Allen Nutzergruppen steht weniger Wasserfläche zur Verfügung

Alle Nutzergruppen sind von Personalmangel betroffen

 

In fast allen Berliner Bädern steht Wasserfläche leer. Mit 37 Hallenbädern, von denen 34 zumindest zum Frühschwimmen auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, hätte Berlin ausreichend Wasserfläche.

Solange aber die Nutzergruppen gegenseitig als Konkurrenz betrachtet werden, weniger von den Berliner Bäder Betrieben als aus den Nutzergruppen selbst, wird sich daran nichts ändern.

 

Seit Anfang 2016 bekomme ich immer mehr Zuschriften aus allen Nutzergruppen. Und zwar immer dann, wenn es für eine Nutzergruppe mal wieder eine Situation gibt, in der sie betroffen ist.

 

Anfang 2016 waren das hauptsächlich Kursteilnehmer. Eltern, die ihre Kinder zum Schwimmunterricht anmelden wollten und keinen Platz bekamen, Eltern, die ihre Organisation über den Haufen geworfen sahen, wenn Kurse ausfielen, verlegt wurden, Aqua Fitness Kurs Teilnehmer, die mich fragten, was diesen von jenem Kurs denn nun unterscheidet, weil Bezeichnungen erfunden wurden, die keinerlei Definition erlaubten, was da hinter steckt.

Im Frühjahr 2016 waren es hauptsächlich Nutzer wie ich, Schwimmer, Gäste ohne Lobby, seit Jahren, viele sogar seit Jahrzehnten, am häufigsten von Verdrängung betroffen. Massive Kürzungen, komplette Schließungen für die Öffentlichkeit  Darunter nicht nur sportliche Schwimmer, sondern solche, die den Weg ins überübernächste Bad aus Altersgründen nicht mehr schaffen, solche, die aus beruflichen Gründen zeitlich keine Möglichkeit haben, drei Bäder anzufahren, um vor zusätzlich "Betriebsbedingt" geschlossenen zu stehen. Enttäusche Sommerkarten Inhaber, die hilflos zusehen mussten, dass auch Freibäder später in der Saison öffneten, teilweise nur 10-18 Uhr und dann auch noch von Saison Kürzungen, Schließungen bei Sommerwetter und das nicht selten ohne Kommunikation betroffen waren.

 

Im Herbst 2016 mehrten sich wieder die Zuschriften der Kursteilnehmer und sogar Vereinsmitglieder schrieben von Kürzungen an Wochenenden, von Schließungen aufgrund fehlendem Personal und ausgefallenem Training. Außerdem die vom gekürzten Frühschwimmen betroffen.

 

Aktuell betroffen sind Eltern deren Kinder privaten Schwimmunterricht nehmen aus ganz unterschiedlichen Gründen, Erwachsene, die Personal Training benötigen, weil sie gern schwimmen lernen wollen, aber es aus unterschiedlichsten Gründen vorziehen, dass nicht in Gruppen zu tun.

 

Ich bekomme, natürlich anonym, Zuschriften, die darauf schließen lassen, dass es sich um Mitarbeiter der Berliner Bäder Betriebe handelt. Nicht nur aus dem operativen Bereich. Alle eint, dass sie sich im Stich gelassen fühlen. Diese Zuschriften handeln meist nicht von 'Betriebsgeheimnissen' sondern mangelnder Wertschätzung, Mobbing, Arbeitszeitüberschreitungen und so weiter.

 

Ich merke genau, wenn für die einzelnen Nutzergruppen die Situation sich temporär entspannt. Die Zuschriften werden weniger. Und ich kann mein Postfach schon mal leer räumen, wenn die nächsten Probleme anstehen. Sobald diese Probleme, die sich immer wieder und weiter zuspitzen aufgrund der Personalnot, dann am Bad ankommen und die jeweilige Nutzergruppe betreffen, quillt das Postfach erneut  über.

 

Und in der Zwischenzeit so? Nix. Klar, es kommen immer Zuschriften, aber die Häufungen ebben ab.

Und genau das ist der Grund, warum sich grundlegend nichts ändern wird. 

Sobald eine Nutzergruppe sich einigermaßen im Bezug auf Wasserfläche vertreten sieht, kümmert es sie nicht mehr. 

 

Zufrieden mit immer weniger Wasserfläche?

 

Warum sollte es in Bädern anders sein als im Rest der Welt. Statt sich grundlegend zu engagieren, zu hinterfragen, geht es um die eigene Nase. Außer die großen Vereine mit einer starken Lobby in Politik und Mitgliederzahl, wird es für alle immer weniger Wasserfläche geben, solange man nur bis zur eigenen Nutzertür und auf aktuelle Einschränkungen schaut.

 

Was ist zu tun?

 

Ich werde von sehr engagierten Nutzern aus allen Gruppen gefragt, was man tun kann?

Zusammenschluß.

Das betrifft die Mitarbeiter, die sich nicht wert geschätzt fühlen, die mit oft richtig guten Ideen Verbesserungen wollen, diejenigen, die gemobbt werden, diejenigen, die sich ausgebremst fühlen in ihrem Engagement für den Beruf. Jeder gegen jeden und "ich kann ja eh nichts machen", sind die Mittel auf dem Weg zur inneren Kündigung. Identifikation mit dem einzelnen Bad ist toll, aber das reicht nicht. Identifikation mit allen Bädern, allen Kollegen. Es ist völlig normal, dass es Aversionen untereinander gibt, die können dann ausagiert werden in Form von arbeiten in anderen Teams, wenn das große Ganze sich verbessert hat.

 

Das betrifft Schwimmer, die jeden Tag über Mangel an Möglichkeiten ihren Sport auszuüben, aber den Blick nur bis zum Beckenrand fokussieren. Sportliche Schwimmer haben andere Interessen als die, die gemütlich Bahnen ziehen. Andere Interessen als diejenigen, die Gruppenbaden wollen. Alle eint, dass sie nur deshalb sich in die Quere kommen, weil der Platz weder vernünftig eingeteilt, noch Einteilungen kommuniziert noch ausgenutzt wird aufgrund Personalmangel. 

Gäbe es klar definierte Zeiten, klar kommunizierte Wasserfläche (Bahnen, Schwimmbäder wurden mit Bahnen gebaut), Auslastung der gesamten Wasserfläche, wären alle zufrieden zu stellen.

Das betrifft Eltern, die keinen Schwimmkursplatz bekommen, keinen privaten Unterricht. 

Das betrifft Aqua Fit Kurs Teilnehmer, die von Bad zu Bad rennen, um das passende zu finden und dann enttäuscht feststellen, der Kurstermin fällt schon wieder aus.

Das betrifft Vereine, und ja, auch die großen, denn mit blockierter, aber ansonsten leerer Wasserfläche, kann man Bäder nicht halten.

 

Alle Nutzergruppen brauchen einander, denn wenn es nur für eine Wasserfläche gibt und die anderen auf dem Trocknen sitzen, nützt es auch nicht, wenn man viel Wasserzeit hat. Die muss finanziert werden, durch Einnahmen. Einnahmen und Subventionen. Warum sollten Subventionen immer weiter ausufern, wenn Vollzahler draussen bleiben müssen? 

 

 

 

Mein Blog kann als Plattform dienen, sich mal gemeinsam was zu überlegen. Genauso könnte jede andere Plattform ins Leben gerufen werden. 

Nutzer und Mitarbeiter von Bädern haben Rechte, Betreiber Pflichten. Die Darstellung, wie es in den Unterlagen und am Schreibtisch in tollen Excel Tabellen aussieht spiegelt keineswegs die Realität. Ich kann mein Geld auch auf mehrere Geldbörsen für unterschiedliche Bedürfnisse verteilen und wenn mich einer fragt, welche Summe ich für X habe,  alles in eines legen und sagen: schau, wie viel Geld ich habe. 

Ich könnte auch sagen, mein Blog ist ganz toll, während ich weiß, dass ich dringend am Layout arbeiten müsste. 

 

In vielen Bädern gibt es Einzelaktionen. In Charlottenburg, Schöneberg, Mariendorf und so weiter. Hat das klein klein geholfen? War es ein großes Thema in Medien? Gab es Reaktionen der Berliner Bäder Betriebe und Abhilfe? Nein.Ignoranz auf allen Ebenen.

Schwimmen ist Einzelsport. Schön. Darum lieb ich diesen Sport so sehr. Ich bin kein Mannschaftssportler, außer früher zu Staffelläufen. Viele schwimmen, weil sie es allein machen können. Man trifft sich. plaudert, aber der Sport, für den brauchen wir keine zweite Person.

 

Genau dieses klein klein führt aber zu nichts. 34 Bäder, die von der Öffentlichkeit genutzt werden können, bei vernünftiger Personalausstattung von 5.30-22.30 Uhr. Stattdessen ergehen sich Nutzer in Einzelaktionen, gehen damit baden und tauchen wieder auf, wenn das Frühschwimmen ganz abgeschafft wird. Nach der Kürzung gab es einen Aufschrei. Und dann? Kann man nix machen...und jetzt sind sie zum Teil wieder massiv betroffen. Ich räum mal das Postfach leer...

 

 

Berlin eben. 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sigrun (Sonntag, 12 März 2017 00:37)

    Recht hast Du - wir alle, die wir gerne Schwimmen, müssen langfristig zusammenarbeiten, wenn wir möglichst gerechte Zustände in unseren Bädern wollen. Ob unser Beitrag dazu seitens der BBB überhaupt gewünscht ist - da bin ich mir inzwischen leider nicht mehr sicher.