Vereinheitlichung oder Verschlechterung?

Vereineitlichung der Öffnungszeiten - Schein oder nur Kürzung?

 

In den letzten zwei Jahren wurden in fast allen Bädern die Betriebsstunden gekürzt- Ausnahme sind nur einige Sternebäder. Eine erneute Kürzung

gibt es seit Beginn der Saison 2016/17.

 

Wie dem sogenannten Leitbild der Berliner Bäder Betriebe zu entnehmen ist, versteht sich das Unternehmen als Dienstleister.

Die Berliner Bäder Betriebe streben eine Vereinheitlichung der Öffnungszeiten und der Bäder an.

 

Das heißt, bei aller Unterschiedlichkeit sollen die Bäder als  dem nach eigenen Angaben "Größten Bäder Betrieb Europas" zugehörig zu erkennen sein.

 

Ich schrieb es bereits häufiger, viele der  Mitarbeiter in den Bädern identifizieren sich mit 'ihrem' Bad.

Aber identifizieren sie sich auch mit dem Konstrukt Berliner Bäder Betriebe?

Nein.

 

Es ist versäumt worden in den ersten 20 Jahren seit Gründung der Berliner Bäder Betriebe diese Identifizierung wachsen zu lassen. Anders gesagt: die Mitarbeiter wurden schlicht nicht mitgenommen, Entwicklungen aus der Verwaltung von oben angeordnet. Das kann nicht funktionieren.

 

Dieses Versäumnis muss nun aufgearbeitet werden.

Wie Herr Scholz-Fleischmann mir sagte, gibt es den Plan, Bäder in Teilen der Stadt zu 'Inseln' zusammen zu fassen und so zu ermöglichen, dass diese Teams sich gegenseitig mit Personal aushelfen. Freiwillig.

Ich kann mir das mit dem heutigen Personalmangel nicht vorstellen. Beispiele: Sommerbad Mariendorf und Stadtbad Lankwitz arbeiten zum Teil mit dem gleichen Team. Das Resultat ist bekannt. Im Hochsommer musste das Sommerbad schließen, um das teure Warmbad öffnen zu können. Ein Team besteht nur aus X Leuten und die können nicht an zwei Orten gleichzeitig Dienst tun.

Fasst man nun Bäder zusammen, bin ich gespannt, wie man den Kunden erklären wird, dass Bad X mit 32 Grad und Preisaufschlag geöffnet hat, aber Bad Y mit 27 Grad zum Normalpreis nicht.

Im Südwesten ist das besonders speziell. Von 6 Sternebädern sind 4 im Südwesten, alle mindestens 30 Grad und 1,50 Euro teurer.

Und alle Bäder eint eine Sache: zu wenig Personal.

Wie und vor allem wer trifft Entscheidungen, welches Bad geöffnet wird in solchen "Regionen"?

Ich könnte mir vorstellen, dass Mitarbeiter, die sich für Sommerbäder gemeldet haben, sich nicht gemeldet hätten, wenn sie gewusst hätten. dass sie bei 30 Grad Außentemperatur in Warmbädern und innen Dienst tun müssen.

 

Das Argument "Vereinheitlichung der Öffnungszeiten" auf dem Weg zu einer Corporate Identity. Meint eine einheitliche Identität.

 

Eine Vereineitlichung gibt es de facto nicht. Ja, es gibt Ähnlichkeiten, zum Beispiel an Sonntagen, bei den Öffnungszeiten.

Ähnlichkeiten die noch lange kein einheitliches Bild ergeben. Was alle eint: es gibt in fast allen Bädern weniger Betriebsstunden.

Dagegen wäre erst mal nichts zu sagen, wenn diese dann zuverlässig eingehalten würden.

Das passiert nicht.

Nachdem das Argument "Schließungen sind zu 50% aus Personalmangel und zu 50% aufgrund technischer Probleme" in den Medien zu lesen war, ist das spätestens widerlegt mit den Antworten aus einer Kleinen Anfrage im Abgeordnetenhaus. Dort wurde seitens der Berliner Bäder Betriebe auf Ursachen Erhebung bei Schließungen und Kürzungen verneint. Schließungen werden nicht nach Ursache erfasst.

 

Interessant ist die Tatsache, dass seit einigen Monaten die "technischen Gründe" bei Schließungen fast gleich auf sind mit "Betriebsbedingt" - ein Schelm, wer dabei an Vorkommnisse wie im Wellenbad Spreewaldplatz und Stadtbad Schöneberg denkt. Dort war an den Bädern ein anderer Grund für Schließungen genannt als dann für eine breitere Öffentlichkeit auf der Homepage der Berliner Bäder Betriebe zu lesen war. Aus "Erkrankung eines Mitarbeiters" wurde "technische Störung" und aus "Krankheitsbedingt geschlossen" wurde "aus technischen Gründen".

 

Mir reisst allerdings wirklich der Geduldsfaden, wenn argumentiert wird, dass Bad X hätte am Tag Y nur so und so viele Besucher in den letzten Monaten/ Jahren gehabt. 

 

Was genau ist an dem Begiff Daseinsvorsorge so unverständlich?

Vorsorge heißt geöffnete Bäder vorhalten. Wenn wirklich nur wenige Besucher kommen, so ist es trotzdem Pflicht eines für die Daseinsvorsorge aus öffentlichen Mitteln bezahlten Dienstleistungsunternehmens, Bäder zu öffnen.

Die mangelnde Wirtschaftlichkeit ist kein Argument gegen geöffnete Bäder.

Diese mangelnden Einnahmen haben viele Gründe und liegen eindeutig im Verantwortungsbereich der Geschäftsführungen der letzten 20 Jahre.

 

Wenn es möglich ist, trotz Gründung der Berliner Bäder Betriebe, dass jedes Bad sein eigenes Süppchen kocht, wenn es möglich war, dass jede Geschäftsführung jedes Mal das Rad...äh...Bad neu erfindet, um dann im Komplettchaos zu versinken, so ist das kein Grund, Betriebsstunden zu kürzen ohne dass Kunden einen erkennbaren Wert und Sinn dahinter erkennen können. 

Wessen Verantwortung ist es, wenn beim Weggang von Mitarbeitern diese ihr Wissen mitnehmen? Wessen Verantwortung ist es, wenn intransparente Vorgänge zu Ergebnissen führen, die jedes Mal zu Verschlechterungen für Kunden geführt haben? Und wessen Verantwortung ist es, dass Besucherzahlen zurückgehen, weil frustrierte Stammkunden abwandern, die zigfach vor geschlossen Bädern standen und dann noch dämliche Antworten bekommen haben? Nur ein Beispiel von vielen: Eine Schwimmhalle öffnete 2 Stunden nach der geplanten Öffnung und am Telefon wurde gesagt "Ja, nun, wir hatten ein Stündchen später geöffnet, aber jetzt ist ja offen" (Tag und Bad mir bekannt).

 

 

Wessen Verantwortung ist es, wenn auf Stammkunden wenig Wert gelegt wird, indem man sie erst den Eintritt zahlen lässt, damit sie dann im Bad sehen, dass dort keine Bahn (und ich meine nicht mal geleinte oder gar Sportbahnen, die sowieso die Ausnahme sind) zum schwimmen vorhanden ist?

 

Als ich vor etwa 3 Wochen die Statistiken ausgewertet habe, sah es so aus, als hätte die Kürzung der Betriebsstunden zumindest die Zuverlässigkeit erhöht. Weil es sich um meine Statistiken handelt, denen ich traue...hatte ich einen Beitrag dazu verfasst und hatte den zum Glück noch nicht frei geschaltet.

Mittlerweile gab es, besonders in den letzten 3 Wochen, wieder vermehrt Schließungen, Kürzungen, angebliche technische Probleme, so dass der Stand von 2015, in Relation zu den jetzt gekürzten Planöffnungen, fast erreicht ist.

 

Das bedeutet also  nichts anderes als dass es weder eine Vereinheitlichung noch mehr Zuverlässigkeit gibt.

 

Im Gegenteil. Kurse werden nicht auf der Homepage kommuniziert zum Teil, es gibt dann keine Bahnen oder Sprungbecken werden gesperrt ohne zahlende Kunden auf diese Einschränkung hinzuweisen. Als Stammgast in einem Bad bekommt man das vielleicht noch mit, aber in Berlin haben Schwimmer im Schnitt 3 bis 4 Stammbäder und die ständigen Einschränkungen in einzelnen Bädern kann sich keiner mehr merken.  Teilweise werden Schließungen ausschließlich am betroffenen Bad kommuniziert und sind der weiteren Öffentlichkeit gar nicht mehr zugängig.

 

Und von online Tickets oder ganztägigem Schwimmertarif (2 Stunden) ist bisher auch nichts zu sehen. Statt Automatisierung am Einlass, die Personal sparen könnte,  werden gerade wieder Kassierer gesucht.

 

 

Stellt man nun die Bedingungen Herbst Winter Saison 2015/ 16 und 2016/17 gegenüber:

Keine Vereinheitlichung

Kürzungen

Weitere Einschränkungen in Bädern für Schwimmer

Verschlechterung der Kommunikation

Keine Online Tickets

Keine Einlass Automatisierung 

 

 

Der neue Senat hat die Zuschüsse im konsumtiven Bereich (auch) verdoppelt. Christian Gäbler soll neuer Staatssekretär im Ressort Sport werden. Ich hoffe inständig, dass der neue Sport Ausschuss mehr Kontrollmöglichkeiten bekommt. Eine Verdopplung des Zuschuss ist klasse, aber der nützt nur, wenn das Geld dort ankommt, wo es hin gehört. 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Blindschleiche (Freitag, 02 Dezember 2016 10:10)

    Bravo, danke für diesen Artikel, der die Probleme genau auf den Punkt benennt!