Nutzungsgebühr für alle

In Berlin ist seit vielen Jahren eine Art der Vergabe von Wasserfläche gewachsen, die nur sehr schwer zu durchschauen und dar zu stellen ist

 

Die Wasserfläche wird immer kleiner und entgegen der Darstellung der Berliner Bäder Betriebe wird diese weder durch einen Neubau noch durch Wiedereröffnung nach Sanierung behoben.

Dem geplanten Neubau eines überdachten Hallenbades wird der Abriss eines Hallenbades und des dazu gehörigen Freibades vorausgehen, wenn es nach dem Willen der Verantwortlichen geht.

Der Wiedereröffnung nach Sanierung 2017, hier der Schwimmhalle Thomas Mann Straße, wird die Sanierung und damit Schließung anderer Bäder folgen, zum Beispiel des Stadtbad Tiergarten.

Außerdem werden weitere Schließungen maroder Bäder erfolgen, egal was behauptet wird. Tatsachen kann man nicht weg diskutieren, nur mehr finanzielle Mittel könnten das verhindern. Das ist von der derzeitigen Koalition nicht geplant.

 

 

 

In Berlin ist es regelmäßig so, dass Vereine, sobald Wasserfläche frei ist, diese blocken. Das heißt, egal ob aktuell Bedarf besteht, 

werden Bahnen blockiert für die Nutzung durch zahlende Kunden. Das Ergebnis sieht man in den Mischbädern. Leere Bahnen, weil Vereinsmitglieder diese nicht nutzen, die Öffentlichkeit darf sie dennoch nicht nutzen.

Die Praxis ist einfach zu erklären: Vereine müssen ständig damit rechnen, dass ein Bad schließt oder die Berliner Bäder Betriebe lieber Kurse anbieten auf der knappen Wasserfläche.

Es gibt allerdings auch Vereinsverantwortliche, die meinen schlicht im Recht zu sein, wenn sie Bahnen auf Vorrat blocken.

 

 

Ich war mal Mitglied in einem Verein, bin es nicht mehr. Als Zugehörige zur Nutzergruppe Öffentlichkeit könnte ich also jetzt diese Praxis der Vereine verantwortlich machen für den Unsinn leerer Bahnen.

Sie tragen Mitverantwortung, das ist klar. Allerdings können Vereine nur mit dieser Praxis der Okkupation nur durchkommen, weil Verantwortliche in den Berliner Bäder Betrieben und im Senat weder Einhalt gebieten noch überhaupt sich mit dieser Problematik grundlegend zu beschäftigen scheinen.

 

Sind unter den Entscheidern welche, die Mitglied in Vereinen sind? Das wäre aus meiner Sicht ein Interessenskonflikt.

 

Der Abriss des Sprungturms vor der Sanierung der Schwimmhalle Finckensteinallee erfolgte trotz Denkmalschutz.

 

Jeder weiß, Sprunganlagen bedeuten immer, dass es weniger Schwimmzeiten gibt. Kinder, aber auch Erwachsene Freizeitspringer wollen geöffnete Sprunganlagen. Ein Schwimmbecken muss tiefer sein, wenn eine, wie hier 10 Meter hohe Sprunganlage vorhanden ist. Ein flacheres Schwimmbecken kostet weniger Unterhalt.

 

Warum wurde keine Gewöhnungstreppe eingebaut? Die Leitertreppen sind von vielen, insbesondere älteren und zum Beispiel Gehbehinderten Personen nicht nutzbar. Gewöhnungstreppen werden in der Mehrzahl von genau den Nutzern gebraucht, die zu den treuesten Kunden der Berliner Schwimmbäder gehören, den genannten. Wer hat das verhindert? Am Geld kann es kaum gelegen haben, wenn die Berliner Bäder Betriebe erst Föhne ohne Geldeinwurf einbauen um dann für einen Betrag X den Geldeinwurf nachrüsten. Ich bin Laie, aber ich kann entsprechende Firmen fragen und unter 500 Euro pro nachgerüsteten Geldeinwurf war das eher nicht zu haben.

 

Was das mit dem Thema zu tun hat?

Ein Schwimmverein, der möglicherweise damit liebäugelt, ein Schwimmbad als Vereinsbad nach Sanierung zu bekommen, hat Interesse daran, Sprunganlagen und Gewöhnungstreppen zu verhindern. Er braucht sie nicht und eingeschränkte Schwimmzeiten, zum Beispiel bei der Verpflichtung ein Bad begrenzt auch der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen (als Auflage) braucht ein Verein schon gar nicht. Ein Verein erfüllt also seine Verpflichtung, öffnet und eine große Anzahl zahlender Kunden kann oder will das Bad aber gar nicht nutzen. Weil es keine Sprunganlage hat und keine gewöhnungstreppe.

Was passiert dann wohl? Genau, der Verein hat Argumente das Bad für die Öffentlichkeit komplett zu schließen, wenn Kunden nicht kommen.

 

Auch hier sage ich, Vereine tragen Mitverantwortung, aber letztlich sind es die Entscheider im Senat und den Berliner Bäder Betrieben, die für den heutigen Zustand Verantwortung tragen in den Bädern.

 


Vereine müssen keine Nutzungsgebühr zahlen und wehren sich naturgemäß mit Händen und Füßen, mit regelrechten Horrorszenarien dagegen. Mitgliedsbeiträge würden erhöht. Angst, dass Fördergelder für erfolgte Nutzung nicht fließen oder verspäte t gezahlt werden. Die Höhe der Förderung von anderen Regierungen abgesenkt würde und so weiter.

 

Nur nebenbei: ich bin absolut der Meinung, dass man in Vereinen von Grund auf richtig schwimmen lernt und das müsste jedem ermöglicht werden.

 

Wer kann sich derzeit Mitgliedschaft in Vereinen leisten, ist eine Frage, die sich stellt. Eine kleine Gruppe derer, die es finanziell kann und diejenigen, die sich den Beitrag vom Munde, vor allem für Kinder, regelrecht absparen.

 

Was spricht also dagegen, Vereinen je Mitglied einen Betrag X zur Verfügung zu stellen? Einen Betrag Y bei nachgewiesen tatsächlich genutzter Wasserfläche zu erstatten? Der Nachweis ist einfach. Über Chipkarten, nicht übertragbar und bei Missbrauch Ausschluss aus dem Verein. So wird die Praxis der Weitergabe verhindert. Ist eigentlich öffentlich bekannt, dass es Vereinsmitglieder gibt, die Freunde und Verwandte mit ins Bad nehmen? Das passiert nicht täglich und es sind nur wenige, aber erwähnenswert. Erzähl mir keiner, das sind nur Probeschwimmer. Manche proben mir einfach zu oft.

 

Meine Recherche erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Neutralität.

 

Ich habe in jedem Bezirk jeweils zwei Schwimmvereine ausgewählt, möglichst gut verteilt im jeweiligen Bezirk und mir die Beitragsverordnungen und sonstigen Bedingungen angesehen.

Die Auswahl war zufällig.

Unter den Vereinen, die ich mir genauer angesehen habe, waren solche, die ein Vereinsbad haben und solche, die auf Wasserfläche in öffentlich zugängigen Bädern angewiesen sind.

 

Aufgefallen ist mir, dass unter all diesen Vereinen lediglich einer war, der seine Beiträge (in Beispielen Preise für Erwachsene) so staffelt, dass er allen Einkommensgruppen gerecht wird. Der Verein hat als einziger eine Ermäßigung zum Beispiel für ALGII Bezieher und Schwerbehinderte. Dieser Verein war mit 90€, ermäßigt 70€ außerdem noch der preisgünstigste und hatte die geringste Aufnahmegebühr in Höhe von 10€ für Schwimmer.*

 

 

Das ist insofern erstaunlich, weil diese Aufnahmegebühr in den meisten anderen Vereinen zwischen 30€ (dem zweit preisgünstigsten Verein auch im Bezug auf den Beitrag) und gut 70€ liegt.

Der Mitgliedsbeitrag für ein Jahr liegt zwischen etwa 170€ für Erwachsene und 250€. Damit ist es aber bei manchen noch nicht genug. Es gibt Vereine, die verlangen Sondergebühren, zum Beispiel in Höhe von rund 60€ wenn man in einer Leistungsgruppe schwimmen möchte. Es gibt Vereine, die verlangen eine, wenn auch geringe, sogenannte Sportstättennutzungsgebühr. Ja, damit ist die Schwimmhalle gemeint, die sie selbst kostenlos nutzen dürfen...

 

In vielen Kommunen in Deutschland, und ich rede nicht von kleinsten Orten in denen es nur ein Schwimmbad gibt, wird eine Nutzungsgebühr erhoben für Vereine. In manchen auch für Schulen.

 

Konkretes Zahlenbeispiel einer vergleichbaren Kommune

 

Für die Nutzung einer Bahn im Lehrschwimmbecken wird eine Gebühr von 7 Euro pro Bahn erhoben.

Nutzung einer 50 Meter Bahn (in den anderen Bädern) eine Gebühr von 5 Euro pro Bahn.

 

Für eine 25 Meter Bahn ein Betrag von 3,50 Euro.

 

In dieser Beispiel Kommune zahlen Schulen 12 Euro pro ¾ Stunde je Bahn.

Die Jahressumme die sich daraus ergibt beträgt 25.000 Euro.

 

Ich höre schon so manchen aufkreischen. Schulen müssen kostenlos schwimmen, wie kannst du nur? Oder: die armen, kleinen Vereine. Berlin ist ein Sonderfall. Quatsch, sage ich. Das einzig besondere an Berlin ist die Uneinsichtigkeit zementierte Fehlstrukturen zu verändern. Stattdessen wird immer weiter festgefahren, was noch nicht komplett undurchsichtig ist.

 

Schulen bekommen finanzielle Unterstützung um diese Gebühren aufbringen zu können. Sie sind aber gezwungen, mit den Mitteln vernünftig um zu gehen.

Ich bin noch ambivalent, ob ich eine Gebühr auch für Schulen richtig finden möchte. Zum Einen weiß ich, dass auch während durch Schulen geblockten Zeiten Wasserfläche leer ist. Zum Anderen weiß ich um das Dilemma der vielen Nichtschwimmer. Ich bin sowieso der Meinung, dass die Politik für jedes Kind jeden Sport und jede andere Freizeitbeschäftigung kostenlos anbieten müsste.

Wie das finanzierbar ist, haben Experten hinlänglich vorgerechnet.

 

Was Vereine betrifft, ist es mehr als dringend geboten, den Filz in der Wasserflächenvergabe aufzubrechen.

 

Wenn es so bleibt, wird schwimmen für alle teurer und Wasserfläche für alle kleiner

 

Während sich große Vereine mit Mitgliederbeiträgen einigermaßen gesund erhalten auf Kosten der Nutzergruppen, die sich einen Vereinsbeitrag nicht leisten können oder die Vereinsstrukturen nicht wollen. Kleinere Vereine haben ebenfalls das Nachsehen, weil sie gegen die Praxis der größeren nichts tun können. Wenn es so weiter geht, werden allerdings auch die großen Vereine vor noch weniger Wasserfläche stehen.

 

Alle, die sich mit dem Thema Bäder in Berlin auch nur am Rande beschäftigen, wissen um die maroden Zustände. Investiert werden kann nur, wenn der Betrieb eines Bades wirtschaftlicher wird.

 

 

Zahlende Kunden sind ein wesentlicher Faktor um Einnahmen zu generieren.

Und diese kommen nur, wenn Bäder für sie geöffnet haben. Die Diskussion um Subvention auch bei Eintritt zahlenden Kunden erspare ich mir an dieser Stelle.

Immer unzuverlässiger geöffnete Bäder, immer mehr, die nur noch Schulen und Vereinen offen stehen, werden die Bäderlandschaft in Berlin nur verkleinern.

 

Und komm mir ja keiner mit dem Neubau eines Wassertempels. Es geht ums schwimmen, um Daseinsvorsorge, nicht um Wellness.

 

Die Betriebskosten bleiben auch wenn ganze Bäder oder auch 'nur' Bahnen leer sind an Vormittagen, in den Ferien oder in den Abendstunden.

In den von Schulen und Vereinen genutzten Bädern ist das seit Dezember 2015 der Fall.

 

 


Es wurden in den letzten Jahren viele Bäder geschlossen.

In geschlossenen Bädern können auch Vereine nicht schwimmen, die sich gegen jede Änderung der Vergabe von Wasserfläche und gegen Nutzungsgebühren stellen.

 

 

 

Schwimmen ist ein Teil der Daseinsvorsorge

 

Ich persönlich finde Vereine wichtig, weil sie neben dem Sport auch eine soziale Aufgabe erfüllen.

 

 

 

 

Das darf allerdings nicht dazu führen, dass einige Vereine in Berlin mehr Macht zu haben scheinen als Otto und Ottilie nicht Vereinsmitglied.

 

Ich finde, statt die künstlich geschaffene Konkurrenz der unterschiedlichen Nutzergruppen noch zu verfestigen, müssen die Strukturen aufgebrochen werden.

Es kann nicht sein, dass politisch Verantwortliche den Interessen einer kleinen Gruppe Vorteile verschaffen.

 

Ich hatte einige Vereine angesprochen. Ich hätte gern eine Darstellung aus Sicht eines Vereins veröffentlicht. Ich hatte mir eine Art Pro und Contra Gegenüberstellung von Argumenten erhofft.

Ich hatte angeboten , dass der Verein mit einer anonymen Mailadresse mir seine Argumente darlegen kann, so dass der Vereinsname nicht bekannt wird.

 

Keiner der von mir angefragten wollte sich äußern.

 

 

Ich bedanke mich bei den Kommunen, die bereit waren, offen mit mir Laien über dieses Thema zu reden. Ich bedanke mich besonders bei den Menschen, die mir konkrete Zahlen zu nennen bereit waren für die Unterstützung.

 

*Möglich, das auch die anderen von mir recherchierten Beitragsordnungen weitere Ermäßigungen anbieten. Öffentlich einsehbar waren sie nicht.

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Kommentare: 2
  • #1

    Jot (Mittwoch, 20 April 2016 17:47)

    "Wer kann sich derzeit Mitgliedschaft in Vereinen leisten, ist eine Frage, die sich stellt."

    Nu, für jemand, der regelmäßig 3x der Woche schwimmt, oder häufiger mit der ganzen Familie schwimmen geht, ist das Schwimmen im Verein viel billiger als das Schwimmen in der Öffentlichkeit.

  • #2

    schwimm-blog-berlin (Mittwoch, 20 April 2016 19:21)

    Danke für den Kommentar.

    Ich selbst gehe täglich schwimmen. Wenn die gesamte Famile schwimmen will, mag das stimmen. Ich kenne nur wenige, in denen mehr als zwei von vier Mitgliedern einer Familie schwimmen.

    In einem Verein bin ich für den Betrag X an die Zeiten gebunden, die der Verein anbieten kann.
    Ich hatte im letzten Jahr erneut überlegt, wieder in einen Verein einzutreten. Meine Idee war, dann in den Zeiten, in denen Bäder für die Öffentlichkeit geschlossen sind, für Vereine aber geöffnet, auch schwimmen zu können.
    Mag sein, dass meine Recherche unvollständig war. Ich habe in den Vereinen (ohne eigenes Bad) Sommerpausen gefunden von 8 Wochen und z. B. Trainingszeiten an drei Tagen die Woche.

    Das hieße, ich hätte für die 8 Wochen eine Sammelkarte gebraucht und für die restlichen 3 Tage auch. Für mich teurer als die Jahreskarte der öffentlichen Bäder. Leider. Denn ich bin überzeugt, im Verein kann jeder noch was lernen.

    Was mir allerdings an sämtlichen Vereinen, die ich kontaktiert hatte, so gar nicht gepasst hat, waren die oft kurz angebundene Aussage: "Kommen sie dann und dann zum vorschwimmen"
    Vorschwimmen? Nö. Ich betreibe Freizeitschwimmen. "Trotzdem"