Das Schulschwimmen neu organisieren

Nichtschwimmerquote in Deutschland und die Bäderschließungen ein Thema gestern in der Aktuellen Stunde im Bundestag

59% der 10 jährigen sind keine sicheren Schwimmer.

Eine alarmierende Zahl.

Schuld sind fehlende Bäder, fehlender Schwimmunterricht und oft auch schlecht qualifizierte Sportlehrer. Diese Aussagen stammen nicht von mir, sondern vom Präsidenten der Schwimmtrainer Vereinigung.

Sind das alle Ursachen?

Jeder beteuert, wie wichtig Schwimmunterricht ist. Aber wie sieht es in der Praxis aus?

In Berlin jedenfalls hat laut Senat und Berliner Bäder Betriebe das Schulschwimmen erste Priorität. Richtig so.

Es gibt für Schulen viele reservierte Zeiten, ganze Bäder sind gesamte Vormittage ausschließlich für Schulen blockiert.

 

Wie sieht es denn mit der tatsächlichen Nutzung aus? Werden reservierte Wasserflächen effektiv, das heißt jedes Mal und  zum schwimmen genutzt? Wie lange sind Kinder durchschnittlich im Wasser? Wie viel Zeit verbringen Lehrer mit den Kindern am Beckenrand ohne dabei z.B. wenigstens Trockenübungen zu machen? Wie viel Zeit verbringt einE LehrerIn durchschnittlich damit, den Kindern und Jugendlichen Grundregeln zu Hygiene, Benehmen in Gemeinschaftseinrichtungen etc zu erklären?

Alles ketzerisch? Na, dann empfehle ich den Besuch eines Berliner Schwimmbads während des Parallelbetrieb mit Schulen. LehrerInnen, die Kinder weder unter die Dusche schicken noch im normalen Ton mit ihnen reden. Erwachsene Menschen, die kreischen, wenn sie selbst nass werden während sie die Kinder durch die Duschen jagen.

Klar, es gibt viele tolle, super organisierte, ruhige LehrerInnen, aber die anderen gibt es auch.

Ein kleiner Einblick, wie es dann läuft hier

Es gibt Kommunen, die nehmen von Vereinen und Schulen Gebühren für Bahnen Reservierungen. Diese werden (aus anderen Töpfen) erstattet, wenn diese effektiv* genutzt werden.

So dämmt man blockierte,aber nicht genutzte Wasserfläche ein.

Es wäre interessant mal zu vergleichen, wie die Nichtschwimmerquote in Kommunen aussieht, in der Gebühren verlangt werden und wie in Kommunen ohne Gebühren.

Die Fragen sind:

Mit wie vielen Wochenstunden ist Schulschwimmen auf dem Plan in Kommunen?

Wie oft fällt es aus?

Ursachen für Ausfall? Lehrer, Organisation, Badschließung.

Wie viel Wasserfläche steht jeweils pro Einwohner zur Verfügung?

Wie viele wie qualifizierte Sportlehrer können  Schwimmunterricht durch?führen?

Wie viele Kinder unterrichtet ein Lehrer?

 

So lange die Berliner Bäder Betriebe  u.a. für 45 Minuten Kurse Bäder öffnen und Betriebsaufsichten in Bäder müssen, um Wasserwerte, Technik, Sicherheit-  und Hygienemaßnahmen durchzuführen, halte ich die Aussage "zu wenig Wasserfläche" für unbewiesen. 37 Hallenbäder, von denen 2 durchgehend von 6-22.30 Uhr öffnen, allerdings komplett ohne Öffentlichkeit. Der Rest hat immer kürzere Wasserzeiten für alle, besonders zahlende Nutzer ohne Lobby, schlicht Personalnot Notbetrieb.

Die derzeitige Vergabepraxis ist ineffektiv. Keine Aussagen über Nutzerzahlen je Stunde, je Bad. Keine Zahlen, wie oft Schulen (und andere) blockierte Wasserfläche ungenutzt leer stehen lassen. Keine Zahlen, wie viele Stunde Wasserfläche z.B. 2016 leer stand (Vergleich: noch 2015  gab es Bäder die von 6-23 h geöffnet waren).

Die derzeitige Dramatik im Bezug der Konkurrenz der Nutzergruppen, die immer wieder angeführt wird, hat meiner Meinung nach zwei Ursachen. Kein Personal um Wasserfläche zu nutzen. Die Macht der Lobbygruppen.

Es gibt keine Konkurrenz wenn bei vernünftiger Auslastung und Vergabe die Wasserflächen genutzt werden könnten.

 

Schulschwimmen muss zuverlässig von den Schulen organisiert und effektiv durchgeführt werden. Es gibt mit Sicherheit Schulen, die es schwerer haben, Wasserzeiten zu bekommen. Dann sollte man mal ein interaktives Medium einführen, in dem sich Schulen mit anwesenden Personenzahlen eintragen, wenn sie im Bad sind oder auch nicht. Von einer Schule nicht genutzte Wasserfläche kann dann von Schulen, deren geplantes Bad geschlossen ist, belegt werden.

Ich höre es, die Wege. War früher auch so. Da gab es noch nicht genug Bäder. Und trotzdem lernten Kinder schwimmen.

Provokation

Ich behaupte, wenn auch für Schulschwimmen Gebühren fällig sind, wird dies nicht mehr als Nebensache der jeweils dort Verantwortlichen betrachtet, sondern dafür gesorgt, dass die Schule diese Gebühren erstattet bekommt und bei Lehrerausfall für Ersatz gesorgt.

Neu Organisation des Schwimmunterrichts

Ich meine, würde man feste, qualifizierte Trainer in den Schwimmbädern installieren, wäre weder Lehrermangel noch mangelnde Ausbildung ein Problem. Die Auslastung wäre schnell zu erfassen, fehlen Kinder, müssen die Ordnungsbehörden dafür sorgen, dass sich das ändert. Schulen würden angeschrieben, Eltern, die ihre Kinder nicht in den Schwimmunterricht schicken wollen, bekämen entsprechend Ordnungsstrafen.

Man sollte auch über Geschlechter getrennten Unterricht nachdenken. Daran ist nichts verwerfliches. Sport wurde früher so unterrichtet. Mir hat das mehr genutzt als geschadet.

 

 

* Um Bahnen effektiv zu nutzen, braucht es exakte Zahlen zur Auslastung von Bahnen. Wann ist eine Bahn optimal genutzt? Das kann man errechnen, differenziert nach Nutzergruppen.Allerdings kann das der "Größte Bäder Betrieb Europas" nicht.