Sitzung Sportausschuss Tempelhof Schöneberg

Engagiert, motiviert, informiert, hartnäckig

 

So muss man diese Sitzung beschreiben.

Unter dem Vorsitz von Jessica Mroß, Grüne, weht ein frischer Wind auch im Bezug auf unsere Bäder im Bezirk. Partei übergreifend waren alle Verordneten voll bei der Sache, stellten die richtigen Fragen, ließen nicht locker. 

Auf der Tagesordnung stand der Antrag der CDU

"Mehr Badezeiten (für die Öffentlichkeit" im Stadtbad Tempelhof)

Anwesend waren Mitglieder des Sportausschusses. AlleParteien hatten Fragen, waren gut vorbereitet. 

Außerdem waren anwesend, Herr Jungkuhn, Bädermanager der Berliner Bäder Betriebe u.a. für das Stadtbad Tempelhof und der Regionale Beirat, Herr Ostermann senior. Der 76 jährige Ostermann (er selbst hat sein Alter erwähnt) ist seit vielen Jahren unter anderem für Belegungen mit verantwortlich.

 

Ich hatte vor einiger Zeit über Twitter Kontakt zu seinem Sohn ohne das sofort zu realisieren. Dieser bot einem meiner Follower Privates Training an. Ich war nur deshalb involviert in diesen Dialog, weil ich von diesem Follower angesprochen wurde. Weil ich bass erstaunt war, dass Personal Training doch möglich sein soll, habe ich Herrn Ostermann junior gefragt, wie das gehen soll.

Herr Ostermann junior kann dieses Personal Training überall anbieten. Er ist hoch qualifiziert.

Das ist eine interessante Information für all diejenigen, die derzeit auf dem Trocknen sitzen. 

Es gibt für alle anderen nur die Möglichkeit, dafür Bahnen zu mieten.

Infos, wie das dann läuft hier lesen.

 

Zurück zum Thema.

Die Antrag stellende CDU fragte unter anderem, ob es am Personalmangel läge, dass im Stadtbad Tempelhof so wenig öffentliche Schwimmzeiten stattfinden.

Es wurde am Anfang von Herrn Fey betont, dass man das Schul- und Vereinsschwimmen unterstütze und dies Vorrang hätte. Die SPD würde dem Antrag der CDU im Bezug auf Ausweitung der Badzeiten für die Öffentlichkeit zustimmen, wenn dies in den Antrag aufgenommen würde.

(Anmerkung: Ich persönlich stelle genau diese Auslastung in Frage. Ich behaupte, weder ist das Bad durch Schulen so belegt, wie es dargestellt wird, noch ist das Bad durchgehend von Vereinen so belegt, dass eine komplette Schließung für die Öffentlichkeit nötig wäre)

 

Herr Jungkuhn führte aus, dass die Belegung mit Schulen und Vereinen ausgelastet ist. Unsere Verordneten des Bezirks, gut informiert, hakten nach. Ganz konkret wurden die Montage bis 12 Uhr, die Sonntage und der Samstag Abend als Zeiten für die Öffentlichkeit nachgefragt.

Herr Jungkuhn berichtete, dass Montags vormittags eine Grundreinigung stattfindet und die thermische Desinfektion (Legionellen Prophylaxe). An Sonntagen fänden Veranstaltungen statt. Samstags Abends sei keine attraktive Zeit für Badegäste.

Herr  Fey, SPD, Ausschussvorsitzender in der vorherigen Legislatur, sagte, er fände die Zeiten abends schon gut für Berufstätige.

 

Frau Bialluch Liu, Grüne, machte darauf aufmerksam, dass es älteren Menschen nicht zuzumuten sei, ins weit entfernte Stadtbad Schöneberg zu fahren, zumal das auch 2 Euro Aufschlag kostet.

Herr Ostermann senior nickte zu allem, was Herr Jungkuhn ausführte laut.

Ich durfte auch Fragen stellen.

Nachdem Herr Jungkuhn "Veranstaltungen" an Sonntagen erwähnte, fragte ich ihn, wann die letzte war. Und ob diese Veranstaltungen Wettkämpfe sind oder Vermietungen wie im Stadtbad Tiergarten an Botschaften oder ähnliche.

Er konnte nicht sagen, wann die letzte Veranstaltung gewesen sei, es seien keine Vermietungen, sondern Vereins Veranstaltungen.

Ein Verordneter, leider habe ich den Namen nicht verstanden, wurde sehr deutlich. Er sagte, dass diese Eierei um die Belegungen ja doch danach klänge, dass es eben sehr wohl am Personalmangel lägen. Ein CDU Verordneter, dessen Namen ich leider auch nicht verstand, sagte in etwa das gleiche. Der Stadtrat, Herr Schworck, SPD, sagte, dass er nachvollziehen könne, dass, falls Herr Jungkuhn sich fühlt wie in einem Gericht, dies aber keinesfalls so gemeint sei. Herr Schworck lenkte dann die hoch interessante Frage und Antwort Runde auf Neubauten. In etwa sagte er, dass man statt ein Bad mit 10 Bahnen (wo? Das Stadtbad jedenfalls hat die nicht) eben ein größeres bräuchte und man mal über Neubauten reden könne.

Zur Info

Zu den zwei Multifunktionsbädern hat Philipp Bertram, Die Linke, gerade Antworten auf seine Kleinen Anfragen im Abgeordnetenhaus erhalten. Diese sind hier zu lesen. In den Medien war kürzlich deutlich zu lesen, dass in Sachen Neubau Stillstand herrscht.

 

Alle Verordneten betonten in der Folge, dass nicht die Absicht bestünde, Herrn Jungkuhn anzugreifen oder ähnliches. Mein Eindruck war, dass keiner der Verordneten irgendwas gesagt hatte, was angreifend war. Im Gegenteil. Alle waren super verständnisvoll, was ich persönlich nicht nur gut finde.

Klar, Herr Jungkuhn ist ein engangierter Bädermanager, der bereits den dauerhaften Personalmangel in der Schwimmhalle Holzmarktstrasse selbst aufgegefangen hat. Heißt, er selbst hat dort Dienst gemacht. Auch klar, dass Herr Jungkuhn nichts dafür kann, wie  der Personalmangel kommuniziert wird.

Dennoch, ich finde, er war als Vertreter der Berliner Bäder Betriebe da, deshalb muss er sich diese Fragen anhören und vor allem antworten. Das hat er getan, aber, das sage ich bei aller Sympathie für ihn und sein persönliches Engagement, die Antworten waren ausweichend, wenig zielführend.

Ich hatte ihn unter anderem, ganz direkt gefragt, warum es nicht, wie bis 2015 zum Beispiel, möglich ist, bei Kursbetrieb (u.a. Mittwochs Vormittags) ein bis zwei Bahnen für die Öffentlichkeit bereit zu stellen. Ich fragte ihn ganz konkret, welche Schule zu diesen Zeiten im Bad sind (ich sage: keine!).

Herr Jungkuhn nannte weder die Schule noch einen Grund, warum das nicht möglich sein soll.

 

Herr Ostermann senior hatte dann das Wort und beklagte sich über die späte Einladung zum Ausschuss (gestern Abend). Er schien sich zu ärgern und sagte in etwa, dass man ihn doch nicht übergehen solle. Er hätte schon in der vorherigen Legislatur Belegungspläne zugeschickt.

(Na und? Es gibt jedes Jahr neue Belegungspläne. Die alten sind irrelevant. Außerdem sagt die Belegung "Verein X" oder "Schule Y" nichts über die tatsächliche Anzahl der Nutzer je Stunde. Ein Verein, der 5 Leute im Bad hat, lastet das Bad nun mal nicht aus)

 

Die Vorsitzende, Frau Mroß, Grüne, bot an, dass man sich zusammensetze mit den Sprechern Sport. 

Ich finde:

Er hat viele Jahre gute Arbeit für Vereine geleistet.  Ich meine, Herr Ostermann senior, der in diesem Zusammenhang sein Alter erwähnte, darf gern  den Posten des Regionalen Beirats an eine jüngere, nicht Vereins orientierte, neutrale Person angeben. Ich finde, ein Herr seines Alters hat einen Ruhestand verdient. Die zuständigen Stellen sollten ihm ermöglichen, dass er diesen Ruhestand endlich bekommt.

Auf eine Frage der Verordneten führte Herr Jungkuhn an, dass im Bäderkonzept 2025 das Stadtbad Tempelhof als Vereinsbad ausgewiesen sei. Zu dieser Aussage sagte ich ihm, dass das Bäderkonzept evaluiert wird und es kein, als Öffentlichkeitsbad ohne Schulen und Vereine, im Bäderkonzept genanntes Bad ohne diesen Parallelbetrieb ist. Herr Ostermann rief dazwischen "doch". Herr Jungkuhn nannte das Stadtbad Schöneberg.

Zu dieser Aussage nickte Herr Ostermann senior heftig mit dem Kopf. Ich sagte, im Stadtbad Schöneberg ist unter anderem die Tauchschule Atlantis.

Die Herren sind leider falsch informiert.

Das sind nur einige Beispiele, Schwimmhalle Ernst Thälmann Park, Stadtbad Wilmersdorf I, Alte Halle Stadtbad Charlottenburg und Wellenbad Spreewaldplatz. Das Stadtbad Neukölln Kleine Halle ist in dieser Saison immer wieder ausschließlich mit Termin Meerjungfrau Kurs nutzbar gewesen. Es gehört zu den Bädern mit extrem vielen Schließungen.


Auf die Evaluierung des Bäderkonzeptes 2025 von einem Verordneten angesprochen, wann denn der Aufsichtrat sich konstituiere, sagte Herr Jungkuhn, dass dies aufgrund eines Unfalls des Vorstandsvorsitzenden, Herrn Scholz-Fleischmann, verschoben wurde. Ich fragte ihn, ob der im April bereits verschobene Termin erneut verschoben wurde oder ob diese Sitzung am 18. Mai stattfindet. Das konnte er nicht genau sagen, er sagte nur, dass es ja eine weitere Vorständin gäbe und ob Herrn Scholz-Fleischmanns Anwesenheit zwingend notwendig ist, denke er nicht.

Seitens der Vertreter der Berliner Bäder Betriebe wurde zum Schluss angeregt, da man mit den Informationen nun wisse, dass eine Ausweitung so nicht möglich sei, es dabei zu belassen. Die Mitglieder des Sportausschusses, hier der Stadtrat, machten deutlich, dass über den Antrag die BVV abzustimmen hätte und hier (heute) keine Entscheidung dieser Art getroffen werden wird.

 

Der Antrag der CDU wurde danach einstimmig angenommen und geht so in die BVV Versammlung.

Mein ganz persönliches Fazit

 

Die Mitglieder im Sportausschuss des Bezirks stellen genau so klare, detaillierte Fragen wie die Mitglieder im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses. Sie erhalten die gleichen schwammigen Antworten. 

Leider ist es schwierig, die Stimmung in der Sitzung zu beschreiben. Deshalb auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen: ich wünsche mir, dass aus dem frischen Wind in unserem Bezirk kein laues Lüftchen wird, sondern dass weiter nachgehakt wird so lange, bis die Antworten fassbar sind.

 

Die wundervolle Bäder Landschaft in Berlin  am Limit

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    S. (Mittwoch, 10 Mai 2017 00:06)

    Danke für diesen interessanten Bericht und die aufschlussreichen Hintergrundinformationen. Ich schließe mich Deiner Hoffnung an, dass der frische Wind weiter weht! Die BBB können ihn dringend brauchen.

  • #2

    Ella (Donnerstag, 11 Mai 2017 11:31)

    Warum muss eigentlich das Schwimmbad Gartenstrasse für vier Monate geschlossen sein? Ich habe gehört, wegen Renovierung der Duschen. Die Duschen dort sind aber noch total ok. Da sind andere Schwimmhallen viel eher renovierungsbedürftig. Und dann vier Monate um die Duschen zu renovieren???

  • #3

    schwimm-blog-berlin (Donnerstag, 11 Mai 2017 13:40)

    Vielen Dank für eure Kommentare.
    Hallo Ella,
    im Stadtbad Mitte wird eine Sanierung durchgeführt. Das ist wesentlich mehr als das, was wir in den Duschen sehen. Da geht es auch um Rohre, die ausgetauscht werden müssen und vieles mehr.
    Leider ist es so, dass Gewerke voneinander abhängen und diese Arbeiten oft nicht so ablaufen, wie wir uns das wünschen als Schwimmer.
    Das Bad sollte am 15.05. schließen, war aber bereits 14 Tage vorher zu. Kein Personal vermute ich.

    Viele Grüße