Badetempel statt Daseinsvorsorge?

Der geplante Abriss des Kombibad Mariendorf wird auf viele Jahre für Bewohner des Bezirk Tempelhof weite Wege zum nächsten, nutzbaren Schwimmbad bedeuten.

 

 

Für den gesamten Bezirk gibt es, momentan nur theoretisch weil die Öffnungspolitik auf Basis der Personalknappheit ein Desaster ist, die ganzjährige Möglichkeit im Hallenbad des genannten Bades zu schwimmen. Die anderen Bäder im Bezirk sind nur wenige Stunden,

morgens früh, für die Öffentlichkeit nutzbar. Das Warmbad in der Hauptstraße in Schöneberg ist für den Schwimmsport ungeeignet, der Eintritt für viele nicht bezahlbar. Das Stadtbad Tempelhof und die Sport und Lehrschwimmhalle Schöneberg am Sachsendamm bieten insgesamt nur 18,5 Stunden öffentliches schwimmen und selbst das fällt in sämtlichen Ferien mittlerweile weg. Zusätzliche Ausfälle durch technische Probleme und, in der Hauptsache, Personalmangel. Für das Stadtbad Tempelhof gibt es Anzeichen, dass entweder auf dem Gelände oder in unmittelbarer Nachbarschaft Wohnungen gebaut werden sollen ab 2020. Mit dem ersten Spatenstich wird dann auch das Bad im Bezirk Geschichte sein. Selbst wenn der Wohungsbau im Bereich der heutigen Schrebergärten liegen wird, das Bad ist auf 'Sand' gebaut und würde im Zuge der Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen. Der heutige Stand des Sanierungsstaus in diesem Bad beträgt bereits 1 Million Euro.

 

Auf dem Gelände des Kombibad Mariendorf ist der Neubau eines sogenannten Multifunktionsbades geplant. Mitten in einem heutigen Wohngebiet. Die Berliner Bäder Betriebe haben für dieses neue Bad eine tägliche Gästezahl von 6000 ausgegeben. Das heißt, es werden täglich diese Menschenmengen hauptsächlich von der heutigen Haltestelle des Busses M 76 am Ankogelweg und der Haltestelle XY des Busses 179 durch die Wohngegend strömen. Gäste, die mit dem PKW anreisen werden, brauchen Parkraum, neue Zufahrtstraßen. Das wird eine erhebliche, dauerhafte Lärmbelästigung auch nach der Bauphase, ganzjährig, bedeuten.

 

Das geplante Multifunktionsbad soll einen Eintrittspreis von 9 Euro, Sportschwimmen mit begrenzter Nutzungszeit soll 5 Euro kosten. Schon heute hat so mancher, der 1 Stunden schwimmen möchte mit knappen Zeittarifen zu kämpfen. Momentan besteht dieser aus 45 Minuten Schwimmzeit und 20 Minuten An- und Auskleidezeit inklusive duschen.

 

Die Berliner Bäder Betriebe wollen mit diesem Neubau in eine Art Konkurrenz zu privaten Thermen und Spassbädern in Brandenburg treten. Geplant ist derzeit, so hörte ich,  ein 50 Meter Schwimmbecken im Innenbereich und ein Außenbecken von 12,5 Metern, ähnlich dem im Stadtbad Schöneberg. Es soll Whirlpools, Massage, Saunen, Solebecken, Rutschen und Kinderbecken, ein Sonnenstudio und eine Gastronomie geben. Kurz gefasst: Tropical Island in Miniaturformat.

 

Kosten: 38 Millionen Euro.

 

Finanziert wird das ganze aus den SIWA Mitteln, das heißt aus Steuergeldern.

 

Alles in allem klingt das nicht wirklich schlecht bis auf die Tatsache, dass es dort kein Freibad mehr geben wird.

Ja, noch existiert das Sommerbad Mariendorf an der Rixdorfer Straße. 1955 eröffnet, mittlerweile nur noch wenige Wochen im Jahr geöffnet und das ungeheizt. Eine Sanierung ist nicht geplant.

 

Alles in allem klingt es nicht schlecht, ein 50 Meter Innenbecken in modernster Bauweise. Bis auf die Tatsache, dass dort auch Schulen, Vereine und weitere Wassersportarten stattfinden müssen. Das heißt also nichts anderes, als dass die Öffentlichkeit zwar einen hübschen Badetempel finanziert, ihn aber nur eingeschränkt nutzen kann.

Außerdem sind sämtliche Extras außerhalb der Nutzung der Schwimmbecken und Rutschen keine Beihilfeberechtigten Bauten zur Daseinsvorsorge. Damit müssen diese an externe Betreiber abgegeben werden,. All diese schicken Einrichtungen innerhalb des Multifunktionsbades werden dann zusätzliche Kosten für die Besucher bedeuten. Orientiert man sich an den Saunen der Berliner Bäder Betriebe heute, dürfte eine Saunanutzung nicht unter 15 bis 20 Euro möglich sein.

 

Insgesamt sind für Berlin aus den SIWA Geldern 60 Millionen Euro veranschlagt für zwei Multifunktionsbäder. Dem Projekt in Mariendorf soll der Bau eines kleineren, mit 25 Meter Schwimmbecken ausgestatteten, Multifunktionsbades in Pankow erfolgen.

 

Ich kann mir gut vorstellen, dass Bezirkspolitiker sich über diese Investition und vermeintliche Aufwertung des Bezirks freuen.

Fakt ist , dass für beide Bäder auch Straßen erneuert neue Straßen erschlossen werden müssen. Ebenfalls muss die Infrastruktur, heißt Geschäftsbelebung in den jeweiligen Gebieten erfolgen. Auf den ersten Blick nicht negativ.

 

Das heißt aber auch, wesentlich mehr Verkehr, weniger grün, denn irgendwo müssen diese Straßen angebunden werden.

Es ist durchaus möglich, dass die Stadtentwicklung auch vorsieht, den S Bahnhof Kamenzer Damm wieder in Betrieb zu nehmen. Neue Buslinien zusätzlich einzurichten.

 

Auch das nicht ohne positive Aspekte.

 

Die Bezirke, hier dann Tempelhof wird also sicher nichts gegen den Neubau haben, schafft er doch Prestige.

 

Ist Prestige das, was der Bezirk braucht? Braucht Tempelhof nicht einfach nur eine Wasserfläche, die von allen nutzbar ist?

 

Die Frage, die sich mir stellt, warum ein kommunaler Bäder Betrieb diese Badetempel bauen soll. Eine Kommune will in Konkurrenz treten mit privaten Wirtschaftsunterehmen? Auf Kosten und zu Lasten der Berliner, der Steuerzahler? Es gibt Deutschlandweit genügend Beispiele, was aus solchen Badetempeln nach einigen Jahren wird. Kommunen können sie nicht laufend modernisieren aus Geldmangel. Oft dann das Ende für den Schwimmbetrieb in einigen Kommunen. In anderen übernehmen private Betreiber. In weiteren wird erst erneut privatisiert, um dann nach Insolvenzen marode Bäder erneut in Kommunen zurückzuführen.

 

Warum überlässt man diese Art „Badeerlebnis“ nicht denen, die etwas davon verstehen, die finanzielle Mittel haben, mit diesen Einrichtungen immer auf dem neuesten Stand zu bleiben? Ein kommunaler Bäder Betrieb hat die Aufgabe der Daseinsvorsorge. Das heißt, für ausreichend überdachte Wasserfläche für den Schwimmsport außerhalb von Vereinen zu sorgen und Schulschwimmen zu garantieren.

 

Derzeit liegt der Sanierungsbedarf des Kombibad Mariendorf bei ungefähr 15 Millionen Euro. Für das Freibad und das Hallenbad mit jeweils 50 Meter Becken.

 

Der Neubau einer funktionalen Schwimmhalle liegt etwa zwischen 6- 10 Millionen Euro, je nachdem, ob der Bauherr auch Besitzer einer Liegenschaft ist.

Mit einem Budget von 60 Millionen Euro wäre es in Berlin möglich mindestens 4, wenn nicht sogar mehr Funktionsbauten zu errichten. Nutzbar von allen Berlinern zu einem vernünftigen Eintrittspreis.

Wer Thermen will, wer Sonnenstudios, Saunen oder Whirlpools möchte, ist in entsprechenden Einrichtungen, auch in Berlin, bereits heute wunderbar aufgehoben.

Nur Berliner, die einfach schwimmen möchten, werden weiter trocken gelegt.

 

 

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