Analog - Monolog

 

Analog und Monolog

Ich will und kann das Rad nicht neu erfinden. Markus Hesselmann vom Tagesspiegel hat hier über die neue Art zu lesen geschrieben.

 

In der Parteien- und Bezirkslandschaft Berlin: digitale Nutzung Fehlanzeige

ob Facebook oder Twitter oder sonstwas, da kommen ein paar Werbebotschaften. Ende. Kein Interesse.

 

Politiker, die digital fleißig, persönlich, sachlich, emotional, im Dialog, Diskurs, Diskussion und auch mal in Auseinandersetzung im Sinne von Meinungsdifferenzen, eben nah an mir (auch wenn ich die Meinung nicht teile) , dem Bürger dran sind, sind auch 2016 in Berlin eine Ausnahme.

 

Ich bekam ein einziges, papiernes Werbeheftchen einer Partei von, ja, zig Parteien, die von mir meine Stimme wollen.

Was passieren kann, wenn man Fragen hat ist hier zu lesen.

Einer klingelte bei mir und „ich möchte ihnen etwas über mich in den Briefkasten werfen“ . Ich fragte den Mann nach der Partei und nachdem er sie genannt hat, sagte ich ihm, dass ich die Tür nicht öffne und darum bitte, wenn jemand öffnet, mir keine Info in den Briefkasten zu werfen. Ich sagte ihm, dass ich in meinem Ortsteil unter anderem ihm geschrieben hatte, aber nicht einmal ein Reaktion bekam. Ich sagte (fast) wörtlich „Wenn sie nicht mal fünf Minuten haben, um wenigstens ablehnend zu reagieren oder jemanden zu beauftragen, mir zu antworten, dann brauche ich keine weitere Info.“

Der Mann hatte nicht mal nachgefragt. Er hätte sich genau in dem Moment die 5 Minuten nehmen können, ich habe den Hörer der Gegensprechanlage nicht aufgelegt. Er zog es vor, woanders zu klingeln.

 

Ich frage mich, warum es die Medien sind, die mir (uns) Angebote machen, die ich von der Politik erwarten würde?

Unparteiisch werden da der Bezirk – O- Mat ausgearbeitet. Interaktive Karten oder wie weit entfernt Abgeordnete von ihrem Wahlkreis leben hat die Morgenpost erarbeitet.

Da wird mir angeboten, zu schauen, wie in meiner Strasse bei andern Wahlen gewählt wurde. Und bitte, ich weiß, dass ich auf der Seite der Landeswahlleiterin alle finden könnte. Aber es geht um ein kompaktes Angebot. Nicht klein klein.

Aussagen von Parteien einander gegenüber gestellt.

Aufbereitet ohne dass ich stundenlang surfen, suchen und mich durchfragen muss.

Fragenkataloge, in denen ich dann herausfinden kann, wer was sagt zu welchem Thema. Da werden mir Vergleiche aufgezeigt und wenn ich mehr wissen möchte, über ein Thema, einen Politiker, werden Links angeboten.

 

Da gibt es informative, manchmal superlustige oder auch bittere Newsletter vom Tagesspiegel, aus allen Bezirken, die so nah am Leben sind im Ortsteil, im Bezirk dass ich mich frage, warum gibt es das nicht aus den jeweiligen BVV?

 

Es gibt jetzt auch ein tolles Whats App Angebot der Berliner Zeitung, welches so gut aufbereitet ist, dass es mich schon wieder ärgert, dass ich so etwas nicht von meinem Wahlkreis Abgeordneten, Bezirksverordneten etc bekommen kann.

Ist es im „digitalen“ Berlin Aufgabe der Medien, mir solche Angebote zu machen oder wäre das nicht auch Aufgabe der Parteien und Bezirke mich zu informieren, mir Hilfen bei Entscheidungen an die Hand zu geben? Mich zu beteiligen an Entscheidungen und mit mir in den Dialog zu treten?

 

Der Tagesspiegel machts doch grade wieder vor. Ein Account auf Twitter, der von wöchentlich wechselnden Journalisten bedient wird. Und bedient heißt in dem Fall, die antworten mir, wenn ich was sage oder frage. Die twittern persönlich, sachlich aber auch Quatsch. Hantieren mit Smileys. Retweeten was sie interessant finden. 2016 eben. Das könnten Parteien doch auch. Wenn sie wollten.

 

 

Wer jetzt sagt, brauch ich nicht, der muss ja nichts dergleichen abonnieren.

Ich finde digitale Angebote auch deshalb gut, weil ich so zu neuen Themen komme. Ich suche mir natürlich gezielt Infos zu meinen Themen, ist ja klar. Ich gehöre ja zu denen, die ohne Handy, Internet und Co. aufgewachsen sind. Aber mir erweitern digitale Angebote den Horizont.

Ich lese mehr als je zuvor und ich habe schon immer viel gelesen. Durch die „Teaser“ die mir geboten werden, immer mit der Option, tiefer ins Thema einzusteigen, weiß ich mehr, als ich manchmal wissen wollte und plötzlich habe ich neue Interessen.

Ich behaupte, würde „die“ Politik das so handhaben, gäbe es weniger Politikverdrossenheit, mehr Dialog und weniger „die da oben“

Besonders jetzt nervt es mich total, dass „die“ Politik meint, das ist alles nicht nötig.

 

Mich ärgert es auch, dass die Berliner Bäder Betriebe so old school sind. Weder online Ticket Verkauf noch ein Twitter Account mit halbwegs aktuellen Nachrichten zum Beispiel zu Schließungen, Änderungen etc. Von Whats App News oder gar einer App völlig zu schweigen. Das E Mail Info System funktioniert so ab und zu und höchst selten überhaupt aktuell. Die Facebook Seite scheint von wem auch immer, nicht von Mitarbeitern der Verwaltung bedient zu werden. Da sind Äußerungen“ Wir geben das weiter“ noch das kleinste Ärgernis. Früher wurde beschwichtigt, dem Kunden auch einfach mitgeteilt, er sei im Unrecht (z.B. bei Bäderschließungen) bis dann eingelenkt und eine Phrase abgesondert wurde. Mittlerweile gibt’s dann mal gar keine Reaktionen mehr. Na, außer Werbebotschaften, die bereits drei Tage vorher in der Presse waren. Oder, wie jetzt, endlich vor wenigen Tagen, der Hinweis auf den Ideen Wettbewerb mit Gewinnspiel der seit dem 22.08. und nur bis zum 22.09. läuft...

Dass es auch anders geht, zeigt ein anderes kommunales Unternehmen. Die BVG.

Wieso nutzen die Berliner Bäder Betriebe, deren Verwaltung fast verdoppelt wurde, mit einem überdimensionierten Marketing Budget, mit der Begründung „Umstrukturierung“, nicht sämtliche digitale Wege, um Kunden zu informieren und mit ihnen in den Dialog zu treten?

 

 

Ich frage mich, wie die Verweigerungshaltung bei denen ankommt, die mit all diesen digitalen Möglichkeiten aufgewachsen sind?

 

 

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