Verbot von Personal Training: Stellungnahme aus Sicht einer Schwimmerin

Stellungnahme an die Mitglieder des Sportausschusses im Abgeordnetenhaus zu Berlin

 

Ich habe heute diese Stellungnahme an sämtliche Mitglieder des Sportausschusses gesandt. Der Text kann, sofern er vollständig zitiert wird, von jedem ohne Quellenangabe genutzt werden, der sich dieser Meinung anschließen möchte.

Sehr geehrte  Damen und Herren Abgeordnete,

 

ich wende mich an Sie als Mitglieder des Sportausschusses im Abgeordnetenhaus zu Berlin.

Mit Datum vom  17.02.2017 erliessen die Berliner Bäder Betriebe ein Verbot von Schwimmtraining durch Trainer die nicht für die Berliner Bäder Betriebe Schwimmtraining durchführen. Im Folgenden "Verbot von Personal Training" genannt.

 

Ich persönlich gebe weder Personal Training noch nehme ich es in Anspruch. Ich bin seit sehr vielen Jahren Stammkundin der Berliner Bäder Betriebe und Inhaberin der Premiumkarte seit Einführung. Ich nutze sämtliche, mir zugängige, Bäder regelmäßig mindestens fünf Mal pro Woche.

 

 

Ich habe noch nie die Erfahrung gemacht, durch Personal Trainer und/ oder deren Schülern* gestört zu werden. Im Gegenteil. Ich erlebe diese Trainer als zusätzliche Sicherheit, das ist mein ganz persönlicher Eindruck. Der Trainer am Beckenrand hat permanent ein Auge auf das Schwimmbecken, auf seinen Schüler und ich habe bereits erlebt, dass durch deren Aufmerksamkeit Unfälle durch massiv rücksichtslose Gäste verhindert wurden. Unsere Bademeister* arbeiten am Limit, retten Leben und sorgen für eine grundsätzliche Sicherheit.  Unsere Bademeister müssen das gesamte Schwimmbad und deren Gäste im Auge haben, so können sie nicht alle Vorkommnisse im Wasser beobachten.

Das heißt, nur eine Person, die direkt, ohne jede Unterbrechung, den Blick auf das hat, was um seinen Schüler herum passiert, kann sehen, was sich Gäste teilweise erlauben. Da wird mit Absicht getreten, geschlagen, Schnellere schwimmen Langsamere regelrecht um ohne jegliche Rücksicht. Langsamere blockieren die Schnelleren oder schlagen nach ihnen. Ich möchte das hier nicht im Einzelnen ausführen, aber im Schwimmbecken herrscht aufgrund der immer kleinen werdenden, der Öffentlichkeit  zur Verfügung stehenden Wasserfläche, oft regelrecht Krieg.

 

Personal Trainer und ihre Schüler ordnen sich im Übrigen in den Schwimmbetrieb ein wie all diejenigen ohne Trainer. Beide zahlen den gleichen Eintritt wie alle. Sie nutzen sogar weniger Wasserfläche durch die Tatsache, dass die Trainer draussen am Beckenrand bleiben in den allermeisten Fällen. Ob ich, die ohne Trainer  am Beckenrand, schwimme oder ein Schwimmschüler, die Belegung der Wasserfläche ändert sich nicht. 

 

Ich musste in den letzten Jahren oft durch die halbe Stadt fahren, um überhaupt ein geöffnetes Bad zu finden. In  Bädern sind Bahnen abgetrennt für Vereine, die häufig nur von sehr wenigen oder sogar gar nicht genutzt werden.  Die restlichen Gäste müssen sich ein volles Schwimmbecken teilen, auf denen dann womöglich auch noch in quer abgetrennten Bereichen Aqua Fit Kurse stattfinden, während auf den von Vereinen blockierten Bahnen gähnende Leere herrscht. Mittlerweile gibt es Zeiten, in für die Öffentlichkeit nicht zugängigen Bädern, zu denen lediglich fünf Personen das komplette Bad für sich allein haben. (Mir ist die unterschiedliche Belegungsdichte bekannt, in den genannten Beispielen geht es weder um Leistungssport noch um andere Wettkampfrelevante Schwimmer, sondern Breitensport).

 

Bleibt das "Verbot von Personal Training" und die Bedingung einer Bahnmiete so bestehen, bedeutet das für mich als einfacher Gast, ohne Vereinslobby, dass die Wasserfläche sich weiter einschränkt. Gemietete Bahnen in denen ein bis zwei oder auch drei Schwimmschüler sind, sperren Gäste wie mich aus dieser Wasserfläche aus. Mir ist die Wirtschaftlichkeit dierser nicht  Auslastung dabei ohnenhin unverständlich.

Ohne Bahn sind die Genannten Gäste wie alle anderen auch.

 

Ich kenne die Aussage der Berliner Bäder Betriebe, dass Bahnenvermietung außerhalb von Spitzenzeiten erfolgen soll.

Nach welchen Kriterien werden Vermietungen von wem und für wen in der Realität genehmigt?

Hier sind Sie als Abgeordnete gefragt, sich von Verantwortlichen in den Berliner Bäder Betrieben die Vorgänge im Einzelnen darlegen zu lassen.

Die Berliner Bäder Betriebe vermieten derzeit unter anderem im Stadtbad Tiergarten, zu am stärksten von Kunden ohne Vereinshintergrund genutzten Spitzenzeiten. Sonntags, um nur ein Beispiel zu nennen,  eine 50 Meter Bahn. Eine Schwimmschule, die Schwimmkurse, aber auch Personal Training anbietet. In der genannten Zeit sind auf dieser, für alle anderen gesperrten Bahn, zwischen vier und 10 Menschen, die ausschließlich den flachen Teil der Bahn nutzen. Das bedeutet, es sind Nichtschwimmer und die restliche Bahn ist leer. Warum finden solche unsinnigen Belegungen in einer 50 Meter Bahn statt, zumal in der Spitzenzeit, statt im Nichtschwimmerbecken und außerhalb solcher Spitzenzeiten? Mal davon abgesehen, dass dieser Anbieter von dem generellen Verbot derzeit unbehelligt bleibt.

 

Die Begründung des "Verbots von Personal Training" sollen Gäste sein, die sich beschwert hätten. Es war die Rede von gewerblichen Trainern, die mit ganzen Gruppen Bahnen besetzen ohne dafür zu bezahlen.

Unsere Bademeister sind ausgelastet, personell unterbesetzt und dennoch, das würde ihnen auf keinen Fall entgehen.

Wenn tatsächlich solche Gruppen, außerhalb der von Berliner Bäder Betrieben durchgeführten Kurse/ Trainingsseinheiten,  in einem Bad auftauchen, würden die Mitarbeiter sich mit Sicherheit Nutzungsverträge vorlegen lassen. Das Personal der Berliner Bäder Betriebe kennt die Belegungen durch ihren Arbeitgeber, außerhalb stattfindende würden nicht geduldet.

Die Berliner Bäder Betriebe sollten Ihnen als Abgeordnete benennen, an welchen Tagen, in welchen Bädern, zu welchen Uhrzeiten, in welcher Gruppenstärke über welchen Zeitraum solche Nutzungen ohne Entgeltpflichtige Nutzungsverträge stattgefunden haben sollen.

Was es allerdings tatsächlich gibt, sind Kurse, Trainings, die nirgends kommuniziert, aber von den Berliner Bäder Betrieben, respektive deren Geschäftspartnern durchgeführt werden. Als Beispiel "Meerjungfrauen Kurse", die ganze (Sprung)Becken besetzen ohne jeglichen Hinweis für andere zahlende Gäste. Der Gast muss erst den Eintritt zahlen, um dann sehen zu müssen, ob er diverse Einrichtungen für die er gezahlt hat, nutzen kann. Diese Überraschungen erlebt man als Stammgast immer wieder. 

 

Um Miverständnissen vorzubeugen, ich bin der Meinung, dass Gruppennutzung durch gewerbliche Trainer grundsätzlich mit Anmietung von Wasserfläche einhergehen muss. Ich bin der Meinung, dass Gäste darüber informiert werden müssen bevor sie ein Bad aufsuchen. Das "Verbot von Personal Training" betrifft allerdings ganz andere Sachverhalte.

 

Die Berliner Bäder Betriebe, die sich als "der größte Bäder Betrieb Europas" bezeichnen, erlassen ein solches Verbot ohne auf Anfragen von den genannten Betroffenen Verträge vorlegen zu können. Meint, gewerbliche Trainer werden auf April vertröstet. Das kommt in der jetzigen Situation einem Berufsverbot gleich.

Auch wenn ich finanziell davon nicht betroffen bin, muss diese Praxis eines kommunalen Unternehmens, das über  eine sehr gut ausgestattete Verwaltung verfügt, mich mehr als nur wundern. Warum wird nicht zuerst ausgearbeitet, wie man mit solchen gewerblichen Anbietern umgehen will? Einen Lösungsvorschlag zum Umgang mit gewerblichen Trainern finden Sie hier 

https://www.schwimm-blog-berlin.de/2017/03/05/berliner-bäder-für-alle/

 

Auch wenn ich  nicht betroffen bin von dieser  Existenzvernichtenden Praktik, ich bin als Gast ohne Lobby insofern betroffen, dass ich befürchten muss, erneut in meinen Nutzermöglichkeiten eingeschränkt zu werden. 

Als einfache Kundin bin ich diejenige, die als allerletzte von Belegungen erfährt, bin ich diejenige, die jedes Mal von Einschränkungen betroffen ist.

Warum wird so ein  Verbot erlassen, ohne dass die Öffentlichkeit konkret erfährt, in welchem Ausmaß, in welchen Bädern, an welchen Tagen, zu welchen Zeiten solche Bahnenvermietungen eingeführt werden und wir uns erneut einschränken sollen? Sie als Abgeordnete sind auch für mich als einfacher Gast der Berliner Bäder zuständig und ich bitte Sie darauf hin zu wirken, dass die Bürger, die außerhalb jeglicher Gruppen, Vereine und Kurse, dem Schwimmsport nachgehen möchten,  nicht noch mehr aus kommunalen Bädern gedrängt werden- wie zuletzt durch Umwidmumg in Schul- und Vereinsbäder,  durch die Zerschlagung des bis 2015 funktionieren (Aqua Fit) Kurssystems, welches derart ausgeweitet wurde, dass mir immer weniger Wasserzeiten zur Verfügung stehen.

Das Grundproblem, immer häufigere Schließungen aus Personalmangel, die fast ausschließlich Gäste wie mich betreffen, Kurse und Vereine aber stattfinden lassen, soll an dieser Stelle nur insofern thematisiert sein, dass ohne dessen Lösung die Situation sich immer weiter zuspitzen wird. Da nützen auch Aussagen der Berliner Bäder Betriebe nicht, die darauf abzielen, dass es zu "50 % technische Gründe" hat, wenn Bäder schließen. Hier sind Sie als Abgeordnete gefragt, sich diese "technischen" Gründe und deren "Reparaturen" im Einzelnen nachweisen zu lassen.

 

In den letzten Jahren wurde die Möglichkeit, kommunale Bäder zu nutzen immer weiter für Kunden wie mich eingeschränkt. Bei allem Verständnis für die wirtschaftliche Betrachtung der Bäder, bin ich in meinem Schwimmerleben im letzten Jahr zum ersten Mal so weit eingeschränkt worden in der Nutzungsmöglichkeit, dass ich fast sämtliche Privat Clubs mit Pools getestet habe. Trotz sehr guter, nicht wesentlich teurerer Mitgliedschaften, habe ich mich, nach langem ringen, doch noch einmal entschieden, eine Premiumkarte der Berliner Bäder Betriebe zu erwerben. Ich schätze unsere Berliner Bäder Landschaft, die sicher nicht überall so ist, wie man sich das wünschen könnte, aber solch eine Bäder Landschaft ist einmalig. Sie sollte allen, auch einfachen Kunden  zur Verfügung stehen. Bitte unterstützen Sie dieses Anliegen. Ich bitte Sie als Abgeordnete, darauf hinzuwirken, dass dieses unsinnige Vorhaben, ganze Bahnen für einzelne Personen, nicht umgesetzt wird und die jetzige, niemanden einschränkende Praxis beibehalten wird.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben meine E Mail zu lesen. Ich würde mich freuen über eine Antwort. 

 

Update 19.03.2017 Meine beschriebenen Befürchtungen wurden heute Realität- Bahn Vermietung an Einzelperson  

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Kommentare: 4
  • #1

    Tabea (Dienstag, 07 März 2017 22:19)

    Sehr guter Brief!

  • #2

    Schwimmer (Mittwoch, 08 März 2017 00:01)

    sehr guter Brief. Man faßt es nicht, dass die Bäderbetriebe sich mit so einem Thema beschäftigen.Es liegt so Viel im argen in unseren Berliner Bädern.

  • #3

    Elli (Mittwoch, 08 März 2017 08:56)

    Danke für das Engagement! Ich hatte versucht für meine Kinder (6 und 8 Jahre) einen Schwimmkurs bei den Berliner Bäderbetrieben zu buchen. Als ich um 7.30 Uhr am Verkaufstag am Schwimmbad war, war schon alles ausgebucht. Man muss um 6 Uhr kommen, für mich mit zwei kleinen Kindern keine einfache Aufgabe. Daraufhin habe ich im Schwimmbad Gartenstrasse nach Einzelstunden für meine Kinder angefragt. Antwort des Bademeisters: gab es früher, wird nicht mehr angeboten. Jetzt hatte ich gerade einen Schwimmlehrer ausfindig gemacht, und der darf meine Kinder jetzt nicht unterrichten. Hier geht es nicht um einen x-beliebigen Sport, sondern darum, Kinder vorm Ertrinken zu bewahren. Ich bin so sauer!

  • #4

    schwimm-blog-berlin (Samstag, 11 März 2017 20:09)

    An alle einen lieben Dank für euren Zuspruch.

    Hallo Elli

    dein Kommentar war am 10.03.2017 im Tagesspiegel Newsletter. Wenn du magst, kannst du ihn hier sehen
    https://www.schwimm-blog-berlin.de/2017/03/07/medienblick-zum-verbot-privater-schwimmunterricht-personal-training/

    Ich habe mich gefreut, dass Lorenz Laroldt das dort aufgegriffen hat, gewusst habe ih es vorher nicht.
    Falls du mit ihm Kontakt aufnehmen möchtest
    Lorenz.Maroldt@tagesspiegel.de
    Wenn du lieber komplett anonym bleiben willst, aber noch etwas dazu sagen möchtest, kannst du mir schreiben. Ich gebe es weiter, ohne Angabe, woher es kommt.
    (Das gilt auch für alle anderen Betroffenen)
    info@schwimm-blog-berlin.de

    Liebe Grüße

    schwimm-blog-berlin