Finger weg von Liegewiesen

Flächen von Liegewiesen in Freibädern sollen für Wohnungsbau genutzt werden

 

Diese Schlagzeile schreckt viele seit Montag auf

 

 

 

 

Sommerbad Mariendorf

 

 

Unter anderem im Tagesspiegel war zu lesen:

 „Die Bäderbetriebe und Berlinovo sprächen über die Prüfung von „Flächen, die bereits heute schon den operativen Badebetrieb nicht beeinträchtigen“. Dass Flächen vom Freibad in Pankow für den Wohnungsbau abgezwackt werden, wie spekuliert wird, gilt als unwahrscheinlich: Dort wollen die Bäderbetriebe selbst ein Multifunktionsbad errichten. Dann doch eher beim Freibad am Insulaner“

 

Kommentar

 

Flächen, die den operativen Badebetrieb schon heute nicht beeinträchtigen“?

 

 

Kann mir jemand erklären,

inwiefern Liegewiesen den operativen Bereich heute beeinträchtigen?

 

Rund um die Schwimmbecken, darunter und in unmittelbarer Nähe befinden sich die Dinge, die als operativer Bereich bezeichnet werden können.

 

Eine Liegewiese, wie zum Beispiel am Kombibad Mariendorf, mit einer Gesamtfläche von etwa 45.000 Quadratmeter, ist nicht nötig, um ein Bad zu betreiben. Sie ist nötig, um Besuchern Platz zu bieten bei schönem Wetter. Freibäder bedeuten Lebensqualität.

Und ja, das sage ich als Freibadmuffel. Ich schwimme lieber in Hallenbädern. Kein Wind, zumindest eine Chance auf geleinte Bahnen und kurze Wege zu Duschen und Umkleiden.

Trotzdem mag ich auch Freibäder. Morgens, nach einem warmen Sommerregen fühlt sich das Wasser einfach unvergleichlich schön an.

Das allein ist natürlich nicht Grund für meine absolute Ablehnung irgendeiner Art Bebauung auf Liegewiesen der Sommerbäder Berlins.

 

Viele können sich keine Ferienreisen leisten und sind auf Freibäder angewiesen. Im Sommer bedeutet es für alle Erholung, wenn man ein geöffnetes Freibad in der Nähe hat.

 

Ich will aber nicht nur auf die Notwendigkeit von kommunalen Freibädern hinweisen.

 

Die Aussage, dass es nur um „heute schon den operativen Bereich nicht beinträchtigende Flächen“ geht, sagt gar nichts darüber, worüber diskutiert wird.

 

Das neue Multifunktionsbad in Mariendorf zum Beispiel soll eine sportliche Ausrichtung haben. Viele, mich eingeschlossen, verstehen darunter, dass es keine Verkleinerung der Schwimmbeckengrößen von heute gibt.

Das heißt, zwei 50 Meter Außenbecken, ein 50 Meter Innenbecken, zwei Sprungbecken und zwei Planschbecken.

 

Mir sind zwei Varianten bekannt. Gemeinsam ist ihnen eins: das heute großzügige Freibad stirbt.

Variante 1 soll ein Hallenbad mit 25 Meer Außenbecken haben.

Variante 2 ein Außenbecken von 12,5 Meter. Ähnlich wie im Stadtbad Schöneberg.

 

Gemeinsam ist beiden Varianten auch, dass nur die Rede von „einem Außenbecken“ ist. Wo das hinführen kann, wenn nicht klar und mit Maßangaben definiert wird was geplant ist, sehen wir im ehemaligen Spaßbad SEZ. Versprochen war ein Hallenbad. In Hotels gibt es auch Hallenbäder oder in manchen Physiotherapiepraxen...

 

Ich halte es durchaus für möglich, dass nach Abriss des Kombibad Mariendorf und bei Neubau, der eine wesentlich kleinere Fläche benötigen wird, dass Teile des Grundstücks für was auch immer genutzt werden. Klar, es wird massig Parkraum brauchen bei 6000 avisierten Tagesgästen, bei 45 Tausend Quadratmeter bleibt aber noch einiges übrig.

 

Das gleiche gilt für Pankow und den geplanten zweiten Neubau. Dort soll es ein „Familienorientiertes Multifunktionsbad“ werden mit 25 Meter Hallenbad. Und draußen? Gar nichts?

 

 

 

 

Aussage des Senats: „Alle Bäder bleiben erhalten“

Ich lese mal das 'Kleingederuckte' laut:

Unvorhersehbar sind Notfälle, die aufgrund des Zustands der Bausubstanz eine Schließung notwendig machen.“

 

Entsteht ein „Notfall“ wenn man keine Reparaturen ausführt aus 'Geldmangel'?

 

Ich werde wütend, wenn davon die Rede ist, Gelände am Sommerbad am Insulaner abzweigen zu können.

Wie auch in einem Gastkommentar zu lesen, scheint das Bad ruiniert zu werden. Anwohner hätten sich über die laute Heizung beschwert.

Ich habe den Eindruck, Begründungen für nicht funktionierende Technik oder gekürzte Öffnungszeiten werden immer merkwürdiger.

 

Wo sind dort Anwohner?

Die Heizung muss repariert oder wahrscheinlich sogar erneuert werden. Dafür ist kein Geld da.

Ist dafür kein Geld da, aber zum Beispiel für 400.000 Euro ein Kundencenter an der Schwimmhalle Fischerinsel gebaut werden mußte? „Die Umstrukturierung der Berliner Bäder Betriebe erfordert...“ Was denn?

Ich meine: weder ein neues Kundencenter noch irgendwelche neuen Bezeichnungen für Aufgaben, die dann höher dotiert werden, noch weitere Verwaltungsmitarbeiter, noch ein Marketing Budget von immer noch 800.000 Euro.

Bäder.

 

Ein kommunaler Bäderbetrieb muss Bäder öffnen und für deren Instandhaltung sorgen.

 

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