Wer zahlt hat Pech- öffentliches schwimmen steht an letzter Stelle

Die Hallenbad Saison beginnt damit, dass 50 % der Hallen geschlossen blieben. Die geöffneten mit massiv eingeschränkten Wasserzeiten oder gar Öffnungen komplett ohne öffentliches schwimmen.

 

Die wenigen Wasserzeiten für öffentliches schwimmen, die übrig sind, werden  bereits seit einiger Zeit immer wieder ohne Vorankündigungen belegt, Informationen findet man dazu auf der Homepage des Berliner Bäder Betriebs keine. In den Bädern vor Ort ist man außerstande darüber telefonisch oder wenigstens per Aushang zu informieren. Die Hotline hat ebenfalls keine Infos.

 Wasserzeiten

Wasserzeiten sind nicht zu verwechseln mit Betriebsstunden. Ein Bad beginnt den Betrieb um X Uhr, Wasserschluss ist 30 Minuten vor Betriebsschluss, respektive 30 Minuten vor Schulbetrieb in Schul- und Vereinsbädern.

Wenn Bäder geschlossen sind, bekommen Vereine Wasserfläche in anderen. Die Öffentlichkeit darf draussen bleiben.

Ist es eigentlich so schwer zu verstehen, was die Folgen sind?

Wird der Nutzer, der immer wieder vor für ihn geschlossenen Bädern steht, auch aus den Wasserflächen verdrängt, die ihm bleiben, kommen viele einfach nicht mehr. Bleibt die zahlende Öffentlichkeit weg, schadet das auch Vereinen, Schulen und Kitas. Besucherschwund bedeutet weitere Schließungen und Verknappung der betriebenen Wasserfläche.

Beispiele

Kombibad Mariendorf

Du bildest dir ein, dass du uneingeschränkt schwimmen kannst am Mittwoch? Falsch. Das Gegenteil ist der Fall. 4 Bahnen ohne abgeleinte Bahn, dafür die Nichtschwimmerleine quer. In den 2 abgeleinten Bahnen 1 Verein mit Kindern. Etwa 12, und die brauchen selbstredend 2 50 Meter Bahnen. Kost ja nix. Nur Vollzahler zahlen um dann so etwas vorzufinden.

Ein positives Beispiel, dass es zumindest in Teilen auch anders geht. Die Frage ist nur, warum nicht mitgeteilt wird, wer die Bahn gemietet hat. Kurse des kommunalen Betreibers sind nicht ausgewiesen im Kurssystem.

Schwimmhalle Helene Weigel Platz, Dienstag, Fläche abgesperrt mit rotem Flatterband. Die Fliesen fallen wieder ab, heißt es. Und auf der Homepage? Steht nichts davon. Wozu auch. Die Vollzahler zahlen und haben keine Lobby.

Stadtbad Charlottenburg Neue Halle, Sonntag 14 Uhr. Drei geleinte Bahnen, nur etwa 5, 6 Nutzer je Bahn. Paradies. Bis die Person kommt, die absichtlich aufschwimmt, ohne Not. Um dann zu streiten. Mehrfach kollidiert die Person, schlicht weil sie nicht an die Wand schwimmt, sondern kurz vorher abbremst, sich dreht, an den Kopf greift und ohne zu gucken startet. Ohne Schwung, zum Glück, aber es reicht, um die Wand zu blockieren für Anschwimmende und in die wird reingeschwommen. Hält keine grade Bahn, droht. Interessiert keinen. Warum auch. Macht die schon immer so.

Kombibad Gropiusstadt, Freitag. "Öffentliches schwimmen", 1 geleinte Bahn, im Rest leider die Querleine zum Nichtschwimmerbereich. Auf der ein Mann von ca 75 Mühe hat sich über Wasser zu halten. Er liegt mit  fast rechtwinkligen Beinen, hängend im Wasser. Auf dem Rücken. Kann keine Bahn halten, schlägt wie verrückt um sich. Du denkst, weil er so Mühe hat. Dann stellst du fest, er schlägt nach dir. Jedes Mal, wenn du ihn überholst. Kümmert keinen. Du weichst auf die andere Fläche aus...und wirst übelst beschimpft. Kümmert auch keinen.

Schwimmhalle Helene Weigel Platz, Donnerstag, 18 Uhr. Für öffentliche Nutzer gab es zwei Bahnen. Nicht 2 abgeleinte Bahnen und die restliche Fläche, sondern insgesamt 2 Bahnen für alle. Wenn sortiert würde, 1 Bahn für sportliches, die andere für gemütliches schwimmen, wäre das bis zu einer bestimmten Anzahl Nutzer zu organisieren. Es wird aber nicht sortiert. Da reicht ein Nutzer, der zwischen Sportschwimmern paddelt. So geschehen. Sportschwimmer verlassen entnervt das Bad.

 

Freitags gab es in der Schwimmhalle Helene Weigel Platz  für die gesamte Öffentlichkeit nur 1 Bahn. Für alle, egal ob plaudern oder Sportschwimmen. Und natürlich gibt es keine Besucherzahlanzeige, so dass man immer erst zahlt und dann sieht, ob schwimmen möglich ist.

Stadtbad Tiergarten

Samstag, 3 abgeleinte Bahnen, 2 genutzt durch Kooperationspartner. Teilweise von 5 Personen oder weniger. Im Nichtschwimmerbecken ein abgeleinte Fläche.

Stadtbad Tiergarten, Dienstag vormittag, gegen 11 Uhr. 1 abgeleinte Bahn für 4 Personen reserviert. Ein Kurs der Berliner Bäder Betriebe ist nicht angegeben, es handelt sich also um einen Kooperationspartner.

Stadtbad Tiergarten, Freitag 11.30 Uhr. Ausgewiesen ist 6.30-16 Uhr uneingeschränkte Nutzung. Realität: Bahn 6 wurde geräumt, um für 2 Nutzer eines Kurses eines Kooperationspartners die 50 Meter Bahn exklusiv nutzbar zu machen.

Kombibad Mariendorf, Samstag 12.30 Uhr, ausgewiesen ist ein Technikkurs, mündliche Aussage der Badleitung "es gibt 1 abgeleinte Bahn für die Öffentlichkeit". Anruf im Bad. Nachfrage "Gibt es eine abgeleinte Bahn für öffentliches, sportliches schwimmen"? Antwort "Ja, eine Bahn ist ein Kurs, die andere für die Öffentlichkeit".

Anruf bei der Hotline "Gibt es außer dem nicht ausgebuchten Technik Kurs 12.30 -13.15 Uhr weitere Belegungen?" Antwort "Nein, ist nicht bekannt.

 

Realität: 1 Bahn mit Kindern, die andere ein Verein. Nachfrage, ob eine 3. Bahn, also eine für die Öffentlichkeit abgeleint werden kann. Antwort des freundlichen Mitarbeiters: "Nein, und das bleibt auch in Zukunft so, die anderen brauchen auch Platz". Eine Leine liegt halb im Wasser. Die Leine zur Abtrennung Nichtschwimmer liegt an der anderen Seite halb im Wasser.

12.50 Uhr, eine weitere Bahn für Verein wird abgeleint.

13.30 Uhr, Nichtschwimmerkurs Erwachsene im Nichtschwimmerbereich des Schwimmbeckens. Keine Möglichkeit mehr eine Wende zu machen.

Montags, Kombibad Gropiusstadt. 10-12.30 Uhr Senioren im Parallelbetrieb. Das Schwimmbecken hat 6 Bahnen. 1 Bahn abgeleint. Niemand muss glauben, dass unterbunden wird, wenn Leute in der abgeleinten Bahn stehen bleiben "ich schaffe keine 50 Meter". Genau für diese Nutzer gibt es die quer gespannte Leine für Nichtschwimmer. Niemanden interessiert es, dass so die Sicherheit aller gefährdet ist.

12.30-16 Uhr, Parallelbetrieb Schule.  Der nette Mitarbeiter, den ich gefragt habe, sagte "3 abgeleinte Bahnen für die Schulen" Ich fragte: "Und für die Öffentlichkeit?" Antwort: "Für die nicht.

Schwimmhalle Fischerinsel,Freitags nachmittags,  eine Bahn mit Aqua Fitness belegt. Zwei abgeleinte weitere Bahnen auf der anderen Seite. Wer entscheidet so einen Blödsinn? Für den Zeitraum 19-22 Uhr ist keine Einschränkung angegeben. Realität: Verein im Parallelbetrieb

Mittwoch, Schwimmhalle Fischerinsel, ausgewiesen ist 11.30 bis 15 Uhr keine Einschränkung. Jugendgruppe in Begleitung von Lehrerin belegt eine Bahn.

Donnerstag, Schwimmhalle Fischerinsel, 15-17 Uhr, angegeben war "öffentliches schwimmen" und keine Einschränkung. Realität, es gibt einen Verein im Parallelbetrieb und das Nachsehen hat die Öffentlichkeit. Seit 22.09. ist nun für das Bad nur noch öffentliches schwimmen bis 16 Uhr angegeben. Ab 9 Uhr für die Öffentlichkeit grundsätzlich mit Einschränkungen

Wochenende: Vor der Tür einer Schwimmhalle stehen mehrere Kunden. Die Kasse ist vor einer Minute geschlossen worden. Keine Chance.

Der Reinigungsschlauch hängt schon 15 Minuten vor Wasserschluss im Becken.

Was kommt als nächstes? Die Aussage, dass man für sein Geld dankbar sein muss, sich einmal um die eigene Achse drehen zu dürfen in einem von uns allen finanzierten, kommunalen Schwimmbecken?

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Kommentare: 1
  • #1

    Thomas Renzler (Dienstag, 19 September 2017 06:49)

    Vielen Dank für die ausführliche Dokumentation. Meine Motivation schwimmen zu gehen, erhöht das natürlich nicht. Letzten Winter bin ich fast täglich geschwommen, inzwischen habe ich mich aufgrund der häufigen Ärgernisse wieder vermehrt anderen sportlichen Aktivitäten zugewandt. Auch über eine Premium-Karte habe ich schon oft nachgedacht, mich aber aufgrund ähnlicher Erlebnisse wie oben beschrieben immer wieder dagegen entschieden. Wer im Winter zum wiederholten Mal morgens um 6:30 vor einem verschlossenen Schwimmbad steht, verliert irgendwann die Lust.
    Vielen Dank für die Sammlung der Infos. So komme mich mir nicht wie ein einsamer Nörgler vor, der einfach nur unangemessene Ansprüche hat. Und vielleicht tut sich ja sogar mal was.