Langjährige Stammkundin kündigt Premiumkarte

Ein Abschied

Es passiert immer häufiger, dass mich Nutzer in CC setzen oder mir ihre Korrespondenz mit den Berliner Bäder Betrieben und anderen Verantwortlichen zur Verfügung stellen.

Eine traurige Konsequenz ist die Kündigung der Premiumkarte.

Eine Stammkundin begründet ihre Kündigung und stellt mir den Text zur Verfügung.

Im Zuge der Kündigung kam es zu einem Irrläufer einer E Mail, die nicht Teil der Kündigung war. Ich hatte überlegt, diesen hier auch einzustellen. Dazu hätte ich der Vollständigkeit halber allerdings auch die Reaktion anfügen müssen. 

Exakt am Tag der Kündigung wollte ich ein bestimmte Kundenbetreuerin sprechen. Mir wurde gesagt, dass sie erst am Folgetag im Haus sei. *

Bei der Anonymisierung der E Mail Korrespondenz fiel mir dann auf, dass von der Person, die "heute nicht im Haus ist" diese, unsouveräne, Reaktion auf den Irrläufer nur wenige Minuten nach meinem Anruf kam. Enttäuschend.

Gastbeitrag

Warum ich meine Premiumkarte gekündigt habe

 

Im Mai 2017 ist mein Geduldsfaden gerissen und ich habe meine Mitgliedschaft als Premiumkundin bei den Berliner Bäderbetrieben beendet. Da ich als Ausgleich für meine Bürotätigkeit, zum Wohlbefinden und zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge täglich schwimme, hat es mich wie viele andere Schwimmer seit 2016 zunehmend fassungsloser gemacht, wie die Berliner Bäderbetriebe Wasserflächen für die Öffentlichkeit massiv eingeschränkt haben.

 

Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich schätzte die Vielfalt und gute Erreichbarkeit der Bäder auf dem Weg zur Arbeit und am Wochenende sehr. Die gute Erreichbarkeit hat sich wie die Zuverlässigkeit jedoch massiv eingeschränkt und die Vielfalt somit auch.

 

Als sich im Sommer 2016 abzeichnete, dass die zentrale 50-Meter-Schwimmhalle Tiergarten im Gegensatz zu den Vorjahren nur noch tageweise und noch dazu je nach Wetterlage zur Unterstützung des Sommerbads Humboldthain geöffnet sein würde, machte ich mich auf die Suche nach einer anderen Halle, die ich gut und zuverlässig auf dem Weg zur Arbeit erreichen könnte. Besuche im Freibad will ich auf ein absolutes Minimum beschränken, da in meiner Familie mehrere Fälle von Hautkrebs aufgetreten sind. Die Sonnenstrahlung ist auch morgens um 7.00 erheblich, und somit war ich bereit, vor der Arbeit von Neukölln bis nach Marzahn zu fahren, um eine geöffnete 50-Meter-Bahn nutzen zu können und anschließend in Mitte arbeiten zu gehen.

 

Doch schon am 29.07.2016 stand ich morgens um 6.00 an der Schwimmhalle Helene Weigel Platz mit zahlreichen anderen Schwimmern vor verschlossenen Türen, wegen Legionellen, wie sich später herausstellte. Ich erinnere mich gut, wie ich an diesem Tag mit einer riesigen Wut im Bauch zur Arbeit fuhr, denn eine andere Schwimmhalle hatte schlicht nicht geöffnet. Die Wiedereröffnung der Halle in Marzahn wurde übrigens zwei wochenweise verschoben, bis es schließlich Ende September war.

In den folgenden Wochen wiederholte sich dieses frustrierende Erlebnis wieder und wieder mit den verbliebenen kleinen Hallen. Die 25-Meter-Halle Fischerinsel schloss aus personellen Gründen zur Unterstützung der Freibäder, die nächste Schwimmhalle war im Prenzlauer Berg gelegen, völlig überfüllt und zum sportlichen Schwimmen überhaupt nicht geeignet und auch tageweise spontan geschlossen.

 

Nachdem ich glaubte, die für die vielen regelmäßigen Schwimmer äußerst belastende Sommer- und Ferienzeit im September überstanden zu haben, wurden die Öffnungszeiten für das Frühschwimmen in allen Bädern von 6.00 auf 6.30 verkürzt. Die standhafte Behauptung des Bäderchefs, es handle sich dabei nicht um eine Verkürzung, sondern eine Verschiebung der Frühschwimmzeiten, ändert nichts an der Tatsache, dass den zuverlässig 20-30 Frühschwimmern, die von 6.00 bis 6.30 pro Bad angekommen sind, nun eine halbe Stunde Ausdauertraining bis 8.00 fehlt, also statt 2 Stunden nur 1,5 Stunden oder weniger, denn die ersten Schulklassen kommen mancherorts sogar schon um 7.45.

 

Ein weiteres Ärgernis: Die Zahl der Frühschwimmer wird von Bäderchefs immer wieder auf eine Zahl von unter 10 Personen in allen Bädern herunter geredet. Fakt ist, dass von 6.00 bis 6.30 alleine pro Bad 20-30 Personen gekommen sind, von 6.30 bis 7.00 weitere 20-30 und von 7.00 bis 8.00 nochmals 20-30 Personen. In den Abendstunden wurden in den meisten Bädern ebenfalls die Öffnungszeiten verkürzt. Manche Schwimmer können so vor oder nach der Arbeit nicht mehr oder nur noch wesentlich kürzer schwimmen gehen. Noch dazu kommen stark verkürzte Öffnungszeiten an Wochenenden, die es Arbeitnehmern unmöglich machen, vor oder nach der Arbeit schwimmen zu gehen. Auch Eltern, die sich vor dem Familienfrühstück sportlich betätigen wollen, ist dies nicht mehr möglich. Schwimmhallen wie die Neue Halle in Charlottenburg, die ab 6.00 geöffnet waren, öffnen nun erst ab 10.00. Laut Bäderchef zu einer Zeit, zu der die meisten Menschen schwimmen gehen möchten. Die rund 80 Personen pro Bad und pro Tag, denen 10.00 viel zu spät ist, verlieren die Berliner Bäderbetriebe, denn sie haben keine Zeit, um 10.00 schwimmen zu gehen. Aber es handelt sich bei diesen Frühschwimmern oft um Premiumkarten Inhaber – die den Bäderbetrieben offenbar nichts wert sind. Seit dem 1. Mai 2017 sind am Wochenende übrigens kaum noch Hallenbäder geöffnet, und wenn, dann liegen sie in unmittelbarer Nähe voneinander.

 

Doch es kam noch schlimmer und chaotischer, als die Berliner Schwimmer je vermutet hätten. Die bereits stark reduzierten Öffnungszeiten wurden durch massive Zusatzschließungen dem mangelnden Personal angepasst. Für Schwimmer in Berlin bedeutete dies, noch längere Wege zurückzulegen, noch häufiger vor verschlossenen Türen zu stehen und von Schließungen oder Wiedereröffnungen oft weder über den E-Mail-Newsletter noch über die Webseite aktuelle Informationen erhalten zu können.

 

Die Beschränkung des Bäderewsletters auf maximal fünf Bädern im April 2017 bedeutete dann die vollständige Entmündigung der Kunden, die gezwungen sind, sich über bis zu zehn Bäder zu informieren, weil sie permanent auf andere Bäder ausweichen müssen. Herr Scholz-Fleischmanns Aussage im Sportausschuss, der Eindruck vermehrter Schließungen entstehe erst durch vermehrte Abonnements von Bädernewslettern ist hier ebenso ein Schlag ins Gesicht von Stammkunden wie die stetige Verkürzung der Schwimmzeiten.

 

Hinzu kommen vermehrte Parallelnutzungen durch Schulen und Vereine. Vereine können Wasserflächen mieten und müssen sie dann nicht nutzen, und trotzdem dürfen reguläre Gäste eine solche freie Bahn nicht benutzen, das habe ich mehrmals erlebt. Gleichzeitig steht auch den Vereinen immer weniger Wasserfläche zur Verfügung. Immer weniger Wasserflächen für die Öffentlichkeit, Vereine und Schulen führen gleichzeitig zu immer volleren Bädern und zu immer gefährlicheren Situationen. Zeugin und Opfer von richtigen und Beinahe-Kollisionen werde ich täglich. Die Schließung der Hallen seit dem 01.05.2017 führt zu massiven Überfüllungen der wenigen Hallen und der Freibäder und somit zu vielen gefährlichen Situationen, mit denen die Bäderbetriebe sich nicht auseinandersetzen wollen und ihre Bademeister nicht unterstützen, wenn ermahnte Schwimmer sich beim Kundenservice beschweren. Die Öffnung von ausreichend vielen, örtlich gerecht verteilten Schwimmhallen sind dringend erforderlich. Ebenso die Einführung und Durchsetzung von Bahnen für unterschiedliche Schwimmergruppen.

 

Die Personalpolitik, die seit 2013 von Frau Siering (Vorständin Personal und Finanzen) verantwortet wird, hat zu einem Nahezukollaps des Bäderbetriebs geführt. Mit einer Besserung ist trotz der – wohlgemerkt erst im April 2017 durchgeführten - Bewerbertage nicht zu rechnen. Selbst mit der Schließung vieler Hallen zugunsten von Strandbädern und Freibädern bei frostigen Temperaturen ist es Frau Siering nicht gelungen, die wenigen noch geöffneten Hallen zuverlässig zu betreiben. Frühzeitig aufgestellte Öffnungspläne für Freibäder wurden kurzfristig wieder verworfen. Auch dadurch ist mein Vertrauen in die Verwaltung der Berliner Bäderbetriebe nachhaltig beschädigt.

 

Aus diesem Grund habe ich schweren Herzens meine Premiumkarte gekündigt und eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio mit Schwimmbad abgeschlossen. Ich werde als regelmäßige Kundin erst zurückkehren, wenn das Abgeordnetenhaus Berlin geeignete personelle Konsequenzen gezogen haben wird, die Verwaltung des landeseigenen Betriebs ihren Aufgaben gewachsen ist und die Berliner Steuerzahler wieder wohnortnah und zuverlässig von 6.00 bis 23.00 schwimmen gehen können.

Übrigens hat sich die Kundenbetreuung nicht etwa bemüht, eine Premiumkundin der ersten Stunde zurückzugewinnen. Man bedauert nicht etwa die eigenen Versäumnisse – nein, man bedauert meine Entscheidung. Ich nicht.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0