Die Berliner Bäderbetriebe im Dialog mit Bäderbesuchern: "Baden Sie mit uns"

In der vergangenen Woche gab es zwei Angebote für Bäderbesucher mit dem "Größten Bäderbetrieb Europas" ins Gespräch zu kommen.

 

Unter dem Titel "Schwimmhalle Baumschulenweg muss wieder öffentliches Bad werden" und "Baden Sie mit uns" luden jeweils PolitikerInnen der Partei Die Linke in Treptow Köpenick und in Lichtenberg zu Veranstaltungen ein.

So unterschiedlich die Diskussionsgrundlage, so ähnlich war die Besucherzahl, rund 30 Interessierte waren jeweils anwesend.

Am 02.03.2018 Zur "Nacht der Politik" in Lichtenberg lud die Partei Die Linke ein, zum Thema "Faire Tarife und Bäder in Lichtenberg" zu diskutieren. Zum Themenkomplex gehörten in dieser Veranstaltung auch die möglichen Reaktivierungen der stillgelegten Bäder "Stadtbad Lichtenberg" und "BVB Bad" im Bezirk.

Das "Hubertusbad" genannte Stadtbad wurde bereits zum Teil 1988 (große Halle) und 1991 endgültig stillgelegt. Das "BVG" Bad (hat nichts mit den Berliner Verkehrsbetrieben zu tun) genannte Freibad an der Siegfriedstraße wurde noch vor 1989 stillgelegt.

 

Anwesend waren Dr. Gabriele Hiller, ehemalige sportpolitische Sprecherin der Partei Die Linke und Frau Annette Siering, Vorständin der Berliner Bäderbetriebe für Finanzen und Personal. Außerdem waren Sebastian Schlüsselburg, Die Linke im Abgeordnetenhaus und Gesine Lötzsch, Bundestagsabgeordnete Die Linke.

Frau Siering stand vor dem Publikum allein- ich hatte mit einer Art Podium gerechnet - und stellte die  Tarife detailliert vor.

 

  • Vergünstigungen wurden aufgezeigt
  • Klare Positionierung zu den geplanten Neubauten (Mariendorf und Pankow)
  • In Lichtenberg käme man zur Zeit nicht auf die vorgegebene 50% Öffnung für die Öffentlichkeit

 

Zunächst sollte eine Diskussion erst später starten, allerdings war das Publikum sehr lebhaft und so begann die Fragerunde sehr schnell.


Fragen und Anmerkungen der ZuschauerInnen

 

  • Die Zehnerkarte für die Sauna gibt es nicht mehr. Warum? Es ist effektiv dadurch teurer geworden. Die Preiserhöhung belaufe sich im diesem Fall (Schwimmhalle Anton Saefkow Platz) auf 20 Prozent
  • Ob es Sozialtarife gäbe- wenn ja, für wen?
  • Warum sanieren die BBB nicht das Hubertusbad und bauen stattdessen?
  • Warum wird, angesichts der Situation in Lichtenberg und Marzahn Hellersdorf (kein Freibad-  zwei Strandbäder, die verpachtet sind) das "BVG" Bad nicht saniert und die teuren zwei Neubauten an den bekannten Standorten geplant?

Bädervorständin:

 

  • Es gibt die 10+1 Karte nicht mehr, aber die Zehnerkarte gäbe es noch
  • Die Sozialtarife gibt es, 2 Euro, gültig ab 10 Uhr bis 15 Uhr, die Bedingungen findet man auf der Webseite. Für Schwerbehinderte gelten diese nicht, weil eine Schwerbehinderung nicht unbedingt mit finanziell schwacher Situarion einher gehen.
  • Die Zuschüsse sind begrenzt und die genannten Bäder sind nicht kommunal. Die Berliner Bäderbetriebe würden, auch wenn sie mehr Geld hätten, auf Neubau setzen. Die BBB wollen die Multifunktionsbäder, aber auch darüber hinaus mache es mehr Sinn, modern, Energie effizient und an die heutigen Bedürfnisse angepasst neu zu bauen. Alte Bäder zu sanieren sei immer kostenintensiver, insbesondere auch nach einer Sanierung. Die Kosten (am Beispiel Schwimmhalle Finckensteinallee) explodieren leider eben unvorhersehbar. Und hören nicht auf nach einer extrem teuren Sanierung so alter Bäder. Als Bäderbetreiber müssen die BBB wirtschaftlich arbeiten und das sei mit Neubauten besser zu bewerkstelligen.

Ich habe Frau Siering dann gesagt, dass die Tarife eben nicht im Großen und Ganzen günstiger seien. Für mich ganz persönlich ist es günstiger geworden (Jahreskarte, Bonuskarte fast ungenutzt). Ich habe angeführt, dass es in den drei "Familien- und Freizeitbädern" nun Zeitbegrenzungen gibt. Heißt, für 5,50 Euro 90 Minuten und 7,50 Euro für 180 Minuten, Preise für die man vor der sogenannten "Kleinen Tarifreform" den ganzen Tag bleiben konnte. Saunen, die teurer geworden sind, besonders weil es keine Zehnerkarten mehr gibt (es waren keine 10+1, aber Vergünstigungen mit so einer Sammelkarte) und die um 25 Euro teurer gewordenen Aqua Basic und Aqua 65+ Kurse, die besonders Senioren hart treffen. Ich habe gesagt, dass ich die Preise nicht von der Wertfrage lösen möchte. Die mir in der ganzen Debatte fehlt. Hier mein Beitrag dazu

Frau Sierings- beeindruckend sachliche und offene Antworten:

 

  • Es stimmt, für einige ist es teurer geworden. Die Sauna und Aqua Fitness Kurse gehören nicht zur Daseinsvorsorge. Da müsse man wirtschaftlich arbeiten und sei immer noch der günstigste Anbieter.
  • Die Sauna Zehnerkarten schreibe sie auf ihre To Do Liste

 


Frau Dr. Hiller fragte,

  • wenn das nun die "Kleine Tarifreform" ist, ob man eine große noch erwarten darf.
  • Die Frage nach dem Freibad für die Region wurde gestellt und welche Optionen die BBB da sehen. Als Beispiele wurden ein Ausbau des Kinderbads "Platsch" genannt, das "BVG" Bad oder ob es noch andere Optionen gäbe? Unter anderem die Frage nach Erschließung / Bademöglichkeit im Kaulsdorfer See (Trinkwasser Schutzgebiet)

Frau Siering

 

  • Ein Ausbau des Kinderbads mache nicht so viel Sinn, dort fehle die Fläche. Einfach nur ein Becken für Erwachsene macht noch kein Freibad.
  • Zur Reaktivierung des stillgelegten "BVG" Bads erklärte sie, dass es nicht (gesetzliche) Aufgabe eines Bäderbetreibers sei, diese Sanierungen durchzuführen. Dafür fehle die Grundlage und vor allem auch das Geld.
  • Eine weitere Tarifreform wird es nicht geben. Diese wird "kleine" genannt, weil es 2013 eine große gab. Auf deren Basis wurde diese jetzt angepasst.

  • Die Initiativen "Hubertusbad" und "BVG" Bad  stellten ihre Ideen noch einmal vor.
  • Das "Hubertusbad" zu sanieren und in Betrieb zu nehmen, sei nicht teurer als ein Neubau (Anmerkung aus dem Publikum: die Sanierung läge bei ca 30-35 Millionen Euro, Funktionsneubau ist ab 4 Millionen Euro möglich).
  • Die Preisstruktur der damaligen Betreiber (*DDR*- Bezirk)  wurde erwähnt. 20 Pfennige....
  • Für das seit ca 30 Jahren stillgelegte Freibad "BVG" Bad gäbe es nicht die vorgeschriebene Fläche (Liegewiesen etc). Ich muss zugeben, dadurch, dass es sehr unruhig war, zwei Herren hatten eine Meinungsverschiedenheit zu den Umständen das stillgelegte Bad betreffend, habe ich nicht alles hören können.

Frau Siering

  • positionierte die Berliner Bäderbetriebe klar als Bäderbetreiber, der von öffentlichen Zuschüssen eine Reaktivierung/ Sanierung nicht leisten kann. Und auch nicht als Aufgabe sieht.

50% öffentliche Nutzung- was sind 100%?

Weil Frau Siering selbst eingangs gesagt hatte, dass die Berliner Bäderbetriebe zur Zeit in Lichtenberg nicht die 50% öffentlich zugängige Wasserfläche in von ihnen betriebenen Bädern leisten, fragte ich die Frage, die in der Veranstaltung am Montag nicht beantwortet wurde

 

Was sind 100%? Geht man von den Betriebsstunden und Wasserzeiten aus, die jetzt geboten werden?

Diese Wasserzeiten sind geringer als noch 2014.

Ich sagte, dass wir seither drei Bäder mehr am Netz haben, eine wachsende Stadt sind und die Zuschüsse mehrfach erhöht wurden und die logische Konsequenz aus diesen Faktoren 100% doch mehr Wasserzeit als 2014 sein müssten. Was de facto nicht der Fall ist.

Die Öffnungszeiten, die momentan angeboten werden, sind die Basis. Sind 100%.

Schockierend, wenn man realisiert, dass die geringer gewordene Leistung nun die Basis ist. Und dennoch, die klare Antwort und die sachliche Offenheit ist etwas, mit dem man nun agieren muss.

Es ist wirklich so, wie die letzten Jahre befürchtet.

Hier mehr dazu

Immer weiter gekürzte Öffnungen führen irgendwann zu Zuverlässigkeit. Das ist bitter, aber ehrlich.

Mitglieder des Verbands der Berliner Bäderbesucher (VdBBB)  haben dann noch Fragen gestellt zu leerer Wasserfläche (am Beispiel Lichtenbergs) und Alternativen genannt. Frau Siering war sehr offen für die Vorschläge, der VdBBB wird mittelfristig dazu das Gespräch mit den Berliner Bäderbetrieben suchen

Sebastian Schlüsselburg informierte die Zuhörer noch über das Thema mögliche Enteignungen an Bezirks bezogenen und Berlin weiten Beispielen. Dass eine Partei Die Linke auch darüber diskutieren muss, wenn es um Flächen (hier Bäder) geht.

Frau Dr. Hiller fasste zusammen, dass man Kräfte Bezirkspolitisch und Landespolitisch bündeln müsse, das Engagement für ein Freibad in der Region müsse gemeinschaftlich angepackt werden. Da müsse man dran bleiben, mit Nachdruck.

Zuruf aus dem Publikum:

Jawoll, enteignen. Ging früher auch.

Dieser Zuruf fand viel Zustimmung.


Fazit

Schockierend, dass wir uns mit dem Ist Zustand (hoffentlich nur temporär) abfinden müssen, aber:

ein sehr guter Schritt, eine lebhafte, sehr sachkompetente und offene Diskussion der Berliner Bäderbetriebe mit den Bäderbesuchern mit unterschiedlichsten Erwartungen und Wünschen.

Auch mit dieser Veranstaltung wurde deutlich, mit welchen Diskrepanzen in den Erwartungen sich der Betreiber der Berliner Bäder auseinander setzen muss.

Situation der Bäder im Bezirk Lichtenberg: Vergleich Saison 2016/2017


Zusammenfassung Veranstaltung "Schwimmhalle Baumschulenweg muss wieder öffentliches Bad werden"

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