Stadtbad Tiergarten

West Berlins letzter Bäder Bau

ohne Halligalli

 

Am vergangenen Sonntag war ich wieder einmal im Stadtbad welches mitten in der Hauptstadt eine sogenannte Filetlage hat, aber das interessiert immer noch niemanden in der Verwaltung der Berliner Bäder Betriebe.

In direkter Nähe des Hauptbahnhofes, 10 Minuten zu Fuß, liegt das Hallenbad mit dem wohl idealsten Standort seit aus dem Lehrter Bahnhof der Hauptbahnhof wurde.

Weder Hinweisschilder noch sonst irgendwas weist Touristen den Weg in dieses Hallenbad

Den ersten Hinweis auf das Bad findet man 5 Meter vor dem Eingang.

Vielleicht ist das mittlerweile auch besser so.

Es macht mich immer noch traurig und wütend, eines meiner früher favorisierten Bäder in diesem Zustand zu sehen.

1984 eröffnet, direkt neben dem damals existierenden Freibad in der Seydlitzstrasse 6. Das Freibad wurde 2002 von den Berliner Bäder Betrieben aufgegeben. Obwohl es gut 10 Jahre später Fördergelder gab zur Sanierung eines Außenbeckens, bestand daran offensichtlich kein Interesse. Jedes Engagement der Anwohner, von Politikern wurde ignoriert, die Fördergelder verfielen. Mittlerweile steht auf dem Gelände ein Spa, gut besucht. Daneben ein Bolzplatz

Es heißt, ab Oktober 2018 soll das Bad saniert werden. Ich habe wenig Hoffnung, dass dies so erfolgt, wie es ein Bad in dieser Lage verdienen würde. 

 

Geht man durch die Tür sieht man links das Kassenhäuschen in einem kleinen Vorraum.

 

Im Vorraum gibt es einige Belegungsinformationen. Einen Schaukasten mit Schwimmzubehör. Die Gastronomie ist Samstags und Sonntags geschlossen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Verständnis von Geschäftstüchtigkeit. Im gesamten Umfeld des Stadtbades gibt es kein Café, sollen die Leute doch ihr Geld nebenan in das Spa tragen oder wie?

 

Hurra, die Wannen sind noch da

Die Treppe führt in die ehemalige Brausen und Wannen Abteilung. Es klingt heute vielleicht befremdlich, aber auch vor knapp 35 Jahren hatten noch nicht alle Wohnungen Bäder, deshalb wurde auch in diesem letzten Schwimmbad Bau in West Berlin eine solche Abteilung benötigt. Die Wannen existieren noch. Vermutlich werden sie abgerissen, sobald die Berliner Bäder Betriebe die Räumlichkeiten vermieten können. Was für ein Frevel. Hauptbahnhof. Touristen. Tagesgäste, Menschen ohne Obdach. Warum wird die Einzigartigkeit dieser Tatsache keine Idee entwickelt? Ein Café, Massage und weitere Dienstleistungen in dieser Lage lassen sich die Berliner Bäder Betriebe entgehen.

Einen Barfuß Gang gibt es in diesem Bad erst nach den Umkleiden. Nach rechts gehend betritt man die Gänge zu den Umkleiden. Vorn die Herren und Jungen, hinten Damen und Mädchen.

Als Zwischenbemerkung: scheint aber die Gäste nicht zu interessieren. Das war 2015 so und bleibt so.

Kommt man zum Damenbereich, sind Gänge gesperrt. Schilder mit dem Hinweis: hier wird gereinigt, erklären diese Absperrung. Im Gang findet man Spinde in schicken 1980 Jahre braun und gegenüber ausreichend viele Einzelkabinen. Dunkel. Düster.

Die Kabinen, die ich einsehen konnte waren  sauberer als 2015. Ebenso die Spinde.

 

Zur Dusche kommt man, ebenso wie zum WC, den Gang weiter runter und hier kriegt man spätestens Zustände. 

Es ist nur relativ sauber. Das Bad war sehr gut besucht, vielleicht braucht man einfach wieder Badewärter? 

Die WC waren einigermaßen sauber.

Die Duschräumlichkeiten sehen sehr abgeranzt aus. Es gibt Haken und jetzt auch Ablagen, wenige, aber immerhin.

Das Bad ist alt, aber solche, was auch immer, Flecken überall? Die Duschen verfügen über Temperaturregler und funktionieren auf Druck. Es gibt Seifenablagen, die aus meiner Sicht sofort ausgetauscht gehören. Egal ob die sauber sind, diese gelben Flecken, dazu die Gilbfugen, schrecken bestimmt viele Nutzer.

Eine Tür führt zum Schwimmbecken

 

50 wunderbare Meter, 3 geleinte Bahnen, rechts hinten ein Nichtschwimmerbecken.

Getrennt, wie in vielen Bädern dieser Bauart, durch eine große Ablage und Sitzmöglichkeit.

An der Wand gibt es Haken für Handtücher oder Sporttasche, ebenso einige Liegestühle.

Mit Blick auf die Wiese, die bei diesem Wetter zwar nicht einladend aussah, könnte ich einen Wutanfall kriegen ob der Tatsache des scheiterns einer Freibad Sanierung.

 

Es war sehr voll. Ich habe mindstens 60 Besucher gezählt, aber eine der abgeleinten Bahnen war gerade etwas leerer. 

Der Abstand zwischen Wasser und Beckenrand ist ideal zum hineingleiten. Die Wände prima für die Rollwende.

 

 

Aus meiner Beschreibung 2015 

 

Beim rausgehen findet man die Föne an der Front der Umkleidegänge. Sehr niedrig, es befindet sich ein Klappsitz an der Wand. Der andere Fön im Gang war defekt. Ein Gang weiter besetzt.

Jetzt muss ich aufpassen, nicht ausfallend zu werden. Die von mir gesehenen Klappsitze sind verschmutzt, ich würde mich lieber in meinem Rucksack föhnen als dort Platz zu nehmen.

Das kann man ändern, aber...

Das ehemals weiße Plastikding ist uralt.

Ich glaube, hier ist nix mehr zu retten. Dieser 1980 er Jahre Charme in Schmutzoptik gehört sofort ausgetauscht. Irgendwelche billigen Gartenstühle wären besser. Die "Handföhne" sind peinlich für ein ehemals so schönes Sportbad.Was ist das? Reiseföhne, die wie Vögel zwitschern sollen? Erstens sind die sehr schwach, zweitens machen sie Geräusche, je nach Haltung schwächer und stärker als wollte die gleich explodieren. Die müssen weg.

 

Am vergangenen Sonntag war es kaum verändert, aber die Föhne, die ich sah, waren deutlich besser und sauberer. 

 

Fazit

Ein potentielles Goldstück unter den Bädern. Für Sportschwimmer die sich zu wehren wissen gut geeignet. 

Ich fasse es nicht, wie sehr die Berliner Bäderbetriebe dieses Sportbad regelrecht verkommen lassen statt es richtig zu sanieren und vor allem sämtliche Räume zu beleben und eine Gastronomie zu installieren, die ihr Alleinstellungsmerkmal in der Umgebung begreift.

 

Das Hallenbad findet man, wenn man vom Hauptbahnhof kommend, Ausgang Europaplatz, nach links geht. Man kann dort auch zum Beispiel den 245 er Bus nehmen und eine Station fahren bis Lehrter Straße/ Invalidenstraße. Oder man nimmt den 120 er zur Seydlitzstraße. Zu Fuß sind es aber nur knapp 10 Minuten. Man geht die Invalidenstraße runter, links sieht man einen Discounter. Dort geht man über die Straße, rechts von der Invalidenstraße geht der Lesser Ury Weg ab. Eine Spielstrasse. Die geht man entlang bis zum Ende auf ein gelbes Haus zu, nach links gehen. In der Seydlitzstraße wechselt man am besten dort gleich auf die andere Seite. Dort ist ein kleiner Durchgang über den Parkplatz. Schilder sieht man keine.

Leicht zu übersehen, dann muss man einmal um den kompletten Parkplatz rum, rechts hoch, wieder links und geht weiter oben parallel zur Seydlitzstraße das Stück wieder zurück. Unmittelbar neben dem Bad wird gebaggert und gebaut.

Man überquert also am Durchgang gleich hinter dem Altkleidercontainer den Parkplatz und geht dann nach rechts, nochmal links. Dann steht man vor dem Hallenbad.

 

Man kann auch über die Lehrter Straße weiter vorn gegenüber des Hauptbahnhofes entlang gehen. Die beschriebene Strecke aber ist um etwa 5 Minuten kürzer.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Blindschleiche (Mittwoch, 22 März 2017 20:25)

    Ja, da war ich immer zum Frühschwimmen bis sie 2016 nur noch an zwei Tagen in der Woche Frühscwimmen angeboten haben. Dann in den Ferien bei gutem Wetter Spontanschließungen wegen "personeller Unterstützung des Sommerbads Humboldthain". Meiner Meinung nach ein klarer Fall von Entwöhnung der Badegäste, Verdrängung in andere Bäder (in welche genau im Sommer?)und intelligente Schließung. Wird garantiert nach der Instandsetzung ein Vereinsbad, bestimmt dann ohne Öffentlichkeit. Ich könnte echt überschäumen vor Wut!