Absprachen bei Schließzeiten. So schloßen in Nachbarbezirken nicht gleichzeitig Bäder.

Heute scheint es keinen zu interessieren, wenn für mehrere Nachbarbezirke alle Bäder schließen oder eingeschränkt nutzbar sind. Genau da läuft etwas schief und das liegt an den handelnden Personen, nicht am Konstrukt einer gemeinsamen Trägerschaft.

 

Die Grundidee, in einer vereinten Stadt wie Berlin, eine gemeinsamen Träger für alle Bäder zu haben, fand und finde ich gut. Seit Gründung der Berliner Bäder Betriebe ist keiner auf die Idee gekommen, das frühere, in Bezirksregie entstandene, uneitheitliche System aufzubrechen?

 

 

Allerdings ist nichts übrig von dem, was ich unter einer Trägerschaft Berliner Bäder Betriebe für Zukunftsweisend hielt und halte: bei aller Unterschiedlichkeit der Berliner Bäder, eine Art gemeinsame Identität und Wiedererkennbarkeit.

 

Ohne zu sehr in Details zu verfallen, die Vorstände der letzten knapp 20 Jahre haben sich allesamt nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Als Berlinerin habe ich den Eindruck, es geht in diesem Unternehmen, welches der Daseinsvorsorge dienen soll, nur noch um Geldschieberei, Verantwortungszuweisungen parteipolitischer Natur und letztlich nicht mehr um eine wirklich einmalige Bäder Landschaft in unserer Stadt.

 

Manche waren näher am operativen Bereich als an der „Großen Politik“, anderen wurden sogar juristische Verfahren angehängt, die mit Freisprüchen endeten.. Manche waren mehr interessiert daran, im Rampenlicht zu glänzen, andere waren der Politik offensichtlich zu hemdsärmlig und der letzte bat sogar um Auflösung seines Vertrages aus „familiären Gründen“. Es gab Verurteilungen in Gerichtsverfahren gegen Mitarbeiter in der Verwaltung.

 

Kein zuständiger Senator, egal welcher Partei und kein Regierender Bürgermeister hat die Berliner Bäder Betriebe so auf den Weg gebracht, dass eine Idee hinter der gemeinsamen Trägerschaft Verbesserungen gebracht hat. Weder für die Bäder noch für die Gesamtwasserfläche noch für die Wirtschaftlichkeit.

 

 

Als zuletzt im Juni 2015 der Vorstand um Auflösung bat, dachte ich, es kann gar nicht mehr schlimmer kommen. Und ich war und bin kein Anhänger dieses Managements gewesen. Und dennoch: ich hatte mich massiv getäuscht.

Aus meiner Sicht, die natürlich die eines Laien ist, steht diese gemeinsame Trägerschaft an einem Scheideweg. Schicke Präsentationen, Statistiken, die der Realität nicht standhalten, wenn es so weitergeht, sehe ich eine schrumpfende Bäderlandschaft, egal was die Politik in schönen Phrasen darstellt.

Wenn ich als Kundin ganz real keine Schwimmhalle finde im Umkreis von 30 Minuten Fahrtweg, dann nützen tolle Zahlen und Worte nichts.

 

Totaler Ruin inklusive weiteres Posten schachern, Reduzierung der Wasserfläche, Halligalli für Eintrittspreise die ein Durchschnittsberliner nicht so regelmäßig aufbringen kann, dass Stammkunden akquiriert werden.

Strukturen und Veränderungsprozesse werden derart dilettantisch durchgeboxt, ohne die Kunden mitzunehmen, ohne die Mitarbeiter in Bädern, dass ich denke, da sitzen Leute, die weder Bäder kennen noch Interesse haben, diese in eine echte Zukunft zu bringen.

Seit Juni letzten Jahres habe ich mich oft gefragt: denken die weiter als in fünf Jahres Schritten? Worum geht es dort eigentlich?

 

Das Bäderkonzept 2025 muss herhalten für die Begründung einer sich immer weiter ausdehnenden Verwaltung. Umstrukturierung eines Unternehmens ist nicht gleichbedeutend mit immer mehr Verwaltung. Kurze Wege, gute Koordination. Und genau das scheint zu fehlen. Man möchte fast denken, dass es in diesem kommunalen Unternehmen Mobbing gibt. Wie erklärt es sich sonst, dass Kommunikation, Koordination, Zufriedenheit der Gesamtbelegschaft fehlt? Werden in der Verwaltung Ideen blockiert, die dem Unternehmen zugute kommen? Klar, das ist spekulativ.

 

 

 

Ich kenne alle Argumente, warum Dinge so langsam gehen. Mir soll niemand erzählen, dass in einem kommunalen Unternehmen es anders zugeht als in der freien Wirtschaft. Ich weiß, dass Aufträge ausgeschrieben, Beiräte beteiligt, die Politik genehmigen muss.

 

Das alles ist kein Grund, die derzeitigen Strukturen noch weiter zu zementieren, Nutzergruppen gegeneinander auszuspielen statt endlich Strukturen zu schaffen, die unabhängig sind von Interessen irgendwelcher Beiräte.

Hey, wenn es nach mir geht, sollten 50 Meter Bäder grundsätzlich sportlich und für sonstiger Schwimmer zu nutzen sein. Hilft mir dieser Egoismus? Nein, denn nur mit sportlichen Schwimmern oder Schwimmern sind Bäder nicht zu bewirtschaften.

 

 

 

Was mich wahnsinnig nervt, sind diese offensichtlich nicht an der Realität der Berliner Bäder Landschaft orientierten Nutzergruppen, Cluster und Umwidmungen. Mich nervt es total, dass ganz offensichtlich Parteibücher in Gremien, Beiräten oder bei sonstigen Beteiligten mehr zählen als Kompetenz.

Es ist toll, dass wir in Berlin eine so vielfältige Kultur, Sport und Wohnstruktur haben. Die Berliner Vielfalt macht diese Stadt lebendig. Für eine Bäderlandschaft ist sie meiner Meinung nach kontraproduktiv.


Ja, die Berliner Bäder sind unterschiedlich. In Architektur, Angebot, Wasserfläche und vielen anderen Bereichen.

 

Es ist schwierig, ein einheitliches Bild zu schaffen. Einheitlichkeit heißt aber keineswegs, dass man Bäder umbauen muss.

 

Statt immer noch 800.000 Euro in das Marketing zu stecken, müssen erst einmal Voraussetzungen geschaffen werden, um Marketing zu begründen.

 

Das heißt nichts anderes als in der freien Wirtschaft: erst die Bedingungen schaffen für die geworben wird. Ein Gärtner wirbt doch auch nicht für die schönsten Blumen ohne vorher den Garten angelegt, die Samen gelegt und gegossen zu haben. 

  • Alle Foyers müssen so gestaltet werden, in all ihren unterschiedlichen Größen und Zuständen, dass ich weiß, ich bin in einem Bad der Berliner Bäder Betriebe.

    Die Unübersichtlichkeit, Lieblosigkeit mit der die meisten Foyers keinerlei Blickführung geben, ist nicht einladend. Und, dafür können Badverantwortliche nichts, oder sollen die, wie in der Schwimmhalle Finckensteinallee, aus eigener Tasche die Gestaltung verschönern?

 

 

 

  • Die verpachteten Bäder werden auf einer Unterseite dargestellt.

  • Besucherstatistik, Nutzerstatistik
  • Die Mitarbeiter in der Verwaltung stellen sich vor. Sowohl in Bädern als auch auf der Homepage. Gibts doch nicht, dass ich als Kundin auf meiner Homepage Ansprechpartner nenne und die Berliner Bäder Betriebe schaffen es grade mal, Fotos zweier Vorstände einzustellen.

 

 

Auf der Homepage muss für jedes Bad wesentlich mehr Eigendarstellung zu lesen sein. Was kriege ich wo und zu welcher Uhrzeit geboten?

Wie sehen Gebäude, Duschen, Schwimmbecken aus? Wann ist welcher Nutzer wo am besten aufgehoben? Ich wiederhole Gebetsmühlenartig: Belegungspläne. Ich kriege fast Wutanfälle, wenn ich auf der Startseite seit Monaten das Stadtbad Neukölln beworben sehe. Was ist mit den anderen, schönen oder funktionalen Bädern? Die Schwimmhalle Finckensteinallee wurde zum Schwimmbad des Jahres gewählt, hat andere Preise gewonnen, wird international beachtet und das wird komplett ignoriert? Also: wechselnde Schwimmbäder auf der Startseite mit ihrer Selbstdarstellung. Vorstellung des Badteams usw.

 

 

Die Unterschiedlichkeit nutzen um die Gemeinsamkeit zu vermarkten.


Alle Bäder im Tarifsystem der Berliner Bäder Betriebe haben die gleichen Öfnungszeiten. Die gleichen Tarife. Als Tempelhoferin will ich nicht Zeit damit verbringen, mich via E Mail, Anruf in der Hotline, Anruf im Bad und mich mit dem völlig nutzlosen „jetzt open“ Button auseinandersetzen, wenn ich mit Freunden in Marzahn oder Spandau schwimmen gehen will.

 

Die Verwaltung der Berliner Bäder Betriebe hat keinen Käptn Kirk mit einem Scotty, der die Realität wegbeamen kann.

Wir schreiben das Jahr 2016 und sind nicht mit den Raumschiffen Ostenterprise und Westenterprise unterwegs. Berlin ist eine vereinte Stadt und braucht endlich einheitlich gestaltete Bäder.

 

 

Das war doch mal die Idee hinter der Gründung der Berliner Bäder Betriebe, oder?

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