Gleiche Chance für alle Berliner Bäder

Die Öffnungszeiten der Berliner Bäder müssen endlich einheitlich werden

 

Gerechtigkeit und Anpassung an wirtschaftliche Aspekte

 

Die unterschiedliche Anzahl der Betriebsstunden der Berliner Bäder stammt aus einer Zeit, als noch Bezirke entschieden, was für ihre Bewohner gut ist. Begründet wurde das mit Einwohnerdichte und Nutzungsverhalten.

Wir leben in dezentralisierten Verwaltungen.

 

 

 

 

Es ist Zeit, sich endlich zu modernisieren und Abschied zu nehmen von klein klein...

Wir leben in einer mobilen Zeit.

 

 

Das „Bad nebenan“ ist sowieso Geschichte und selbst im Nachbarbezirk

 


findet sich oft nicht mehr das passende Bad für unterschiedliche Nutzergruppen.

Trotzdem ist die Anzahl der Betriebsstunden der Bäder unterschiedlich. Als Begründung muss dann die Besucherstatistik herhalten.

Unhaltbar, denn Nutzer können nicht in Bäder, die geschlossen sind.

 

Seit 1998 nichts geändert

 

 

Die Berliner Bäder Betriebe halten an dem Uralt Konzept Betriebsstunden Ungleichheit fest.

Ausgehend vom ursprünglichen Plan, die Kürzungen bleiben hier außen vor 

 

Die Schwimmhalle Ernst Thälmann Park hat 108 Betriebsstunden hat und nur eine S Bahn Station entfernt liegt das SSE mit 93,5 Stunden und an der nächsten S Bahn Station liegt die Schwimmhalle Anton Saefkow Platz mit 105 Betriebsstunden.

 

Guckt man jetzt zum Beispiel nach Zehlendorf, gibt es dort die Schwimmhalle Hüttenweg, ein Schul- und Vereinsbad mit 86 Betriebsstunden. Von diesen können 18 von der Öffentlichkeit genutzt werden.

Im nahen Umkreis gibt es kein weiteres kommunales Bad.

Die Schwimmhalle Finckensteinallee erreicht man erst nach 30 Minuten Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dort sind es dann 92 Betriebsstunden. Ausschließlich am Sonntag ohne Parallelbetrieb nutzbar.

Fährt man von der Schwimmhalle Hüttenweg zum Stadtbad Lankwitz, braucht man 40 Minuten und hat dort 103 Betriebsstunden, allerdings ungeeignet zum schwimmen mit 30 Grad.

Vom Hüttenweg das nächste Bad ist das Stadtbad Wilmersdorf mit 88 Betriebsstunden. Erreichbar in 20 Minuten.

 

Man hat also über 300 Betriebsstunden in nahe beieinander liegenden Bädern in einem Teil der Stadt, während in einem anderen Teil wesentliche längere Fahrten mit weniger Betriebsstunden Angebot ausgewiesen sind.

Noch deutlicher wird es, wenn man das Angebot an Freibädern dazu nimmt.

 

Geht man von Mariendorf in Tempelhof aus, so gibt es das Kombibad Mariendorf mit 91 Sommerbad Betriebsstunden. Nur 10 Minuten Fahrtweg entfernt das Sommerbad Mariendorf mit 56 Betriebsstunden. Das Sommerbad am Insulaner liegt etwa 25 Minuten Fahrtweg vom Kombibad entfernt und hat ebenfalls 56 Betriebsstunden.

 

 


Guckt man jetzt nach Berlin Mitte, findet man dort nur ein Kinderbad. Das nächste Freibad, Sommerbad Humboldthain hat 56 Betriebsstunden und liegt etwa 10 Minuten Fahrtzeit entfernt. Kombibad Seestrasse Sommerbad mit 82 Betriebsstunden ist gut 15 Minuten entfernt.

 

Ich denke, an diesen Beispielen wird klar, worauf ich hinaus will.

 

Einerseits will man mit der Gründung der Berliner Bäder Betriebe den „Größten Bäderbetrieb Europas“ verwalten, andererseits hat ein Schwimmer in Tempelhof völlig andere Voraussetzungen als jemand, der in Marzahn oder Buch schwimmen gehen möchte.

 

Die Berliner Bäder Betriebe entwerfen ein Leitbild und lassen völlig außer acht, dass Tempelhofer in Marzahn arbeiten und umgekehrt. Freunde sind über die Stadt verteilt.

Der Mobilitätsaspekt wird überhaupt nicht wahrgenommen.

 

Von Nutzergruppen ganz zu schweigen.

5 von 6 warmen Berliner Bädern befinden sich in einem mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbaren Radius von höchstens 25 Minuten.

In Hellersdorf oder Buch und Hohenschönhausen will man keine Warmbade Kunden gewinnen?

 

Aber zurück zu den Betriebsstunden.

Die Berliner Vielfältigkeit ist schön und macht unsere Stadt Lebens- und Liebenswert.

Trotzdem haben nicht kommunale Unternehmen kapiert, dass die Filiale in Hellersdorf und die in Tempelhof gleiche Öffnungszeiten vorweisen.

Das ist ein Teil von corporate identity und meint, der Kunde weiß, egal wo er sich grade aufhält, die Öffnungszeiten unterscheiden sich nicht bis kaum. Der Kunde ist überall zu gleichen Bedingungen willkommen

 

Jedes Bad muss in seiner Einzigartigkeit die Möglichkeit haben mit gleicher Betriebsstundenzahl Kunden zu gewinnen.

 

Das funktioniert natürlich nur, wenn die Verantwortlichen Pläne machen, die der Realität angepasst sind.

 

In der Hallenbad Saison sind knapp 3100 Betriebsstunden vorgesehen gewesen.

Wie die Realität angesichts der Personalpolitik aussieht, kann wohl mittlerweile jeder Kunde der Berliner Bäder Betriebe aus eigener Erfahrung berichten.

 

Damit bin ich bei einem Punkt, der die unterschiedlichen Betriebsstunden noch unfairer macht. In Charlottenburg Wilmersdorf sind binnen 4 Monaten über 800 Betriebsstunden ausgefallen, während es in Tempelhof Schöneberg rund 100 waren.

In Charlottenburg Wilmersdorf haben alle Bäder eine Betriebsstundenzahl von gesamt rund 370 je Woche, in Tempelhof Schöneberg rund 380.

 

Auch wenn natürlich mit der Anzahl der Betriebsstunden nicht klar ist, wie viele davon der Öffentlichkeit überhaupt zur Verfügung stehen, sieht man, was ich meine.

 

Es geht zunächst um Betriebsstunden, nicht um öffentliche Nutzbarkeit.

Sieht man sich die an, wird es noch ungerechter.

 

Ich hatte vor einiger Zeit ausgerechnet, wie viele Betriebsstunden mit dem derzeit vorhandenen Personal möglich sind. Details hier lesen

 

Es sind 60 Stunden pro Bad. Das meint alle Hallenbäder. Sogenannte“Speerspitzen“, also Sternebäder mit Warmwasser, Schul- Kurs- und Vereinsbäder und normal temperierte Schwimmhallen.

 

Halt. Wo bleiben die Freibäder?

 

Meine Berechnung betraf erst einmal die Hallenbäder.

Es gibt aber auch eine Lösung für die Freibäder.

 

Die Öffnungszeiten müssen zunächst an die Arbeitswelt angepasst werden.

 

Freibäder zum Beispiel von

 

7 Uhr bis 9 Uhr

und dann wieder von

15 Uhr bis 21 Uhr

öffnen.

Alle.

 

Wie das machbar ist mit der Personaldecke?

 

F l e x i b i l i t ä t.

Andere Länder machen es vor.

 

Ich bezweifle die Wirtschaftlichkeit der Öffnung zwischen 10 Uhr und 15 Uhr.

Die geplante Entzerrung, also günstigere Eintrittspreise, gilt ja in Freibädern derzeit sowieso nicht.

Das ist also hier gar kein Argument.

 

Die Tarifstruktur muss sowieso vereinfacht werden.

Hier nur kurz: ein Tarif die ersten und die letzten beiden Stunden. Im Rest ein etwas höherer.

 

 


Wir haben in Berlin 35 der Öffentlichkeit zugängige Hallenbäder und 18 Sommer-und Strandbäder.

 

Ich gehe hier nicht näher auf die Tatsache ein, dass Strandbäder nicht zur Daseinsvorsorge gehören. Auch nicht auf die never ending story Strandbad Tegel. Das muss verkauft werden, um es zu retten.

Für die beiden Hallenbäder, die nicht öffentlich zugängig sind, können die Vereine Personal einstellen.

Genau wie in verpachteten Bädern heute schon üblich.

 

Auf die Betriebsstunden kommt natürlich jeweils die Vorbereitungszeit, vor Öffnung 30 Minuten und danach ebenfalls.

Das heißt also, sofern mir kein eklatanter Fehler unterlaufen ist, wöchentlich 61 Stunden pro Hallenbad und 64 Stunden pro Freibad.

 

Ich fange jetzt nicht damit an, detailliert über die absurde Öffnungspolitik Halle oder Freibad zu schreiben. Da gibt es ein Stichwort: Flexibilität. Die fehlt seit Jahren komplett in der Denke der Verantwortlichen?

 

Grundsätzlich: Dort wo es keine Freibäder gibt, muss das nächstgelegene Hallenbad öffnen.

 

Also Flexibilität.

 

Konkret heißt das, wenn der Deutsche Wetterdienst Regen und frische Temperaturen voraussagt, müssen die Hallen öffnen. Das Gejammer „aber in Berlin war früher das Freibad bei Wind und Wetter am 01. Mai geöffnet...“ geht mir auf den Senkel.

 

Heute. Und heute stehen die Berliner Bäder Betriebe mit einer völlig verfehlten Personalpolitik da und bevor sich das grundlegend verbessert, muss eine Lösung her.

Nur nebenbei: mich würden meine eigenen Ideen zur Öffnungspolitik deutlich beschneiden.

Es nützt aber nix nur an das eigene Wohl zu denken.

 

 

Mit Gejammer wie es mal war, lässt sich also nichts ändern. So wie ich als quasi Freibadmuffel eben Abstriche machen muss, müssen Frischluftfans eben in das Hallenbad wenn die Wetterprognose eine Mehrheit ins Hallenbad bringen würde.

 

Das alles setzt natürlich voraus, dass bei Verantwortlichen Zukunftsorientierung eine Rolle spielt.

Ich habe derzeit eher den Eindruck, dass es einigen, insbesondere in den letzten 12 Monaten bis April diesen Jahres, egal zu sein scheint, was mit unseren Bädern in 5 oder 10 Jahren ist.

 

 

Ich setze auf den neuen Bäderchef

 

- Entwicklung statt Kurssysteme, die ohne Basisvoraussetzungen sowieso ausfallen

- Nicht dauernd flickschustern, sondern Pläne, die haltbar sind.

- Verlässlichkeit auf Basis dessen, was heute realisierbar ist statt falsche          Versprechen

 

 

Und vor allem, einheitliche Öffnungszeit für alle Bäder in Berlin.

Ich behaupte, nur so hat jedes unserer einzigartigen Bäder die Möglichkeit die Besucherzahl nach oben zu steigern.

 

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