Stadtbad Spandau Nord

Die Grande Dame unter den Berliner Hallenbädern

 

Während alle über das historisch antike reden oder über das älteste, schweigt die Stadtbad Dame Spandau Nord und genießt ihre heimliche Schönheit. Imposant ist schon das, von weitem erkennbare, Gebäude. Nach nur drei Jahren Planungs- und Bauzeit wurde das Bad 1911 in Spandau, damals eine Festungsstadt vor Groß Berlin, eröffnet. Schon ein gutes Jahr später erweitert. Modernisiert wurde 1956 und 1984 noch einmal saniert. 

Obwohl das Bad ein Schmuckstück unter den Berliner Bädern ist und Mitarbeiter dort arbeiten, die nicht nur ihr Bad zu mögen scheinen, sondern auch ihre Kunden, ist das Bad wenig beachtet wenn es um Berlins schönste Bäder geht. Aber erst mal zu den weiteren Besonderheiten des Hallenbads.

Es war zwar sehr kalt, aber ich  musste  mir das Bad von fast allen Seiten anschauen. Drei Etagen bei denen schon von außen vorstellbar ist, wie es wohl gewesen sein könnte, damals, vor über 100 Jahren. Beeindruckend. Vor dem Eingang stehend, hatte ich ein großes Foyer erwartet, entsprechend dem, was sich von außen zeigt. 

Als ich drin war, fragte ich mich laut "wer war das?" Es kamen gerade zwei Besucher die Treppe runter und wir kamen ins plaudern. Ältere Herrschaften, Stammkunden, die sich erst wunderten, aber als ich erklärte, was mich so erstaunte, sich auch wünschten, da würde mit mehr Bedacht und Beachtung der Architektur des Bades Rechnung getragen bei 'Modernisierungen' und Sanierungen.

Wir sprachen darüber, wie man diesen Schatz beleben könnte ausserhalb des Badebetriebs.

Kaputte Automaten hinter Gittern, eine kleine Wand hinter Glas mit ein wenig Geschichte. Alte Eintrittspreise auf einer Tafel. Das ist wirklich schade. Da würde so viel mehr gehen.

Treppen führen  nach oben, die linke Seite war gesperrt.

Zunächst irritierend, aber tatsächlich, oben an der Glastür steht "Zum Schwimmbad und zur Kasse"

Auch das Schild müsste viel mehr im Fokus stehen.

Denn was sich dahinter verbirgt, ist eine wunderschöne Besonderheit in Berliner Bädern.

 


Schon wieder witzig, der Aufenthaltsraum.

Ein Sammelsurium aus...ja, was eigentlich? Wartesaal Atmosphäre und eine Stuhlsammlung aus dem letzten Jahrhundert? Es könnte aber auch ein stillgelegter Dorfbahnhof Gastraum sein. Der Lift kommt hier an. Ich musste unwillkürlich grinsen. Was wohl ein Liftboy aus den 1950 er Jahren sagen würde? Eine Mitarbeiterin kam gerade die Treppe rauf und sprach mich an. Super freundlich, hilfsbereit. Sie sagte, sie nehme mich mit und zeige mir alles. Ich hatte nicht danach gefragt, aber das nenne ich doch mal Service.  Sie öffnete die Tür mit dem oben erwähnten Schild.

Man steht  im Schwimmbad auf einer Empore. Ein toller Anblick. Mein erster Impuls: reinspringen. 

27 Meter blaues Wasser in einer historischen, wunderschönen Kulisse. 

Tolle Beleuchtung, wunderschöne Farben, viele Badegäste.  Supersauberere Böden. Ich habe erst mal nur gucken wollen und sie ließ mir die Zeit.  Und beantwortet alle Fragen, geduldig ohne den Eindruck zu erwecken, dass sie in Hektik war. Und sie hatte zu tun, das war sichtbar. Geht man auf der Empore lang, liegt ein bisschen versteckt der Karten Einlass Automat. Sehr schön, so stört er die Optik der Empore nicht. Der Kassenraum liegt nach hinten raus, auch schön, dass er offen ist.

Die Mitarbeiterin erklärte mir die Besonderheiten des Bades. Man geht von hinten in eine der (oben auf dem Bild gut sichtbaren) Kabinen, die man mit einem Haken verschließt. Eine Bank zum runter klappen ist in jeder Kabine, ebenso ein Spiegel. Einer, in dem man sich sehen kann. Alle Kabinen, die ich einsehen konnte, waren so sauber. Dazu später nochmal. Die Kabinen sind gleichzeitig auch Schrank. Schließt man sie von außen, kann nur das Personal sie öffnen. Man sollte sich also die Nummer oben merken. Und, keine Angst, man steht da nicht wartend. Die freundlichen Mitarbeiter sind sofort da, wenn man in die Kabine möchte.

Als ich an einem Montag dort war, schwamm gerade die Polizei auf der einzigen geleinten Bahn und die Mitarbeiterin bat mich, im anderen Teil zu schwimmen. Auf meine Frage, was die alten Herren dort machten, sagte sie, dass diese leider keine Rücksicht darauf nehmen wollen. (Sie drückte sich vorsichtiger aus).

Die Duschen befinden sich, gut sichtbar an der Front des Bades. Links die Damen, rechts die Herren. Ein WC ist dort ebenfalls. Alles picobello sauber. Das wunderte mich aber nicht. Ständig war das Personal mit Lappen und Wischern unterwegs in der kurzen Zeit in der ich dort war. Nach jedem Kunden, der eine Kabine verliess, wurde dort nachgesehen und geputzt. Toll! In diesem Bad scheinen auch alle vorher zu duschen. Kein typischer Schwimmbad Geruch

Die Duschen, na, sie sind halt alt und nicht alle werden warm, aber weder Haare noch sonst irgendwelche Hinterlassenschaften von Badegästen. Und das zählt letztlich. Es gibt keine Ablagen an den Duschen, aber Haken an einer Wand. Ausreichend, denn auch wenn das Bad noch voller wäre, Platz genug ist in den Sanitärräumen. 

Das Schwimmbecken kann über zwei seitliche Treppen betreten werden und liegt, wie alle alten Becken, tief. Es weist die gleiche Besonderheit auf wie das Stadtbad Mitte. An einer Seite auf etwa der Hälfte des Beckens nur 60 cm flach. Wer schwimmen kann, denn stört das nicht. Ich schätze das Wasser auf 28 Grad. Der flache Bereich ist mit einer Leine abgetrennt, so dass keine zwei Wände zur Verfügung stehen, es sei denn, man schwimmt unter der Leine durch.

Das Bad ist einfach kein Sportbad. Besucht wird es von Anwohnern und Schulen und Vereinen. Ein Stadtbad, gebaut, um Hygiene für alle zu ermöglichen und ein Schwimmbecken zur Gesundheitsförderung.

 

Fazit:

Auch wenn sportliches schwimmen zu bestimmten Zeiten möglich ist, eher für gemütliche Schwimmer gut geeignet und auch wenn es keine Attraktionen gibt, für Familien mit Kinder, die schwimmen (lernen) wollen. Das Highlight ist das wunderschöne Ambiente und die Mitarbeiterin, der man anmerkt, wie gern sie ihre Arbeit macht und Kunden willkommen heisst.

 

Das Bad hat laut Berliner Bäder Betriebe einen Snack Automat. Das stimmt nicht. Er wurde scheinbar vor langer Zeit aufgebrochen. Ein Solarium befindet sich noch in dem Gebäude.

Es macht mich traurig, dass dieses Bad nicht gebührend beachtet wird von den Berliner Bäder Betrieben. Was könnte man alles mit den Räumen machen. Begegnungszonen, Cafeteria, Bücherei, Wannenbäder, wie zum Beispiel in Wien,  wieder beleben und vieles mehr.

 

Weitere Schwimmbad Beschreibungen

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*Ganz ehrlich, holt solche Leute rigoros raus. Stellt Schilder auf.  Wir brauchen eine fitte Polizei nötiger als Kunden in Bädern, die Rücken propellernd deren Training stören. Das Bad ist klein, für Sportschwimmer nur in den Zeiten geeignet, in denen die geleinte Bahn nicht belegt ist. Diese Zeiten nannte sie mir. Dienstag und Donnerstag, nach den Schulen, soll es etwas leerer sein.

Ich bedanke mich bei Herrn T. für das Bild vom Schwimmbecken. Das Bad war so voll, dass ein Bild Menschen abgebildet hätte. Keine Chance auf ein Foto. Ich habe deshalb bei den Berliner Bäder Betrieben angefragt und binnen weniger Stunden das Bild oben von der Schwimmhalle erhalten.


Es gibt, wie bei vielen Bädern, keine gesonderten Wegweiser zum Bad. Das Schild an der Kreuzung hat seine besten Jahre längst hinter sich und stammt noch aus Zeiten als Bäder unter Bezirkshoheit standen. Die Cafeteria gibt es nicht mehr.

Ich bin von Tempelhof aus bis zur Friedrichstraße und von dort mit einer Regionalbahn gefahren. Am Bahnhof Spandau sind es mit dem Bus bis zur Haltestelle Klinkeplatz nur 6 Stationen. 

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Kommentare: 4
  • #1

    southgeist (Montag, 13 Februar 2017 10:45)

    Ich frage mich ob du dieselbe Mitarbeiterin hattest wie ich. Ich erinnere mich auch daran, dass sie superfreundlich war und in einem atemberaubenden Speed Kabinen aufschloß und dann aufwischte. Die muss ja echt jeden Tag einen halben Marathon mindestens laufen - und das auf feuchten Fliesen.

  • #2

    schwimm-blog-berlin (Samstag, 18 Februar 2017 14:57)

    Hallo southgeist

    im Bad sind immer die gleichen Mitarbeiter in einem kleinen Team. Ich bin sicher, es war die gleiche. Ständig auf Achse, wischen, aufschließen, kassieren, Fragen von Schwimmbloggern beantworten ;-)

    Lg

  • #3

    southgeist (Montag, 25 September 2017 18:23)

    Gute Nachrichten: der Snackautomat ist wieder da :-) Und auf der Treppe gibt es mittlerweile einen Aushang mit ein paar alten Fotos und ein paar Daten zur Geschichte. Leider war heute die superfreundliche Mitarbeiterin nicht da.

  • #4

    schwimm-blog-berlin (Dienstag, 26 September 2017 15:16)

    Hui, das ist doch mal was (wenn auch längst nicht genug in diesem schönen Bad)
    Der Aushang, hast du den fotografiert?