Schwimmhalle Kaulsdorf

Typ Berlin 83 wurde 93 eröffnet

Schwimmbäder, errichtet nach einem bestimmten Bautyp sind sich natürlich ähnlich. Und trotzdem, bedeutet das nicht, kennt man eine, kennt man alle. Jede hat ihre Geschichte, ihre Farben, ihren Charme. Die Schwimmhalle in Kaulsdorf wurde bereits seit 1984, im Rahmen des Wohnungsbaus in der damaligen *DDR* gleich mit geplant. Damals völlig normal, dass  bei Verdichtung im Wohnungsbau Kultur- und Gesundheitseinrichtungen von Beginn die gleiche Rolle wie die Wohnungen an sich spielten. Das hat sich ins Gegenteil verkehrt. Schwimmhallen und Flächen von Freibädern sollen dem Wohnungsbau weichen. Was für ein Rückschritt in der Stadtplanung. 

Als die 1 Millionste Kaffeemaschine der bekanntesten Marke der *DDR* "Moccadur" am 29.12.1984 vom Band lief, war von einer Schwimmhalle noch nichts zu sehen. Was auch immer der Grund war, die Schwimmhalle wurde bis zum Untergang der *DDR nicht (fertig) gebaut

1991 versprach der damalige regierende Bürgermeister, Walter Momper, eine Eröffnung 1991. Als auch das nichts wurde, gab es sogar Protestaktionen von Berlinern, die schwimmen wollten.

Erst 2 Jahre später, 1993, als die *DDR*  längst Geschichte war, wurde das Schwimmbad eröffnet. 

Die letzte Teil Sanierung war von Januar bis Februar 2017. 

 

Das Foyer der Schwimmhalle wirkt heller als die anderen des gleichen Bautyps, vielleicht weil es nicht zu viele Schilder gibt, weil keine Schuhe überall rumstehen, vielleicht ist einfach die Beleuchtung freundlicher. Ein Snackautomat mit Schokoriegeln und Co zu normalen, nicht überteuerten Preisen, ein paar saubere Sitzgelegenheiten, ein geschlossenes Kassenhäuschen. Mit einer der nettesten Kassiererinnen der Berliner Bäder Betriebe.

Nach dem Drehkreuz beginnt der Barfußgang. Anders als in den meisten Schwimmhallen im Osten der Stadt wird hier auf Schildern ein freundlicher Ton gepflegt. Wie meist üblich, vorn die Herren Umkleiden, hinten die Damen, geradeaus die Sauna. Der ganze Gangs war unglaublich sauber, kein Staubkorn auf den riesigen Spiegeln, keine Fettflecken, nichts. Es gibt je zwei Sammelumkleiden mit je einer Einzelkabine. Sauber, helle Farben, aber...Der Schließmechanismus der Spinde ist ohne Übung etwas merkwürdig und unnötig kompliziert. Mit Bildern wird dargestellt, wie das funktioniert. So ein komplizierter Bilder Quatsch. Man steckt den Euro rein und muss ihn etwas runter drücken, sonst schließt der Spind nicht. Eine Dame hatte einen super Trick. Sie hat feste Karten in Größe einer Scheckkarte (oder auch zum Beispiel Mehrfachkarte der Berliner Bäder Betriebe) mit zwei Löchern an den entsprechenden Stellen. Die steckt man in den Schlitz hinter dem für die Münze. Fertig. 

Zur Dusche geht es durch zwei Milchglas Schwingtüren. Und da ist ein Problem. Wenn es voll ist, man an den Spinden dort steht, kriegt man permanent die Tür in den Rücken. Die Türen dürften nur Richtung Dusche öffnen, dann wäre das Problem gelöst. 

Die Kacheln in den Duschen, beige, erinnern an Badezimmer aus den 1990 er Jahren. Und das ist in diesem Fall positiv gemeint. Durch die Farbe wirkt die ganze Sanitäranlage fast wohnlich, tolle Aufteilung in Ecken, die ein bisschen Intimsphäre wahren für diejenige, die das braucht. Es gibt Haken und an jeder Dusche richtig schöne Ablagen, sauber, nichts abgesplittert. Es zieht dort nicht wie z.B. in der Zingster Strasse, ich vermute, das liegt an der Schwingtür. Ein Traum aber ist die Funktion der Duschen. Druckknauf, Temperaturregler, sie laufen lange genug, werden richtig warm oder kalt. Genau wie die Toiletten war es blitzsauber, obwohl die Schwimmhalle richtig gut besucht war.

Durch den kleinen Gang kommt man zum Schwimmbecken.

 

25 himmelblaue Meter. Ich hätte fast vor Freude einen Luftsprung gemacht.

Da war sie. Die Ideallösung einer Schwimmbecken Aufteilung. In der Mitte eine abgeleinte, schmale Bahn. Rechts und links entstehen so zwei Areale. So können unsichere Nutzer an Rändern bleiben. Die bekannten Schwimmarmadas auf einer Seite ihre Plauderrunden abhalten, auf der anderen Seite Kinder hopsen und springen und in der kleinen Bahn Schwimmer ihre Bahnen ziehen.

Das kleine Planschbecken war gut gefüllt mit spielenden Kindern und deren erwachsenen Begleitern.

Das Bad ist wirklich hübsch, selbst die Holzdecke drückt hier nicht die Atmosphäre, im Gegenteil. Im Bad gibt genügend Ablagen, Haken und so kleine Fächer. 

 

Der Traum der idealen Schwimmbecken Aufteilung war allerdings ganz schnell ausgeträumt. Ich stand bestimmt 5 Minuten völlig entgeistert zuerst am Kopf des Beckens, bin dann die Längsseite entlang, weil ich dachte, ich sehe das vielleicht alles falsch. Jugendliche sprangen an der Längsseite am Fenster immer wieder ins Becken, zwei etwa 13 jährige schubsten einen anderen Jungen ins Wasser in dem, bis auf 3 Personen, Senioren im Wasser waren. Auf der anderen Seite der Bahn nur Senioren, insgesamt etwa 40 Gäste. Und niemand braucht zu glauben, dass in der abgeleinten Bahn sportliche Schwimmer waren. Nein. In dieser Bahn befanden sich 6 Herrschaften, alle mit dem Kopf oben, stehend im Wasser irgendwie auf die andere Seite. Einer plauderte munter mit einem Herren auf der anderen Seite der Leine links. Währenddessen versuchten 3 Gäste auf dem Teil rechts irgendwie sportlich nach vorn zu kommen. Die junge Frau musste nach jeder 25 Meter Bahn pausieren, weil niemand Rücksicht nahm. Ich saß eine Weile am Rand des Becken. Als ein alter Herr auf mich zu schwamm, sprach ich ihn an, ob er öfter hier zu Gast ist. Da sagt er "Sie müssen an der Treppe reingehen, das ist hier so". Hä? Ich gleite dort ins Wasser, wo es mir gefällt.

Ich habe dann versucht in der abgeleinten Bahn zu schwimmen. Unmöglich. Richtig entnervt war ich, als ich am Rand guckte, ob ich los schwimmen kann und mich eine der Wassersteherinnen ansprach "Sie müssen hier nicht so schwimmen, ich werde ganz nass von dem Wasser" Ich bin mittlerweile genauso frech und habe nur gesagt "Das ist eine Schwimmhalle" 

Kein Mitarbeiter ist während meines Aufenthalts am Becken gewesen. Die Mitarbeiter saßen in ihrem Aufsichtsraum, Tür die gesamte Zeit geschlossen, auch das habe ich so noch nie in einem Bad gesehen. "Wir sind Ansprechpartner" gilt hier nur für diejenigen, die die Hemmschwelle geschlossener Türen überwinden.

 

Erwähnenswert finde ich die Föhne. Sie laufen lange genug, sind super sauber,  wie der gesamte Gang. Kleine Hocker, Sitzbänke, um die Schuhe wieder anzuziehen. Da wurde mit gedacht, anders als in der Zingster Strasse.

 

Fazit: Da gibt es die Ideal Lösung einer Becken Aufteilung und keinen interessiert es. Ein Schild an der Mittelbahn mit der Aufschrift "nur sportliches schwimmen", mit bebilderten Schwimmstilen, was sportlich ist, Aufsicht und es ist ein tolles Bad für alle. So ist es ein Bad für gemütliche Wasser Liebhaber und Kinder, die machen was sie wollen.

 

 

 

In Kaulsdorf lebte der bekannte Naturwissenschaftler Franz Carl Achard. Eine seiner wichtigsten Entdeckungen war die Gewinnung von Zucker aus Rüben. Die Schwimmhalle sollte meiner Meinung nach seinen Namen tragen.

Die Schwimmhalle ist gut zu erreichen. Ich bin mit der U 6 bis Tempelhof gefahren, dort in die Ringbahn bis Frankfurter Allee und dann in die U Bahn Linie 5 Richtung Hönow bis Kaulsdorf Nord. Natürlich keine Hinweisschilder zum Schwimmbad. Ausgang Hellersdorfer Strasse. Man geht an den Geschäften vorbei, über die Kreuzung durch die Ludwigsfelder Strasse genau auf die Kneipe mit Namen "Klabautermann" zu. Rechts oben ist das Bad.


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