Preis - Leistungsverhältnis in Schieflage

Gastbeitrag

Sehr geehrter Herr Geisel,

 

gerne möchte ich Sie über die wirklich missliche Situation für Berliner Schwimmer informieren.

 

Ich selbst bin ...Jahre alt, seit vielen Jahren aktive Freizeitschwimmerin mit recht sportlichen Tendenzen, stamme ursprünglich aus Berlin und habe zwischenzeitlich in Konstanz und Aachen gelebt. In beiden Städten war die Betreibung meines Sportes weder durch hohe Eintrittsgelder noch durch eingeschränkte Öffnungszeiten zu irgendeinem Zeitpunkt im Jahr problematisch.

 

Leier stellt sich das in Berlin ganz anders dar.

Als ich im vergangenen Herbst zurück kam, sah ich das Ganze noch relativ gelassen: Da ich im Süden wohne, konnte ich morgens Vereinsbäder (z.B. das Götzbad in Tempelhof) nutzen oder abends so gute Bäder wie das in der Finckensteinallee. Nun bin ich doch überrascht, was sich im Sommer abspielt. Zwar öffnen diverse Sommerbäder - wenn auch mit teilweise sehr ungenauen Öffnungszeiten ("Bei sehr gutem Wetter öffnen wir ab 09:00 Uhr" - wer definiert hier was?), allerdings weiß jeder, der gerne sportlich schwimmt, dass dies gerade bei sehr gutem Wetter in einem Freibad ganz und gar nicht möglich ist. Es "gehört" dann quasi den Kindern und Jugendlichen und das soll wohl auch so sein. Da die Freibäder im Gegensatz zu den Vereinsbädern frühestens um 07:00 Uhr öffnen, ist mir ein Frühschwimmen aufgrund meiner Arbeitszeiten Arbeitsplatz Nennung quasi unmöglich.

 

Kein Problem, dachte ich - es gibt ja noch die Hallenbäder. Aber was soll man sagen: Geschlossen. Nicht nur für eine kurze Revision (aus Konstanz und Aachen kenne ich Zeiträume von zwei Wochen), sondern die ganzen Sommerferien. Auch hier wollte ich tolerant sein, kaufte mir eine Premiumkarte, von der man sowieso nur profitiert, wenn man die teuren Bäder (7,50 Euro Eintritt) nutzt und nahm mir vor, abends in eines der "Sternebäder" zu gehen. Die geöffneten Hallenbäder in Marzahn und Prenzlauer Berg sind doch etwas weit abgelegen und auch zum Tiergarten komme ich - während der Öffnungszeiten - nicht immer. Nun - wie soll ich es ausdrücken - ein "Sternebad" ist... ich möchte höflich bleiben: nicht nutzbar bei normalen Hygenieansprüche und einigermaßen sportlichen Ideen.

 

Lassen Sie mich nur kurze Beispiele und Eindrücke aus dem Badname darlegen: Haarbüschel in den Duschen, so dass das Wasser nicht mehr abläuft, Kot, Erbrochenes und Glassplitter auf dem Boden. Soviel zum Passieren bis zum Schwimmbecken. Dort zwar eine abgetrennte Bahn zum Schwimmen, daran war leider aber nicht zu denken, da diese trotz ausreichender Beschilderung komplett besetzt war mit spielenden Kindern, planschenden Erwachsenen usw. Die Schwimmmeister taten wirklich ihr Bestes, waren bemüht, verständnisvoll und sind nur zu bewundern, aber dem war aufgrund der Menge an Besucher nicht beizukommen. Das Bad war auch schlicht überfüllt - keiner hätte hier einen Überblick behalten können, ich bezweifele auch, dass die Sicherheit der Badegäste gegeben war. In Erinnerung rufen möchte ich den Eintrittspreis: 7,50 Euro!!!

 

Nun bleibt dieses Wochenende das Stadtbad Tiergarten geschlossen, Lankwitz wird bis auf weiteres geschlossen bleiben - entgegen der ursprünglichen Ankündigung, es werde Anfang August wieder geöffnet. Wo setze ich meine Premiumkarte ein? Geöffent sind "Sternebäder", was ich mir aufgrund des Vorbeschriebenen wirklich erspare, Freibäder, was zum Schwimmen bei gutem Wetter nicht realistisch ist und zwei (!) Hallenbäder in Marzahn und Prenzlauer Berg. Hier stimmt das Preis- Leistungsverhältnis wirklich nicht.

 

Es ist hochgradig ärgerlich. Sie als Senator für Inneres und SPORT (nicht Freizeit!) sollten doch eigentlich auch ein Interesse daran haben, dass die Berliner Sport betreiben können - gerade so einen gesunden wie Schwimmen (sofern die Bäder sauberer wären). Es ist gar nicht mehr gegeben, dass man ohne Eintritt in einen Verein o.ä. diesem Sport nachgeht, es sei denn, man nimmt lange Anfahrtswege auf sich. Diese können - nur nebenbei gesagt - auch vor einem handgeschriebenen Zettel in der Eingangstür enden, auf dem steht, dass "heute geschlossen" sei, was nicht vorher im Internet gepostet wurde. Das ist dann auch ausgesprochen ärgerlich und ist mir bereits mehrfach passiert.

 

Was ist geplant - soll dies der Zustand bleiben? Ich weiß, "arm aber sexy" war mal so ein Spruch eines vorherigen Regierenden Bürgermeisters. Kann ich auch mit leben, aber arm ist nicht gleich dreckig, ungepflegt und unhygienisch. DAS ist nicht sexy, das ist unverantwortlich und eklig!

Über eine Antwort von ihnen würde ich mich freuen.

 

(Persönliche Angaben wurden von mir anonymisiert)

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Kommentare: 2
  • #1

    elisa (Freitag, 11 August 2017 21:57)

    Ich kann der Verfasserin nur voll und ganz zustimmen!

  • #2

    K (Montag, 21 August 2017 18:49)

    Absolut richtig, erlebe es genau so. In keiner anderen deutschen Stadt, in der ich schwimme, sind die Zustände so schlecht wie in Berlin.