Sie starben beim Versuch in die Freiheit zu schwimmen

Am 13.08.1961 Jahren begann der Unrechtsstaat DDR die Mauer in Berlin zu bauen und sperrte Menschen ein.

Unzählige haben sich mit diesem Freiheitsentzug arrangiert, hunderttausende ihn mit Stasi Mitarbeit, offiziell und inoffiziell gefestigt.

Menschen bespitzelten ihre Lebenspartnerin, ihren Lebenspartner, die Freunde, Nachbarn, Arbeitskolleg*innen. Verrat, Haft, oft unter schlimmsten Bedingungen, Kindesentzug und Zwangsadoption, Medikamentenversuche. Dinge, die für viele so unvorstellbar sind, dass sie verdrängt und vergessen zu sein scheinen, wenn es mal wieder um Verklärung dessen geht, was in der Erinnerung so schön erscheint.

Und nein, es geht nicht um die Lebensleistung einzelner Personen. Das System, das sich nie aus sich selbst speisen und erhalten kann, daran waren viele beteiligt.

Erinnerung kann weh tun.

Das müssen wir aushalten. Versöhnung kann nur stattfinden, wenn Schuld und Verantwortung erkannt, zugegeben werden kann.

Sie schwammen um ihr Leben.

Einige stiegen ins viel zu kalte Wasser, in der Hoffnung, dass niemand sie entdeckte. Einer war verletzt und hielt es nicht mehr aus, eingesperrt zu sein. Sie wollte ein freies Leben.

Der Drang nach einem freien Leben war stärker als die Angst vor zu kaltem Wasser, zu langen Strecken und anderen Gefahren, die Wasser auch bringen kann.

Menschen die ihre Träume nie erleben durften

Günter Litfin erschossen im Humboldthafen

29.01.1937-24.08.1961

Ein Gedenkstein an der Gedenkstätte "Kieler Eck" erinnert an ihn

Erna Kelm ertrank in der Havel

21.07.1908-11.06.1962

Eine Stele am Fähranleger Sacrow erinnert an sie

Horst Plischke ertrank in der Havel

12.07.1939-19.11.1962

Eine Stele westlich der Glienicker Brücke, gegenüber der Villa Schöningen erinnert an ihn

Lothar Lehmann ertrank in der Havel

28.01.1942-26.11.1962

Eine Stele am Fähranleger Sacrow erinnert an ihn

Günter Wiedenhoft ertrank im Griebnitzsee

14.02.1942-5./6.12.1962

Eine Stele unterhalb der Brücke nach Klein Glienicke erinnert an ihn

Peter Grohganz ertrank in der Spree

25.09.1948- gestorben zwischen 10.12.1980/ 09.02-1981

An der Gedenkstätte Berliner Mauer wird seiner erinnert

Wolf Olaf Muszynski ertrank in der Spree

01.02.1947-Februar 1963

Erinnert wird an ihn am Reichstagsgebäude

Peter Mädler erschossen im Teltowkanal

10.07.1943- 26.04.1963

Erinnert wird an ihn mit einer Stele am Mauerweg Lichterfelde, unweit seines Todesorts

 

Norbert Wolscht ertrank in der Havel

27.10.1943-28.07.1964

Eine Stele unterhalb der Brücke nach Klein Glienicke an der Lankestraße erinnert an ihn

Rainer Gneiser ertrank in der Havel

10.01.1944-28.07.1964

Eine Stele unterhalb der Brücke nach Klein Glienicke an der Lankestraße erinnert an ihn

Hans Joachim Wolf erschossen im Britzer Zweigkanal

08.08.1947-26.11.1964

Erinnert wird an ihn an der Gedenkstätte Berliner Mauer

Der Britzer Zweigkanal heute, 13.08.2021, etwa an der Stelle. So wenige Meter und doch unüberwindbar.

Wolf wurde mit 61 Schüssen getötet..


Francisek Piesik ertrank (vermutlich) im Nieder Neuendorfer See

23.11.1942-17.10.1967

Eine Stele erinnert an ihn am Ufer des Sees

Hans Joachim Zock ertrank in der Spree

26.01.1940-14. bis 17.11.1970

Erinnert wird an ihn an der Gedenkstätte Berliner Mauer

Manfred Weylandt ertrank in der Spree

12.07.1942-14.02.1972

Erinnert wird an ihn an der Gedenkstätte Berliner Mauer

Rainer Liebecke ertrank im Sacrower See

11.09.1951-03.09.1986

Eine Stele an der Kladower Straße/ Potsdam erinnert an ihn

Und einfach nur ins Wasser wollte der West Berliner

Paul Stretz wurde im Spandauer Schiffahrtskanal erschossen, er wollte baden

28.02.1935-29.04.1966

An ihn erinnert eine Tafel an der Gedenkstätte Berliner Mauer

Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen.

Ihre Geschichten kann man hier lesen. Jedes Kreuz steht für ein jäh beendetes Leben.

Vielleicht denkt heute der ein oder die andere Schwimmerin an diese Menschen