Der lange Weg zur Namensgebung Schwimmbad Neubau: Helene Lewissohn Bad

Von totaler Ignoranz zu Einsicht auf allen Ebenen

 

2015 Mein erster Versuch, mich an die Berliner Bäder Betriebe, das Bezirksamt und den Senat zu wenden, um auf den vergessenen Seebad Gründer Adolf Lewissohn und das  Schicksal von Helene Lewissohn und den Umgang mit ihr aufmerksam zu machen, traf auf völlige Ignoranz.

Ich hatte vorgeschlagen den Schwimmbad Neubau "Adolf Lewissohn Bad" zu nennen.

Beim zweiten Mal bekam ich von den Berliner Bäder Betrieben eine E Mail mit dem Satz

 

"Danke für den Vorschlag"

Aus dem Bezirk kam eine Nachricht von einem Mitglied der Piraten Partei, der anmerkte, dass Frauennamen derzeit bevorzugt vergeben werden und der Name Helene Lewissohn Bad sogar noch mehr an die enteignete Tochter des Gründers erinnert.

Der damalige (2011-2016) Sportausschussvorsitzende (SPD)  im Bezirk allerdings argumentierte nur ablehnend. Meine Mailadresse, ob nun absichtlich oder aus Versehen, war in CC gesetzt im Verlaufe der Mailkorrespondenz zwischen ihm und dem Politiker der Piraten Partei.

10 Seiten, Hand geschrieben, der Kampf einer Frau um Wiedergutmachung


Mitte 2016 rief mich Herr Stollowsky vom Tagesspiegel an und wollte über mich und den Blog etwas schreiben. Fand ich merkwürdig, im Blog geht es ja nicht um mich. Durch seine ehrliche und einfühlsame Art war mir dann klar, dass Leser eines Blog gern wissen wollen, wer dahinter steckt und warum mich Themen so bewegen.

Herausgekommen ist ein Volltreffer in jeder Hinsicht. Er hat mich gut beschrieben, aber was das Wichtigste war, Frau Dr. Högl, SPD, hatte im Artikel gelesen, dass ich vergeblich versucht hatte, auf die vergessene Familie Lewissohn und ihr Seebad aufmerksam zu machen. Mein Entsetzen, dass es niemanden zu interessieren schien, wie man mit der enteigneten Helene Lewissohn auch nach der N.S.D.A.P. Diktatur umgegangen war.

Frau Dr. Högl nahm mit mir Kontakt auf, weil die Geschichte von Helene sie bewegte.

Frau Dr. Högl  schrieb aktiv Briefe an alle Verantwortlichen, auch an die SPD im Bezirk.

 

Bundestagsabgeordnete des Bezirks

Irgendwann bekam ich eine E Mail von einer Mitarbeiterin von M. Rawert, SPD, dass man gern etwas über das Seebad in der Mitglieder Zeitung drucken würde.  Außerdem würde die SPD im Bezirk einen Antrag in die BVV zum Namensvorschlag machen wollen.Nach der Wahl.

Ich hatte mittlerweile die Erfahrung mit einer kostenlosen Zeitung gemacht, die unter Autorennamen meine, von mir privat finanzierten, aber vor allem mit enormen Zeitaufwand erarbeiteten Rechercheergebnisse, abdruckte. (Das blieb in der Zeitung auch in der Folge so).

Deshalb bat ich mir aus, vorab den Artikel entweder zu sehen oder selbst zu schreiben oder zumindest die Quelle zu nennen

Es kam nie wieder eine Rückmeldung der SPD Abgeordneten und ihrer Mitarbeiterin.

Selbst eine Bitte zu einem vorgeschlagenen Treffen wurde ignoriert.

Ich war bass erstaunt, als ich einen Anruf bekam und gefragt wurde, ob ich Mitglied in der SPD sei. Nein. In der Mitgliederzeitung war ein Artikel erschienen, fast eins zu eins aus meinem Blog kopiert, Autorenname war die Frau die mich angerufen hatte.

Naja.

Aus dem Senat kam zunächst die Antwort, dass es Entscheidung der Berliner Bäder Betriebe sei, den Namen für das neue Schwimmbad in Mariendorf zu bestimmen.

Immerhin gab es eine Reaktion der Berliner Bäder Betriebe.

Der Vorschlag der BBB zum "authentischen Ort" allerdings war hahnebüchen. Das Seebad Mariendorf war in Mariendorf, nicht in Tempelhof.

 

Richtig toll aber war, dass F. Henkel ankündigte, sich noch einmal bei der Geschäftsführung der Berliner Bäder Betriebe für diese Idee einzusetzen


Im Herbst 2016 war Wahlkampf in Berlin. Ich schrieb erneut alle Parteien im Bezirk an. Antwort: keine.

Ankekdote: Ein Kandidat einer der angeschriebenen Parteien im Bezirk klingelte am späten Nachmittag- um Wahlkampf zu machen. Ich fragte nach dem Namen um ganz sicher zu gehen, dass es der Mann ist, den ich angeschrieben hatte. Er war es. Ich sagte ihm an der Sprechanlage, dass ich niemandem öffne, der es nicht nötig hat, sich auf Schreiben der Bürger zu melden. Ganz ehrlich, ich dachte, der nimmt sich jetzt die 5 Minuten mal zu fragen, um was es sich handelt. Tat er nicht, er antwortet nicht mal mehr, sondern ging einfach weg.

Während des Wahlkampfs traf ich den Bezirksverordneten Harald Gindra an einem Stand  und hatte ein sehr Meinungsstarkes Gespräch mit ihm, um es vorsichtig auszudrücken. Ich war echt sauer.

Einige Wochen nach dem Gespräch bekam ich von ihm eine E Mail. Die Partei Die Linke hatte den Antrag noch in der Legislatur eingebracht. Der Mann hatte einfach gemacht. Ich war sehr bewegt, als ich den Antrag las.

 

Endlich passierte was.

Und es ging Schlag auf Schlag. Aus dem Ressort von Herrn Henkel kam die Nachricht, dass die Berliner Bäder Betriebe den Namensvorschlag begrüßen - eine Kehrtwende um 180 Grad. Und er hatte Wort gehalten.

Und auch die BVV Tempelhof Schöneberg hat -fast einstimmig- beschlossen, die Namensgebung zu unterstützen.

Damit ist alles erreicht, was zum jetzigen Zeitpunkt erreicht werden konnte.

Alle wollen dass der Schwimmbad Neubau den Namen

 

Helene Lewissohn Bad

 

trägt.

Eine weitere Ausstellung - Erste Erinnerung seit 1950 mit einem Parkfest hier lesen -  ist in Planung, aber ich kann das nicht finanzieren und allein organisieren. Die Partei Die Linke, besonders Martin Rutsch und Harald Gindra (mittlerweile für den Bezirk im Abgeordnetenhaus) hängen sich echt rein, um eine Lösung dafür zu finden.

Anekdote aus dem Bezirksamt zum selber lesen. Schön, dass die Einwohner einbezogen werden sollen, oder?