Abenteuer Berliner Bäder Betriebe

Was passiert, wenn man einen Lösungsvorschlag der Berliner Bäder Betriebe befolgt?

Eine abenteuerliche Erfahrung eines Nutzers, der los zog, um sich an die neu aufgestellten Regeln zu halten

 

Gastbeitrag

Ich will doch nur schwimmen lernen

 

Wie alles begann

Als ich mit über 40 Jahren beschlossen habe, das Schwimmen richtig zu lernen, hatte ich erwartet, dass es schwierig wird. Allerdings hatte ich dabei eher an die technischen Herausforderungen gedacht, den druckvollen Armzug, den flüssigen Kick, die Wasserlage, sowas. Fällt mir alles auch ganz schön schwer.  Dass die Berliner Bäder Betriebe die härteste aller Herausforderungen werden würden, hätte ich damals nicht für möglich gehalten. Doch im Februar ist genau das passiert - ich war gerade dabei, mich mit dem einarmigen Kraularmzug anzufreunden, als mir von heute auf morgen das Schwimmenlernen verboten wurde. Mein Trainer darf seither nicht mehr unterrichten, wie auch alle anderen Personal Trainer in der Stadt. Schnell mal den Trainer austauschen und auf jemanden von Gnaden der BBB zurückgreifen, ist auch nicht möglich. "Erstmal keine Zeit, dann vielleicht zwei, drei Stunden, besser im Herbst, und danach muss ich den nächsten Kunden drannehmen", erklärte mir ein BBB-Trainer telefonisch. 

 

Ein paar Wochen habe ich mich damit vergnügt, den einarmigen Kraularmzug zu üben und zwischendrin traurig an den Beckenrand zu schauen, an dem normalerweise jetzt mein Trainer stehen würde. 

Abenteuer Bahnmiete

Aber das Leben ist kurz, vor allem, wenn man über 40 ist, und an Wunder glaube ich in meinem Alter auch nicht mehr, vor allem nicht, wenn die BBB involviert sind. Statt also weiter zu warten, dass jemand in der Verwaltung zur Besinnung kommen und eine Lösung für Personal Training präsentieren würde, folgte ich dem offiziellen Lösungsvorschlag der BBB - ich mietete eine Bahn nur für mich. Unter diesen Bedingungen, so hieß es in der Pressemitteilung der BBB, dürfe auch der Trainer wieder ins Bad.

Ich versuchte, mich auf der Website der BBB über das Abenteuer Bahnmiete für Einzelpersonen zu informieren, fand aber kaum Hinweise. Nur einen "Antrag auf Wasserzeiten", der aber offensichtlich eher für Vereine oder Schulen gedacht ist. Also rief ich im Kundenzentrum an. Dort gab man mir die Nummer des Bades, in dem ich die Bahn mieten wollte. Im Bad wurde ich ein wenig hin- und herverbunden, traf auf verwunderte Mitarbeiter ("Wie kommen Sie auf mich?" - "Hat mir das Kundenzentrum gesagt" - "Aha"), konnte aber letztlich einen Termin für die Bahnmmiete vereinbaren. 60 Euro für eine Stunde 50 Meter plus Eintritt, zu zahlen an der Kasse. Ein Euro pro Minute also - wenn noch jemand einen Beweis benötigt, dass mir Schwimmen lernen wirklich wichtig ist, bitteschön, hier ist er. Ich bat noch um eine schriftliche Bestätigung, der Mitarbeiter und ich mailten hin und her, alles recht unbürokratisch und freundlich. 

Am fraglichen Tag zahle ich an der Kasse, gehe ins Bad, melde mich bei den Bademeistern, die wieder sehr nett sind. Der Trainer kommt, wir sprechen zum ersten Mal seit Wochen wieder über das Schwimmen statt über das Trainingsverbot, ich gehe ins Wasser und lege los. Immer wieder muss der Trainer andere Schwimmer von der Bahn bitten, es stehen zwar Schilder am Rand, aber die Mitschwimmer können es nicht fassen, dass die Bahn für eine Person reserviert ist. Was ich gut verstehe, die Situation ist ziemlich surreal. Ich schwimme, versuche auch, meine Übungen zu machen, kann mich aber schlecht konzentrieren. Die Stimmung ist gereizt bis feindselig. Als ich am Beckenrand pausiere, kommt ein Schwimmer auf mich zu, er bebt fast vor Wut. Er werde sich beschweren, seit Jahren kenne er den Trainer und man schwimme hier friedlich mit seinen Schülern nebeneinander in der Bahn, und nun werde für das Training eine ganze Bahn reserviert. Ich sage, dass das die neue Vorschrift sei und ich sie auch nicht gut fände, aber da ist er schon fort. Läuft zu den Bademeistern und diskutiert mit ihnen. So geht es noch einige Male - Beschwerden bei mir, Beschwerden beim Trainer, Beschwerden bei den Bademeistern.

Auch wenn man einen Euro pro Minute bezahlt - oder vielleicht gerade dann - sind 60 Minuten schnell vorbei. Der Trainer eilt aus dem Bad, er darf ja nicht mehr hier sein. Ich spreche noch ein bisschen mit den Bademeistern und verabrede gleich für die nächste Woche wieder einen Termin. *

Als ich allerdings in der nächsten Woche meine 60 Euro an der Kasse loswerden möchte, weiß die Kassiererin von nichts. Sie sei auch gar nicht mehr befugt, Bahnmieten selbst zu kassieren, sagt sie. Ich zeige die Mail, mit der mir die Miete für diesen Tag zu dieser Uhrzeit bestätigt wurde. Sage, dass mein Trainer gleich kommt und auch schon bezahlt ist. Die Kassiererin telefoniert im Bad herum, hinter mir bildet sich eine Schlange, eine andere Kundin fragt mich entgeistert, warum ich denn eine eigene Bahn benötige, bislang sei doch das Einzeltraining immer völlig problemlos im normalen Betrieb gelaufen. "Der Trainer steht doch nur am Rand und macht so", sagt sie, und hebt dabei den Arm zum Kraularmzug. Ja, sage ich, aber das ist eben nicht mehr erlaubt. 

Zwischenzeitlich hat sich die Kassiererin mit anderen Mitarbeitern aus dem Bad verständigt. Ausnahmsweise, weil ich die schriftliche Bestätigung hätte, dürfe ich heute nochmal die Bahn mieten. Aber künftig gehe das nicht mehr so. Neue Vorschriften. Welche?, frage ich. Die kenne sie auch noch nicht, sagt die Kassiererin. 

Fazit

Es ist traurig und teuer und surreal und für alle anderen eine Zumutung, für sich als einzelne Person eine Bahn mieten zu müssen. Ich würde es weiter tun, denn ich will wirklich Schwimmen lernen. Aber wenn ich die Zeichen richtig deute, werden mir die BBB auch diese letzte Möglichkeit, mein Schwimmtraining fortzusetzen, demnächst verbieten. Nachdem sie es erst Anfang März als Lösungsmöglichkeit präsentiert haben. Als jemand, der einfach nur Schwimmen lernen möchte, bin ich bei den BBB offensichtlich nicht erwünscht. 


*Ich wusste von diesem Termin im Vorfeld

 

Ich habe am Freitag bei den Berliner Bäder Betrieben versucht, heraus zu finden, ob in einem von mir genannten Bad eine Bahnen Vermietung stattfindet. Dazu habe ich zuerst in dem Bad angerufen. Dort wurde mir gesagt, ich muss mich an die Verwaltung wenden. In der Verwaltung habe ich niemanden mehr erreicht. Also habe ich dann die Kunden Hotline angerufen, die mich an die Kunden Betreuung verwiesen hat.

Eigentlich wollte ich bereits aufgeben, als mir einfiel, dass es für Premiumkunden eine extra Telefonnummer gibt. Die freundliche Dame am Telefon sagte mir, dass sie in der Kundenbetreuung nichts mit Bahnen Vermietungen zu tun haben. Sie bot mir an, dass sie sich informiert und mich zurück ruft. Das tat sie auch sehr schnell. Schon 2 Stunden später rief sie an und sagte "Sport frei", im betreffenden Bad sei keine Bahn vermietet. Das war wie beschrieben eine falsche Info. Hätte die Dame sich nicht so aktiv gekümmert, hätte ich nicht mal diese falsche Info, sondern gar keine bekommen. 

 

Zusammen gefasst: keiner weiß wer das weiß und es weiß auch keiner.

Arbeitsabläufe, Ansprechpartner, alles Fehlanzeige. Sowohl wenn ein Kunde sich über Belegungen informieren will, als auch wenn ein Kunde eine Bahn mieten will.

 

Die Texte in den Bildern stammen aus der Pressemitteilung der Berliner Bäder Betriebe vom 08.03.2017

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Ich musste diesen Kommentar entfernen, weil ein Echtname genannt war. Der Name und Kontaktdaten waren leicht im Internet zu finden. Beim nächsten Mal bitte ohne Klarnamen. Danke.

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Kommentare: 1
  • #1

    Anne (Donnerstag, 30 März 2017 11:44)

    Das kann doch nicht sein! Zu diesem Fall sollte sich der Chef von den BBB äussern!!