Schwimmhalle Buch

Die Wendehalle

 

Baubeginn dieser letzten Schwimmhalle eines neuen Bau Typs "Berlin 83 Typ Berlin" in der *DDR* war 1986. 

Im Gegensatz zur ersten Schwimmhalle der neuen Bauweise, die im gleichen Jahr nach nur eineinhalb jähriger Bauzeit fertig gestellt wurde, betrug die Bauzeit für das Bad in Buch fünf Jahre. Während das Bad Ernst Thälmann Park bereits von Beginn an  in die Planung des Wohnparks einbezogen war, wurde in dem ab 1983 hochgezogenen Wohnungsbau entlang der Karower Chaussee die Schwimmhalle Buch nachträglich geplant. 

 

Die  Bauzeit verlängerte sich, weil bei den umliegenden Bauten Probleme entstanden. Mir wurde von "sich neigenden Balkonen" berichtet.

Am 05.08.1991, als es die *DDR* bereits nicht mehr gab, wurde die Schwimmhalle eröffnet. Im Gegensatz zum Schwimmbad im Freizeiforum Marzahn wurde das Bad so gebaut wie der Plan in der *DDR* das vorsah.

 

Ab Januar 2018 ist eine Sanierung der Schwimmhalle geplant die im Herbst 2019 abgeschlossen sein soll. Ich hoffe, einige schon historisch zu nennenden Merkmale wie die Handwaschbecken werden uns erhalten bleiben.

 

Mein heutiger Besuch war aus einer Laune heraus entstanden. Ich habe das Risiko in Kauf genommen, ohne vorherige Absicherung durch Anruf, ob das Bad geöffnet ist, spontan nach Pankow zu fahren. Die Schwimmhalle hatte ich bisher nur ein einziges Mal besucht und das war viele Jahre her.

 

Wie immer seit ich den Blog schreibe, bin ich erst einmal um das Bad herum gelaufen um ein paar Fotos zu machen. Von außen habe ich die einladende Beleuchtung vermißt, die man am baugleichen Typ in Prenzlauer Berg findet.

Kommt man in das Bad, kann man sich sofort orientieren. Hell, sauber, Sitzgelegenheiten, gut ausgeschildert ohne zugepflastert zu sein mit Schildern.  Ein offener Kassenbereich mit einem sehr freundlichen Mitarbeiter. Ich habe meine typischen Fragen, 5 Cent für die Föhne und 1 Euro Stück, für den Spind gestellt. Der Mitarbeiter wünschte mir viel Spass. 

Hinter dem Drehkreuz beginnt der sogenannte Barfußgang und alle halten sich dran.

Gang, Fenster, Wände, alles sauber und das, obwohl das Bad sehr gut besucht war. Die Umkleiden der Herren sind wie in den meisten Bädern vorn, die für Damen hinten. Geradeaus geht es zur Sauna.

Auch in den Umkleiden war es sauber. Holzpritschen vor sehr schmalen Spinden in 1980 er Jahre Schick. Gelbe Fliesen, weiße Spindtüren. Es waren gerade Baby Kurse und trotz vieler Mütter und Väter mit Kleinkindern werden die Mülleimer scheinbar zwischendurch geleert(als Tipp für Bäder, in denen das nicht geschieht). 

Die Duschen. Regulierbare Wassertemperatur. Sauber. Ausreichend Haken und Ablagen. Aber sie brauchen lange, um irgendwie warm zu werden. Und am besten man hält den Knopf gedrückt. Es gibt zwei Duschräume ohne Schamwände, aber mit einer hübschen Besonderheit, Handwaschbecken und einem riesigen Spiegel der weder beschlagen war noch Wasserflecken hatte. Wie mache die das? 

Die Toiletten befinden sich gleich neben dem zweiten Duschraum, ebenfalls sehr sauber. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Tatsache, dass es zieht. Nicht so stark wie im Paraceluss Bad, aber schön ist das nicht.

 

Geht man von den Duschen durch den Gang ohne Türen, steht man vor 25 Metern himmelblauem Wasser.

Durch die riesige Fensterfront schien die Sonne und obwohl das Schwimmbecken richtig voll war, glitzerte das Wasser einladend. 

Zwei abgeleinte Bahnen, je mit etwa 6 Leuten belegt, die gemütlich vor sich hin ruderten. Im Rest des Schwimmbeckens habe ich sage und schreibe 40 Badegäste gezählt. Irritiert, Mittwoch ist doch kein Seniorenbaden.  Bis  auf ganz wenige Ausnahmen waren nur Senioren im Wasser. Wie ich im späteren kurzen Gespräch mit einem sehr freundlichen Bademeister erfuhr, hatte ich mich nicht geirrt. Ausgewiesen ist Seniorenbaden nur Freitag, aber es hat sich so ergeben, dass auch Mittwochs in der Mehrzahl Senioren das Bad vormittags besuchen.

Im Planschbecken waren viele Eltern mit Kleinkindern, vielleicht freuen sich die älteren Herrschaften darüber und kommen deshalb gern Mittwochs zu den Schwimmkursen für die kleinen. 

 

Im Bad gibt es viele Sitzgelegenheiten, Ablagen, ich hatte das Gefühl, pro Gast ein Stuhl oder ein Platz auf einer der Bänke. Ich find's klasse. Saubere Böden, steinerne Startblöcke, die leider mit Kegeln blockiert waren, kein Probesprung möglich.

 

Ich kann mich täuschen, aber mir kommt es so vor, als würde in den Schwimmhallen im Osten der Stadt mehr Rücksicht genommen. Diese Erfahrung mache ich zumindest. Heute habe ich etwas einmaliges erlebt. In der Bahn schwammen nur Gäste mit dem Kopf über Wasser, ein Herr beanspruchte viel Platz mit rudernden Armen. Mehrfach hörte ich wie eine alte Dame ihn immer wieder lautstark ermahnte "rechts, schwimmen sie doch rechts" und "sie sollen verdammt nochmal rechts schwimmen". Ich hatte das Vergnügen mit ihr kurz ins Gespräch zu kommen. Sie war es, die sich aufregte, warum "dieser Mann nicht endlich versteht, dass hier im Kreisverkehr geschwommen wird". Ich war schwer beeindruckt, was ich ihr auch sagte. 

 

Die Föhne muss ich erwähnen (aber wann mache ich das nicht) Modell Schlauch gab es und Handföhne bei denen ich schon die Augen verdrehe mit dem Gedanken an die schmierigen Griffe von Styling Mitteln. Irrtum. Das erste Mal Handföhne ohne Schmierfilm. Und das, obwohl die meisten Gäste sich die Haare geföhnt hatten. Auch wenn das nur eine Kleinigkeit ist, ich finde es toll, dass auf so etwas geachtet wird. 

Kleiner Tipp, links neben der Tür zur Sauna befindet sich ein altes Schild mit Saunaregeln. Schön, dass jemand das gerettet hat und aufgehängt. Durch die blendende Sonne war es nicht so einfach, das Schild zu fotografieren im Ganzen, oben sieht man eines der kleinen Bilder in Comic Manier.

 

Am Föhn fiel mir ein, woher ich den netten Mitarbeiter an der Kasse kannte. Humboldthain. Er hatte mir im letzten Jahr geduldig Fragen zur Geschichte des Sommerbades beantwortet. Klar, dass ich ihn beim rausgehen löcherte mit Fragen zum Bad in Buch. Was er alles weiß ist schon toll. Auch er gehört offensichtlich zu den Mitarbeitern in Berliner Bädern, die mehrere Dinge gleichzeitig können. Fragen beantworten, Eintrittskarten verkaufen, Telefon bedienen und gleichzeitig für jeden herausgehenden und hereinkommenden Gast freundliche Worte.

 

Fazit: Ein von Anwohnern sehr gern angenommenes Schwimmbad. Eher zum gemütlichen schwimmen geeignet, einfach weil es eigentlich zu klein ist für ein beliebtes Bad. Super finde ich, dass Mittwochs zu den Kleinkinder Kursen das Planschbecken auf 32 Grad geheizt wird. An Tagen ohne Kinderkurse hat es, wie das Schwimmerbecken, 28 Grad.

Ich war von Tempelhof mit der U Bahn bis Friedrichstrasse gefahren und von dort mit der S 2 bis Buch. Man erreicht das Bad vom S Bahnhof Buch aus mit zwei Bussen. Haltestelle Karower Chaussee. Von dort geht man Richtung Ampel, durch den Park zwischen den Hochhäusern lang und kommt direkt darauf zu. Hinweisschilder der Berliner Bäder Betriebe zum Bad sucht man auch hier vergeblich.

 

Weitere Schwimmbad Beschreibungen

Aktuelle Beiträge

Ich kam mit einem Gast ins Gespräch, der mir erzählte, dass er das Gelände noch kennt, als dort ein den 1960 er Jahren Äcker und eine sogenannte Kartoffelhalle war. Ein weiterer Gast erzählte ein bißchen von der Zeit der Errichtung der Wohnungen um das Bad herum und von seinen Erfahrungen mit Bädern in Brandenburg. Ohne diese Erzählungen gehen diese Dinge verloren.

 

Arbeitskreis "Freunde historischer Schwimmbäder in Berlin" im Aufbau

 

Die Geschichte und Geschichten um unsere durchaus als historisch zu bezeichnenden, noch in Betrieb befindlichen Bäder sollen recherchiert und aufbereitet werden. Die Schwimmbäder in Berlin haben alle viele Geschichten und Anekdoten zu bieten.  Unsere Bäderlandschaft in Berlin ist einmalig und hat mehr Beachtung verdient als sie derzeit in der öffentlichen Wahrnehmung erhält. Wir suchen eure Geschichten, Fotos, Erzählungen, über und aus Bädern. Aber auch von deren Umgebung heute und früher.

 

Wir, Dirk Franke, der diesen Blog betreibt und ich, freuen uns über eure Mails an info@schwimm-blog-berlin.de oder southpark@wikipedia.de

 

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