"Mir ist ja Edelstahl lieber"

so der 89 jährige ehemalige passionierte Schwimmer, Herr R.

 

Herr R. war mit seinem Sohn und seiner Schwiegertochter durch den Artikel im Tagesspiegel auf die Veranstaltung aufmerksam geworden.

 

Viel Erinnerungen kamen hoch, die er mit der Zeit seiner Jugend im Seebad Mariendorf verbindet.

In unserem Gespräch konnte der Mann mit dem unglaublichen Erinnerungsvermögen sich an 

 

Einzelheiten im Seebad und an Konzerte, die er als "Pimpf", wie er sagte, mitbekommen hatte.

"Ich bin nicht sicher, aber ich meine, es war immer zu Pfingsten", sagte er und hatte Recht.

Herr R., der aus einer der Bäckerfamilien des damaligen "Brotdorfes" stammt, erzählte davon, dass " wir als Pimpfe uns natürlich nicht an die Regelungen, getrennt nach Geschlechtern, hielten. Wir gingen schon mal schmulen"

 

Ein Kinder - und Jugendleben,das sicher nicht einfach war, aber Herr R. blickt zurück mit einem Lachen und berichtet über seine Erlebnisse, die er mit dem Seebad Mariendorf verbindet. 

Mit dem Finger zeigte er mir auf den Fotos, wo sich was befand in den Gebäuden. 

Ohne solche Zeitzeugen könnte ich nicht nachvollziehen, wo Baupolizei und andere Nutzer genau untergebracht waren. In Archiven findet man zwar, wer dort war, aber nie genau, wo.

 

 

Später, als das Seebad zugeschüttet wurde, fuhr er, wie alle Tempelhofer Schwimmer, ins Baerwaldbad, nach Kreuzberg. Mit der Straßenbahn. In Tempelhof verkehrten unter anderem die Linien 25 von Lichtenrade nach Tegel. Die 199 von der Rennbahn (gemeint ist die Trabrennbahn Mariendorf) zum Mehringdamm. 

Als im Sommer 1955 das Sommerbad Mariendorf an der Rixdorfer Straße eröffnet wurde, ging er dort schwimmen.

 

"Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft." berichtet er. "Jeden Morgen um 7 Uhr, es waren immer die gleichen, traf man sich vor der Arbeit. Zumindest solange, bis das Bad leider nicht mehr so früh öffnete." 

"Schade" findet er das bis heute. Aber als Berufstätiger konnte man nur um diese Zeit schwimmen. So wie es ihm erging, ergeht es der nachfolgenden Generation auch.

 

Die Zeit, als das Sommerbad weit über die Kernzeit von Sommebädern - 30.04. bis 18.09. (zumindest war das früher mal so, bevor das Management 2013 diese Zeiten sehr eingeschränkt hat) - hinaus öffnete, mit Einsatz einer Traglufthalle, hatte er als Schwimmer genossen.

 

"Aber mir war ja Edelstahl immer lieber" lachte Herrr R. Auf meine Frage nach dem warum, konnte ich seinen Argumenten natürlich kaum was entgegen stellen. Ich bin ja, das wissen die Leser, eine Kachel Zählerin. Die Argumente der Pflege und Langlebigkeit, sind ja nicht zu widerlegen. "Edelstahl glitzert so schön in der Sonne"

 

Ich werde Herrn R., wenn er Zeit für mich hat, noch einmal treffen. Erinnerungen kommen oft, so sagte er "bei der Betrachtung von Fotos und im Austausch wieder"

 

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