Schwimmhalle Baumschulenweg

Eröffnet wurde die Schwimmhalle am 02.02.1980.* Sie war die neunte Schwimmhalle die in der Zeit der *DDR* in Ostberlin gebaut wurde.

 

Wer A sagt und feststellt, dass die Volksschwimmhalle Typ

A nklam in unserer Stadt nicht existiert, der sollte einfach B sagen.

Nicht so oft vorhanden wie Typ C. B ist etwas besonderes. Nur noch zwei Mal in Berlin vorhanden, die andere, in der Holzmarktstrasse, soll ersetzt werden durch ein neues Bad.

 

B, also der Typ B itterfeld unter den Volksschwimmhallen der *DDR* hat einfach mein Lieblingsdach. Keine eckigen Wellen, sondern 'richtige', trotz der Schlauchgänge oder vielleicht sogar gerade weil sie so sind, Kindheitserinnerungen auch aus Westbädern. Nicht durchgehend gefliest, wirkt dieser Bad Typ immer wie die zu groß geratene gute Badestube.

Ich erinnere mich noch an meine ersten Besuche der *DDR* Schwimmhallen.

Ich hatte mich damals auf Abenteuer eingestellt-  unterwegs  in fremden Schwimmbadwelten. Und dann traf ich auf die Typbauten und war...irgendwie erinnert an meine alte Schwimmstätte die längst abgerissen ist.

Typ B hat(te) am meisten von dieser alten Erinnerung.

Ich erinnere mich als ich diesen engen Gang zum ersten Mal in einer *DDR* Schwimmhalle sah mit gefühlt 1000 Föhnen, die Türen "Damen" und "Herren", zack, war ich 10 Jahre alt und sah mich und die KlassenkameradInnen in Reihe unter den Föhnen sitzen. Die Jungs schon auf den Bänken gegenüber. Überall Schuhe unter den Bänken.

 

Die Enge setzt sich fort in den Umkleiden, dunkelgrün und  weiß, eine an der anderen. Enge Gänge, immer an den mintgrün abgesetzten Fliesen entlang. Richtungsanzeiger um zu den Duschen und dann in die Schwimmhalle zu kommen.

Wie jetzt, du findest Enge gut? Es ist gar nicht wirklich eng, nur eben praktisch platzsparend gebaut. Hohe Decken, zu denen sich ein Blick durchaus lohnt, die Wellen wiederholen sich. Oberlichter die neben der künstlichen Beleuchtung die Räume nicht als zu eng erscheinen lassen.

Sauber war es. Sehr sauber und leer. Noch hat sich nicht herum gesprochen, dass die Schwimmhalle Donnerstags von 10 bis 14 Uhr der Öffentlichkeit zugängig ist. Ob Umkleiden, Spinde, Sitzgelegenheiten, von allem ist genug da und das ist sinnvoll. Dieses Bad war, solange die Öffentlichkeit mehr  Zutritt hatte als in der letzten Saison, gut besucht. Zu Saisonbeginn im Herbst 2015 wurde es Schul- und Vereinsbad. Oder nein, Schul-Kurs- und Vereinsbad, so steht es im Bäderkonzept. Eine Willkürentscheidung, denn in Treptow ist es das einzige Schwimmbad.

In der Saison 2016/17 sollte es Dienstags von 16 bis 21.30 Uhr der Öffentlichkeit zugängig sein, was daraus wurde, ist bekannt. Aus einer als temporär gekürzten Öffnung wurde eine dauerhafte und zuletzt gehörte es zu den Bädern, die lange vor einer Sommersaison der Öffentlichkeit versperrt war. Im Foyer wird man empfangen von dieser Dame.

Es gibt mehrere Sammelumkleiden, die Spinde funktionieren mit der 1 Euro Pfand Methode. An den grünen Streifen entlang geht es zu den Duschen. Sauber, grün weiß wiederholt sich, aber ich dachte, mich trifft der Schlag. Diese elendigen Duschpaneelen, silberfarben, auf den Fliesen. Leute, gehts mit noch weniger Sinn für Ästhetik und noch weniger Respekt vor historischen Bädern?

Die Temperatur ist regelbar, aber wirklich warm ist anders. Es gibt genügend Haken und Ablagen. Die Toiletten waren blitzblank, keine vollen Mülleimer. Nur weil es leer war, heißt das ja nicht, dass nicht gestern Müll angefallen ist, der war jedenfalls entsorgt. Was leider nicht überall üblich scheint.

Durch eine Tür geht es in die Schwimmhalle.

 

25 Meter, 2 abgeleinte Bahnen, himmelblau. Tief gelegen.

Super sauberer Boden. Helle Fensterfront.  Haken, Sitzgelegenheiten, ja sogar Strandkörbe und Liegen. In den beiden Bahnen war jeweils nur eine Person, auf der restlichen Fläche 6, 7 Leute.

Ich bin, mit meinen üblichen neugierigen Fragen, Baujahr, Auslastung, Originalteile zum Personal gegangen. Jede noch so unübliche Frage wurde beantwortet. Super freundlich. Die kennen ihr Bad. Einer der Mitarbeiter sagte dann "das Wasser ist kuschlig warm". Ich muss geguckt haben wie ein erschrockener Frosch. Gestammelt habe ich nur "oh nein, bitte". Er lachte, sagte "so 28,3" und obwohl ich erleichtert war, "Gott sei Dank, ich dachte schon..." stand er  auf, holte einen Temperaturmesser und zeigte mir, es waren 28,6 Grad. Puh.

 

Ich bin auf die Außenbahn gegangen. Der Mann machte gerade eine Pause und ich fragte ihn "wollen wir im Kreisverkehr schwimmen oder mögen sie lieber jeder auf einer Seite" Die Antwort hat mich völlig verblüfft. "Ich richte mich gern nach Ihnen" Wow. Diese Höflichkeit, nicht die Tatsache, dass sich jemand nach mir richtet, sondern eine freundliche Bereitschaft, gegenseitig Rücksicht zu nehmen, wann war das eigentlich zuletzt in meinem sonstigen Donnerstags Bad mit Unbekannten der Fall? Das ist so lange her, dass ich genau deshalb nach Ersatz suche für diesen Tag. Gefunden hoffe ich.

Wortfetzen von der Nachbarbahn zweier völlig friedlich sich unterhaltender Herren die einander nicht kannten, über das schöne Bad. Völlig ungestörtes Bahnen ziehen, ich hab mich sogar getraut Rückenkraul zu üben. Und Einarmkraul. Und die Lochte Wende. Und das ohne ein einziges Mal die Beine des Brustschwimmenden in den Bauch getreten zu bekommen, kein einziger Schlag mit ausholenden Händen. Schnurgrade Leinen, kurze Bekanntschaft mit einer Leiter, was muss ich auch immer an der Wand kuscheln, kurzum

Schwimmen pur.

Zum Abschluss noch ein kleiner Spaziergang an die Wand am Nichtschwimmerbecken. Alte, Original? Schilder mit Schwimmstilen und wie sie ausgeführt werden. Leider keine Fotos, wer rechnet denn damit ganz allein in einem so tollen Schwimmbad zu sein. Mittlerweile waren alle weg.

Die Föhne sind allerdings echt nervig. 8 Stück und ich mache es, wenn sie frei sind, in Bädern so, dass ich immer einen Föhn weiter gehe bis die Haare trocken sind. Nummer 6. Und die Haare waren immer noch feucht. Muss das sein? Offensichtlich. Ich sprach den freundlichen Kassierer an, der mir sagte, dass es wohl Beschwerden über unterschiedliche Laufzeiten der Föhne gab und so hat man alle nach dem kürzesten eingestellt. Boah, echt, Berliner Bäder. Nee.

Fazit

Für mich zur Zeit der Geheimtipp für Sportschwimmer Donnerstag Vormittag. Auch andere sind hier gut aufgehoben. Geöffnet ist für die Öffentlichkeit

Montag, Dienstag und Freitag 6.30 bis 8 Uhr, Dienstag von 16 bis 19.30 Uhr und Donnerstags von 10 bis 14 Uhr (Stand September 2017)

 

Ausstattung

Es gibt ein Nichtschwimmerbecken, eine Trockensauna. Hallo, Größter Bäder Betrieb Europas, hat die Sauna Öffnungszeiten? Wie wäre es, die mal zu veröffentlichen? Ach nee, die ist derzeit nicht geöffnet. Kein Personal?

Im Foyer gibt es einen Snackautomaten, normale Preise.

Ich bin von Tempelhof mit der S Bahn gefahren bis Baumschulenweg. Von der S Bahn sind es zu Fuß vielleicht 6,7 Minuten. Es gibt auch die Möglichkeit 1 Station mit dem Bus zu fahren. Der fährt übrigens bis zum Fähranleger.

*Quelle: Zeitungsmeldungen

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Kommentare: 1
  • #1

    Dirk Franke (Donnerstag, 14 September 2017 21:45)

    Jetzt frage ich mich, ob die Dame neu ist oder ich bei meinen letzten Versuchen von herausragender Blindheit geschlagen war.. Aber auch an Duschpanele kann ich mich nicht erinnern. Woran ich mich erinnere: die echt familiäre Atmosphäre, die Strandkörbe und so das gewisse Gefühl "zu Hause" zu sein, selbst unter völlig fremden Leuten. Eine Schande, dass es so selten auf hat.