Wer macht die Dienstpläne wirklich?

Wer macht die Dienstpläne wirklich im kommunalen Berliner Bäderbetrieb?

 

Klar ist, Aufgaben sind definiert.

 

 

 

 

Die Aufsicht am Beckenrand steht immer mit „einem Bein im Knast“

 

Es gibt Vorschriften wie viele Mitarbeiter nötig sind, um ein Schwimmbad zu öffnen.

Diese Anzahl von Mitarbeitern setzt sich zusammen aus den vorhandenen Einrichtungen wie Schwimmbecken, Planschbecken, Rutschen und so weiter.

 

Es dürfen keine sogenannten Interessenkollisionen entstehen zwischen Aufsicht am Schwimmbecken und Aufsicht über die Technik.

Es müssen Pausen gewährleistet werden, in der Praxis heißt das, Ablösung muss möglich sein, zum Beispiel auch beim Toilettengang.

 

 

Es ist bestimmt schon vielen aufgefallen, dass Mitarbeiter im Bad in den Kassenhäuschen oder im Aufsichtsraum am Becken essen. Mancher hat schon sauer geguckt, wenn die Kasse nicht besetzt ist oder der Bademeister keine Zeit hat, Fragen zu beantworten.

 

Ich sage

Das liegt schlicht daran, dass zu wenige Mitarbeiter im Bad sind. Gerade noch Gesetzeskonform, aber es reicht eben schon lange nicht mehr aus, um zum Beispiel notwendige Einweisungen für Kitas oder andere Gruppen zu geben. Oft reicht auch nicht mal mehr die Zeit, um mehr als die Grundreinigung zu bewerkstelligen. Badewärter werden nach und nach abgeschafft.

Heute beinhaltet die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe „alle machen alles“.

Diejenigen, die früher den Beruf gelernt haben, können viel mehr als sie mal gelernt haben, sie dürfen aber aus Sicherheitsgründen manches nicht tun. Es gibt bestimmt auch Rettungskräfte, die viel mehr können als zu retten. Zumindest habe ich Rettungskräfte schon an Kassen gesehen.

Es gibt einige, die sogenannte 'Kassenscheine' gemacht haben und damit auch an der Kasse sitzen dürfen. Es gibt einige, die Lehrgänge besuchen, um zum Beispiel Maschinisten, die auch immer weniger werden, zu helfen.

 

Ist aber zum Beispiel die Kasse nicht besetzt, heißt das nichts anderes, als dass keine zweite Kassenkraft vor Ort ist.

Es wurden 20 Kassierer eingestellt. Wo die sind, fragt sich so mancher.

Sag ich: schaut mal in Schul- und Vereinsbäder. Das sitzen Kassenkräfte sogar zu zweit obwohl keine Öffentlichkeit im Bad ist. Woher ich das weiß? Na, Probestunden in Vereinen.

 

Dafür können natürlich die Mitarbeiter nichts. Das wird per Dienstplan so geregelt.

Wer also macht die Dienstpläne?

Die Badleiter? Die Bädermanager? Die Personalabteilung? Die Vorständin?

 

Fakt ist, verantwortlich für das, was im Bad geschieht, ist vor dem Gesetz der dort Verantwortliche.

Das ist der Badleiter oder sein Stellvertreter.

 

Diesen Verantwortlichen drohen empfindliche Strafen, wenn etwas passiert. Egal ob ein Personenunfall oder eine Havarie der Technik mit Schaden bei dem personelle Unterbesetzung nachgewiesen wird.

Konkret heißt das, ein Bad darf nicht öffnen mit zu wenig Personal.

Irgendwie versuchen die Badleitungen es hin zu kriegen, die Bäder zu öffnen. Immer noch Gesetzeskonform, aber eigentlich (und uneigentlich) unzulässig was die Rechte der Arbeitnehmer betrifft.

 

Heißt, sie verzichten auf Pausen, rennen im Galopp zur Toilette oder laufen gleichzeitig mit Reinigungsgerät am Becken rum mit Blick auf die Gäste.

 

Es gibt eine Strafandrohung, die besagt, dass eine Geldbuße droht, wenn mit zu wenig Mitarbeitern ein Bad geöffnet wird.

Nochmal, unsere Sicherheit gewährleisten die Mitarbeiter immer. Aber das bedeutet, sie verzichten auf vieles.

 

Ist eigentlich bekannt, dass zum Beispiel Überstunden aus 2015 zum Teil immer noch nicht bezahlt wurden?

 

 

 

Ist nun also ein Bad per Defintion nach dem Gesetz so unterbesetzt,dass unsere Sicherheit eben nicht gewährleistet werden kann, werden Mitarbeiter in andere, „wichtige“ Bäder umverteilt.


Wie sagte die Vorständin, Frau Siering, im Sportausschuss im Januar „Unsere beliebtesten Bäder“ und „unsere Speerspitzen“.

Gemeint sind das Stadtbad Schöneberg, das Wellenbad Spreewaldplatz, die Stadtbäder Neukölln und das Stadtbad Lankwitz. Zum Cluster gehören außerdem das Paracelsus Bad und die Alte Halle des Stadtbad Charlottenburg. Letztere aber nur marginal.

 

 

Das heißt nichts anderes, als dass zum Beispiel Mitarbeiter der Sommerbäder, die nur im Ein Schicht Betrieb mit minimalst möglicher Besetzung geöffnet werden, in andere Bäder müssen, wenn an ihrem geplanten Einsatzort auch nur ein 'Bademeister' ausfällt.

 

Ich sage: eine derartige Personalpolitik zielt geradewegs darauf ab, die „unbeliebteren“ Bäder zu schließen.

Jeder weiß, dass Leute krank werden oder in den Urlaub gehen oder freie Tage haben.

 

 

Ich frage, werden Dienstpläne mit allen in einem Bad arbeitenden Mitarbeitern kalkuliert und solche Kalkulationen sind de facto natürlich nie zu halten?

 

Manche haben vielleicht den Fragebogen für den operativen Bereich gelesen und sich gefragt, was sind „Allein Arbeitsplätze“

Es darf nie ein Mitarbeiter allein im Bad sein, auch nicht, wenn 'nur' Vereine oder Schulen oder Kurse in einem Bad sind.

 

Ich sage, aufgrund der massiven Personalknappheit werden Mitarbeiter eingesetzt, die bestimmte Arbeiten aus gesundheitlichen Gründen nicht ausführen können und dürfen. Dafür kann niemand etwas. Eingeschränkt Arbeitsfähig ist eingeschränkt Arbeitsfähig. Es ist auch völlig in Ordnung, diese Mitarbeiter einzusetzen.

Aber, und das ist der Skandal für mich an der Sache, sie werden eingesetzt wie jemand, der voll Arbeitsfähig ist.

Um bei Revisionen nachweisen zu können, dass es keine Allein Arbeitsplätze gibt.

 

Ich sage: zwei Mitarbeiter, von denen einer einfach nicht alles machen kann, bedeutet für den anderen in der Realität, dass er allein alles machen muss.

 

Da entsteht, was entstehen muss in so einer Situation. Der Mitarbeiter, der alles machen muss, ist sauer auf den anderen, der es nicht kann und darf. So entzweit man Teams...

 

Nur nebenbei: wird jemand erwischt bei Tätigkeiten, die er, attestiert durch einen Arzt, nicht ausführen darf, es passiert was, hat er keinen Versicherungsschutz.

 

Beide geraten also in eine Situation die das arbeiten unerträglich machen kann.

 

Wer verantwortet die Dienstpläne wirklich?

Wer hat ein Interesse daran, unwichtige Bäder zu schließen, deren Sanierung aussteht?

Wer hat ein Interesse daran, in der sogenannten „Umstrukturierung“ die für Bäder wichtigsten Mitarbeiter solchen Situationen auszusetzen?

Aus meinem Verständnis heraus, muss es jemand sein, der für die Finanzen und Personal verantwortlich ist.

 

 

Diese sind natürlich nicht ausreichend, aber hier wird am falschen Ende gespart und vor allem die Arbeitsmoral untergraben.

 

Der wichtigste Punkt aber ist, dass offiziell jemand, der für Finanzen verantwortlich ist, nicht zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn etwas passiert oder Bäder schließen aus Personalmangel.

 

 

Natürlich ist das alles nur in meinem Kopf so. Ich bin Laie...

 

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