Faszination schwimmen in Berlin- gestern und heute: Fritz Werner Bad Marienfelde

Zeitaufwand, Kosten und Frust- es siegt doch immer die Faszination Schwimmen gestern und heute

 

Recherchearbeit ist mit vielen Umwegen verbunden, kostet viel Zeit, Geld und ganz häufig rennt man dabei in Sackgassen. Ob nun online, weil jedes Archiv andere Tools nutzt,  gefühlt 435 unterschiedliche Bedienungsanleitungen und man sich in jedes erst einfuchsen muss. Oder offline, wenn man, manchmal auch mit langer Anreise, vor Ort im Archiv sitzt, real 40 Akten a 300 Blatt durchlesen muss, oft in Sütterlin oder unleserlicher Handschrift alles versucht zu entziffern und dann ohne Ergebnis nach Hause fährt.

Das frustriert, manchmal führt es bei mir dazu, dass ich tagelang keine Lust mehr habe und denke, ach, das bringt doch nix.

Aber dann packt mich doch immer wieder die Neugier, Ehrgeiz oder einfach ein Satz in irgendeinem Buch gelesen oder im Bus ein Satz, aufgeschnappt und ich denke über neue Rechercheansätze und Wege nach.

Meist sind es andere die emsig recherchieren oder Zeitzeugen mit denen ich zu vielen unterschiedlichen Aspekten zum großen Thema "Historische Schwimmbäder in Berlin" spreche, die mich, ohne es zu wissen, motivieren.

Die kleinen Erlebnisse, Alltagswelt rund ums schwimmen, ob nun der heutigen oder längst vergessener Zeiten, sind es, die mich faszinieren.

Manchmal treffe ich auf Menschen, die sich anschließen, die mit recherchieren und  kurzfristig begeistert sind. Das bringt Enttäuschung mit sich, weil ich mich immer so freue über jeden, der Spass daran hat, historisches aufzubereiten. Ich kann aber auch verstehen, dass der Frust viele demotiviert.

Manchmal treffe ich auf Menschen, die mir eine Jahre- sogar Jahrzehntelange Erfahrung voraus haben und meine Faszination vergrößern.

Kürzlich telefonierte ich wieder mal mit einem Mann der so unglaublich viel weiß, so spannende Dinge erzählte, nicht nur, aber auch über vergessene Bäder in 'seinem' Kiez zu berichten wusste.

 

Ich suche ja immer wieder, meist vergeblich, auch Informationen zu Badeanstalten, Schwimmbädern in meinem Alt Bezirk Tempelhof.

Durch ein Telefonat mit Herrn Petermann und eine wundervolle Broschüre die im "Arbeitskreis historisches Marienfelde" erstellt wurde, konnte ich ein paar für mich neue Ergebnisse erfahren. Und wurde, wie immer neugierig. Im Tagesspiegel Newsletter Leute Tempelhof Schöneberg veröffentlichte Sigrid Kneist einen Zeitzeugen Aufruf.

Nach und nach kommen immer mehr Informationen zusammen und die Geschichte des untergegangenen Fritz Werner Bades muss scheinbar umgeschrieben werden.

Fritz Werner Bad

Bisher war mir nur bekannt, dass auf dem (ehemaligen) Gelände der Fritz Werner Werke an der Daimlerstrasse,  ab Anfang der 1950 er Jahre ein Freibad existiert hat. Ich erfuhr, auch durch einen Zufall, bei einem Small Talk am Beckenrand im Kombibad Mariendorf, von einer meiner liebsten Mitschwimmerinnen, dass sie dort schwimmen gelernt hatte. Ich erzählte ihr, dass ich lange schon vergeblich Zeitzeugen suche zum Fritz Werner Bad. "Da hab ich schwimmen gelernt". Ich war völlig perplex, aber superglücklich über ihre Berichte. Und wie viele dachte sie "ach, ich hab kaum Erinnerungen, ich war ja ein Kind" und dann sprudelten Informationen wie "eiskaltes Wasser,  ein Sprungbrett, Schulschwimmen" und einiges mehr.

In dem wundervollen Buch "Bäderbau in Berlin" von U. Bräuer und J. Lehne, das quasi eine, nein die einzige Bibel für alle Schwimmbadinteressierten in Berlin ist, findet man zum Fritz Werner Bad auch die Infos, die ich auch selbst recherchieren konnte. Bekannt war bisher, dass das Bad etwa Ende der 1940 er Jahre gebaut und Mitte der 1960 er Jahre aufgegeben wurde.

1937 (Landesarchiv)

1961 (Landesarchiv)

1982 ( Beuth Hochschule)



Das Fritz Werner Bad wurde allerdings schon viel früher gebaut als bekannt ist und bestand bis Mitte der 1980 er Jahre.

Zwischen 1932 und 1936 scheint das Bad gebaut worden zu sein.  Auf den Karten (Histomap, Beuth)  oben sieht man, 1937 hat das Bad bereits existiert, in einer historischen Karte vor diesem Jahr ist es noch nicht eingezeichnet. 

Hans Dominik hat das Bad in seinem Buch 1938 ausführlich beschrieben.

Die Fritz Werner Werke übernahmen die Kosten für den Ausbau, stellten das Grundstück und die "Gefolgschaft" (Mitarbeiter) bauten das Bad in Eigenleistung.

Auf 7000 Quadratmeter Gelände mit allem was ein Freibad braucht.

33,3 Meter lang* und 15 Meter breit war das Schwimmbecken.

3,60 tief an einer Seite, an der anderen 0,80 cm. Ein ideales Freibad für Schwimmer und Nichtschwimmer. Ein Sprungbrett war vorhanden, eine einladende Liegewiese  und Sanitärräume mit Duschen, überdachte Veranda zum verweilen und Speisen einnehmen. Alle 8-14 Tage wurde das Wasser ausgewechselt, das Bad verfügte über eine damals hochmoderne Filteranlage. Ganz offensichtlich, Ingenieure, die ihr Handwerk verstanden. Mit Inbetriebnahme stand es den Mitarbeitern und deren Angehörigen auch Sonntags zur Verfügung.

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Fritz Werner Werke

erzählte mir, das Bad wurde bis 1985 genutzt.

Er war dort häufig mit seiner Familie und verlebte schöne Zeiten auf dem Gelände. In Marienfelde war und blieb das Fritz Werner Bad das einzige Freibad. War es zunächst nur für Mitarbeiter und deren Familien gebaut, wurde das Bad nach dem Krieg auch von der Öffentlichkeit nutzbar.

Dort fand Schulschwimmunterricht für Kinder statt.

Ich bedanke mich bei J. Schuster für den Hinweis auf das Buch und die lebendige Schilderung seiner Erinnerungen.

Die Bilder stammen  aus dem o.g. Buch von Hans Dominik von 1938, müssen also vorher entstanden sein.

Ich bin gespannt, was weitere Zeitzeugen zu berichten haben.


Fritz Werner Bad

Der Ort heute

Google Map heute


Der "Arbeitskreis historisches Marienfelde" hat eine 12 seitige Broschüre zu "Badespass in Marienfelde" erstellt.

Mehr Informationen  findet man hier

Und ich kann jedem, der interessiert ist, nur empfehlen, die Broschüren zu bestellen. Liebevoll und sehr professionell, informativ und der kleine Betrag ist wirklich günstig in Anbetracht der Arbeit, die das alles gemacht haben muss.

Weitere Bäder in Marienfelde

Lange vor dem Fritz Werner Bad gab es schon eine Möglichkeit zu baden und schwimmen

Um 1900

Im Kirchteich, auf dem heute noch existierenden Dorfanger badeten die Kinder des Ortes. Auch in Lichtenrade gab es eine Badestelle, Röthepfuhl. Den nutzten auch  die Kinder aus Marienfelde an heißen Sommertagen.

Noch heute gibt es den Pfuhl, baden geht dort schon lange nicht mehr.

Das vergessene Schwimmbad "Vom Guten Hirten" Marienfelde

Erst 1974 wurde das heute noch immer geschlossene Schwimmbad in der Kirche "Vom Guten Hirten" eröffnet. Das später durch eine private Betreiberin aufgegebene Bad dümpelt ein trostloses Dasein trotz Engagement der BVV Tempelhof Schöneberg, die das Bezirksamt mit Antrag dazu aufgefordert hat, eine Wiedereröffnung zu unterstützen. Es gibt einen Interessenten der völlig ignoriert wird.

Mehr zum vergessenen Schwimmbad Marienfelde inklusive Fotos hier

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