Die Berliner Bäderbetriebe im Dialog mit Bäderbesuchern : Schwimmhalle Baumschulenweg muss wieder öffentliches Bad werden"

In der vergangenen Woche gab es zwei Angebote für Bäderbesucher mit dem "Größten Bäderbetrieb Europas" ins Gespräch zu kommen.

 

Unter dem Titel "Schwimmhalle Baumschulenweg muss wieder öffentliches Bad werden" und "Baden Sie mit uns" luden jeweils PolitikerInnen der Partei Die Linke in Treptow Köpenick und in Lichtenberg zu Veranstaltungen ein.

So unterschiedlich die Diskussionsgrundlage, so ähnlich war die Besucherzahl, rund 30 Interessierte waren jeweils anwesend.

"Schwimmhalle Baumschulenweg muss wieder öffentliches Bad werden"

 

Am 26.02.2018 lud Katalin Gennburg, Die Linke die Bäderbesucher ein, mit dem Vorstandsvorsitzenden der Berliner Bäderbetriebe, Andreas Scholz-Fleischmann, und dem sportpolitischen Sprecher der Partei, Philip Bertram, zu diskutieren.

 

Frau Gennburg nahm Bezug auf ihren Wahlkampf in dem die wenigen öffentlichen Zeiten bereits ein großes Thema gewesen waren. "Was läuft schief" fragte sie und der Chef der Berliner Bäderbetriebe und Phillipp Bertram antworteten.

 Bäderchef:

 

  • Die Öffentlichkeit möchte nicht im Parallelbetrieb mit Schulen und Vereinen schwimmen
  • Es fehlen 60 Mitarbeiter
  • Mitarbeiter sind nicht/ nur schwer zu finden
  • Die Technik alter Bäder

Sportpolitischer Sprecher der Partei Die Linke:

  • Wir wollen das Bäderkonzept überarbeiten (eine andere Tonalität hat das in einem Tagesspiegelartikel)
  • Datengrundlage für Zuschüsse fehlt
  • Gestiegene Zuschüsse, gesunkene Leistungen

Meine Meinung:

So bedauerlich ich es finde, aber die Satzbausteine könnte ich eins zu eins übernehmen.

Natürlich kann er nichts für das Bäderkonzept, das ohne Beteiligung der Öffentlichkeit zustande gekommen ist und Bäder in

Öffentlichkeitsbäder

Mischbäder

Schul-Kurs- und Vereinsbäder

einteilt. Ohne sichtbare Berücksichtigung der Umstände in Bezirken oder Sozialräumen, hat das dazu geführt, dass ganze Regionen auf dem Trocknen sitzen, während andere u.a. zwei Bäder, mit ÖPNV nur 15 Minuten voneinander entfernt die längsten Öffnungszeiten, auch an Wochenenden aufweisen.

Frau Gennburg stellte  Fragen:

  • Wo versinkt denn das Geld?
  • Wer kümmert sich um Nachwuchsausbildung?
  • Wie ist es mit z.B. Ehrenmatlichen, die man beschäftigen könnte?
  • Was wäre eine Option für eine "schnelle Eingreiftruppe" (Wenn ein Mitarbeiter ausfällt und das passiert weiter, das Bad schließt dann Bereiche oder komplett)

Bäderchef

  • Es gibt Vorschriften, wie viele Aufsichtskräfte am Beckenrand sein müssen.
  • Den Personaletat haben wir ausgeschöpft
  • Personalbedingte Schließungen liegen nur noch bei Ein Prozent
  • Schließungen erfolgen aus technischen Gründen

Eine Zuschauerin merkte an, dass die Schwimmhalle während der Ferien geschlossen war.

Der Bäderchef nannte zunächst "Teamtag" als Grund.

Mein Kommentar: Das Bad hat seit Ende 2015 immer in Ferien komplett geschlossen.

Es war nicht nur einen Tag zu, sondern auch in den Winterferien komplett.


Der Bäderchef führte aus, dass Vereine in Berlin kostenlos Wasserfläche erhalten "und er sagte, "dass die Mitarbeiter sagen, dass manchmal so wenig Leute kommen und dass das dann verschwendete Wasserzeit sei."

Seine Worte: die Haltung, was kostenlos ist, gilt nichts. Man sei an dem Thema dran, sich einen Überblick der tatsächlichen Auslastung der von Vereinen beanspruchten Zeit zu verschaffen-

Meine Meinung: Das, für mich, positivste Signal zur effektiven Nutzung der Wasserfläche.

Ohne Funktionsneubauten gibt es zur Zeit nur zwei Wege, die machbar sind, mehr Wasserfläche zur Verfügung zu stellen

Effektive Nutzung

Kein Leerstand durch Personalmangel oder Mangel an Zuschüssen


Ein Zuschauer fragte,

  • ob es die Möglichkeit gäbe, für Wassersportvereine Wasserfläche zu bekommen (wenn ich es richtig verstanden habe, ist er von einem Ruderverein)
  • Er fragte, wie viele unbesetzte Stellen es gibt

Bäderchef antwortete

  • Er könne das beantragen unter den Bedingungen der Sportförderungswürdigkeit (das Procedere wurde erklärt)
  • Die Antwort war eingangs schon angeführt (der Zuschauer kam später) worden: 60.

Fragen und Anmerkungen von ZuschauerInnen:

 

  • Die DLRG bildet doch Rettungschwimmer aus, da läge es nah, dass da ZUsatzpersonal rekrutiert werden könne
  • Warum wendet man sich nicht direkt an z.B. Sportstudenten. Die brauchen immer Jobs
  • Was ist der Grund für den Personalmangel?
  • Bei Schulen nimmt man Quereinsteiger, ob das für Bäder zu kompliziert ist?
  • Warum ist man nicht kreativer bei dieser Frage?
  • Als arbeitende Bevölkerung wird es ganz schwierig; ich hatte mal eine Jahreskarte für Spätschwimmen, die ist mir verfallen. Habe das Geld nicht wiederbekommen. Sommerbad Wuhlheide hat um 17 Uhr Kassenschluss. Würde ja schon reichen zwei Tage die Woche abends zu öffnen.

  • Was ist die angestrebte Betriebsstundenzahl pro Woche? Die Woche hat 168 Stunden 10 Stunden pro Tag müssten es sein.

 

Antworten des Bäderchefs

 

  • Wir haben uns vorgenommen Bäder von 6.30-21.30 Uhr zu öffnen, das bedeutet ein Arbeitszeit von 6-22 Uhr für die Mitarbeiter. Also zwei Schichten. Vor 6.30 Uhr sei die Frühschwimmerzahl einstellig und nach 22 Uhr ebenfalls. Das ergibt eine Auswertung über das "Drehkreuz"
  • Wir haben das Geld nicht, um genügend Leute einzustellen. Wir sind ein Zuschussbetrieb. Das ist gut so, wir haben das Tarifsystem nochmal günstiger gemacht. Wir müssen immer ringen mit dem AGH um die Höhe der Zuschüsse. Haben höhere bekommen, sowohl investiv als auch konsumptiv.
  • Wir arbeiten mit vielen Hochschulen zusammen, vor allem im Sommer. Da brauchen wir Saisonkräfte.
  • Wir sitzen gerade an einem Tarifvertrag ähnlich wie bei der BSR mit Bedarfskräften.
  •  Belegungspläne, die nun für jedes Bad hinterlegt sind.
  • Zu 97% zuverlässige Öffnungszeiten

P. Bertram

  • Wenn ich ein Jahr lang keine Auskunft bekomme, wie viel Bedarf wir haben, um einen komplett sauberen Betrieb sicherzustellen, kann ich keine Gelder freigeben. Zum Ende der Haushaltsberatungen kamen die Antworten, das war aber zu spät. Das ist einfach extrem schwierig. Wir haben die Bereitschaft, das Zuschussgeschäft so zusteuern, dass es funktioniert. Es geht darum, die Bäder so verlässlich wie möglich offenzuhalten. Da tut es mir auch leid, wir können da nicht ins Blaue hinein Geld zuschießen.
  • Wir haben am Ende ein sog. Performance-Problem. In den letzten Jahren gab es keine schlüssigen Konzepte zur Instandhaltung. Welchen Instandhaltungsstau haben wir, was müssen wir investieren. Wir haben auch ein Problem innerhalb der Verwaltungsstrukturen im Rahmen der Kommunikation.
  • Studenten: halte ich nicht für sinnvoll im Regelbetrieb. Wir werden uns daran als R2G nicht beteiligen, dass wir diese Personalstruktur weiter mit fördern. Ziel muss doch ein ordentlich ausfinanzierter Werkvertrag sein. Auch dazu wären wir bereit, wenn es ein schlüssiges Konzept gibt.
  • Klar müssen wir uns Gedanken machen über die Vereinsnutzung, das höre ich von überall in der Stadt. Wir haben aber nun mal diese Teilung in Öffentlichkeit und Vereine, das hat seine Berechtigung. Wenn ein Schwimmverein z. B. in einer Saison jeden Samstag Wettkampf hat und nicht jeden Tag davon nutzt, muss es Möglichkeiten geben, diese Zeiten besser auszunutzen. Da bin ich froh, dass es inzwischen gelungen ist, abzurufen, wie die Bahnen belegt sind. Das reicht aber noch nicht. Es gibt heutzutage in der Digitalisierung bessere Möglichkeit, das transparent zu machen

Mein Kommentar: Im September waren etwa 3-4 Bäderbesucher zum Beispiel in der Zeit Donnerstag, gegen 11 Uhr im Wasser. Im Januar habe ich 39 gezählt.

Ich möchte mal konkrete Zahlen, Bädern zugeordnet und nachgewiesen, sehen.

Eine Frage aus dem Publikum

 

  • Sie sagen, 50% der Öffnungszeit soll laut Bäderkonzept der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. 50% von was? Oder anders gefragt: was sind 100%?

 

Bäderchef

  • Wir verwalten im Grunde den Mangel, alle wollen mehr Wasserfläche. Wir haben ein bestimmtes Budget, an das wir gebunden sind. Natürlich gibt es auch organisatorische Probleme. Wenn man das stark zusammenfasst, haben wir auch Probleme, qualifizierte MA zu finden, es gibt aber sicher auch organisatorische Verbesserungsmöglichkeiten. Wir hatten im letzten Jahr 94 Prozent der Wasserzeiten eingehalten. In diesem Jahr sind wir bei 97 oder 98 Prozent. Die ungeplanten Schließungen haben wir sehr stark zurückgefahren. Aber für so eine Quote würde die Deutsche Bahn ne Werbekampagne aufsetzen. Wir haben den Krankenstand gesenkt und die Verfügbarkeit erhöht. Die Richtung stimmt, wir sind besser geworden. Bis Ende des Jahres schließen wir einen Unternehmensvertrag ab mit dem Land Berlin, in dem wir regeln, was möchte der Besteller der Leistung an Verfügbarkeit haben, und was ist der Preis dafür. Ich habe keine andere Auffassung von Daseinsvorsorge, dass auch der Letzte, der schwimmen gehen möchte, noch um vier Uhr nachts schwimmen gehen kann. Das sage ich als meine persönliche Meinung, ich möchte, dass die Politik uns das sagt.
  • Die 600 Mitarbeiter sind da, aber uns fehlen die 64, die wir an Bruttobesetzung bräuchten. Ich würde heute nicht Leute auf Vorrat einstellen. Wir werden versuchen, dieses Jahr mit mehr Saisonkräften hinzukriegen, aber im nächsten haben wir ne relativ vernünftige Personalsituation, die wird auf Jahre so bleiben.

Phillip Bertram

  • (Ich) habe versucht, deutlich zu machen, dass wir als Politik gerade handeln. Ich sitze nicht im Sportausschuss, um zu entscheiden, was wann offen hat. Es gibt zur Bahnbelegung regionale Beiräte, die entscheiden, und wir kontrollieren das. Das haben wir im letzten Jahr gemacht. Wir haben uns da als neue Koalition auf dem Weg gemacht, um zu Planbarkeit zu kommen.

 


Meine Meinung:

  • Frühschwimmen: das, was ich zähle, ergibt eine andere Zahl. Aber was weiß denn ich schon, dann sind das vermutlich immer Mitarbeiter im Wasser, wenn es mehr als 9 (einstellig) Bäderbesucher im Bad sind.
  • Belegungspläne: tolle Sache- wenn sie mit dem, was man im Bad vorfindet, wirklich zuverlässig übereinstimmen würden.
  • Personalfrage mit kreativen Ideen lösen Argumente, warum was nicht geht, aber keine Diskussion, wie man genau das ändern könnte
    Bezug auf das Bäderkonzept: widersprüchliche Aussage

Fazit:

Ein richtiger Schritt in Richtung Dialog mit Bäderbesuchern. Für diejenigen, die nicht in Ausschüssen anwesend sein können oder wollen, eine Möglichkeit, allgemeine Informationen zu bekommen.

Der "Größte Bäderbetrieb Europas" sieht die Verantwortung mehr bei der Politik-. Diese sieht sie beim Bäderbetreiber.

Ich möchte Frau Gennburg zitieren:

Das klingt alles etwas danach, als würden die Berliner Bäderbetriebe eine Art Eigenleben führen.

Für mich steht jetzt schon fest, das ist eines der Zitate des Jahres, die so ziemlich genau den Nagel auf den Kopf treffen.

Beschreibung Schwimmhalle Baumschulenweg

 

Die Situation im Bezirk Treptow Köpenick: Vergleich zur Saison 2016/2017


Die Zitate stammen aus dem Wortprotokoll durch ein Mitglied des Verbands der Berliner Bäderbesucher.

Ich bedanke mich dafür. Diese Art Wortprotokoll erleichtert mir die Darstellung solcher Veranstaltungen sehr.

Zusammenfassung der Veranstaltung "Baden Sie mit uns" am 01.03.2018 in Lichtenberg

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