Von der Blindschleiche zum Schwimmtier in vier Jahren

Eine tolle Erfolgsgeschichte von einer, die losschwamm und die Kacheln erobert

 Gastbeitrag

 

Im Sommer 2012 fing ich an, mir selbst das Schwimmen beizubringen. Meine diversen muskulären Dysbalancen hatten durch das jahrelange tägliche Laufen mit meinem 40. Lebensjahr zugenommen und ich konnte mich nur immer wieder von meiner Osteopathin zusammenflicken lassen, bis mein Renntier wieder mal mehr und länger wollte und ich wieder wegen Zerrungen außer Gefecht gesetzt war.

Also wollte ich zum Ausgleich schwimmen. Ich las ich mir die richtige Schwimmtechnik an und schaute mir etliche gute und schlechte youtube-Videos an, bis ich die Bewegungsabläufe halbwegs drauf zu haben glaubte. Glaubte. Denn die

 

Beine führte ich wie einen Schleppanker hinter/unter mir her und der Armzug war wegen einseitiger Atmung nur links schön. Ich konnte die Technik aber nicht verbessern, und das ärgerte mich wahnsinnig.

Ich verdanke meinen Durchbruch einer netten und geduldigen Schwimmerin im Prinzenbad. Warum? Neben all den technischen Schwierigkeiten fand ich es im Schwimmbad nämlich wahnsinnig stressig, weil ich stark kurzsichtig bin und damals ohne optische Schwimmbrille schwamm. "Plötzlich" kamen mir Schwimmer entgegen (die schon die ganze Zeit da waren) und ich klaute ihnen ihre Bahn. Ich versuchte, mich am Rand zu orientieren,  und besagte Schwimmerin im Prinzenbad muss deswegen echt genervt gewesen sein von mir. Sie sprach mich darauf an und ich entschuldigte mich. Ich sagte auch, dass ich schlecht sehe. Sie riet mir, mit einer optischen Schwimmbrille zu schwimmen (facepalm, autsch!). Ich stellte mir horrende Preise in meiner Sehstärke vor, aber die Recherche ergab ein Paar für 10€ - gut, nur mit -5 und -6 Dioptrien Ausgleich und ohne meinen starken Zylinder, aber besser als ohne musste es ja sein. Gedacht, bestellt, probiert, begeistert! Ich konnte die Menschen am Ende des Beckens sehen! Und die Uhr! Und die Kacheln am Boden! Ich schwamm plötzlich viel sicherer, technisch besser und vor allem ohne diesen Stress, den ich schon vom Hundepaddeln aus dem Schwimmunterricht in der Schule kannte! Ich konnte mich auf meine Technik konzentrieren und mit Hilfe von Büchern und etwa 10 Trainerstunden meine erlernten Fehler korrigieren.  Ich übe jeden Tag und schluckte beim Erlernen der Dreieratmung zuerst viel Wasser. Aber nach einem Jahr falscher Schwimmtechnik u.a. wegen meiner Kurzsichtigkeit und einem weiteren Jahr des Ausbügelns bin ich jetzt seit zwei Jahren fast täglich und mit unglaublich viel Freude und Tier im Wasser!
Manchmal beobachte ich heute Leute, von denen  ich glaube, dass sie auch Blindschleichen sind. Dann, wenn es passt, gebe ich ihnen den Tipp,  mal nach einer günstigen optischen Brille zu schauen. Dieses Gefühl, die Kacheln am Boden scharf erkennen zu können, hat ohne jeden Pathos mein Leben verändert! Und vielleicht,  vielleicht,  werden auch noch andere Blindschleichen zu Schwimmtieren...

 


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