Quo vadis, Berliner Bäder Betriebe?

18 Schwimmhallen von 35 (die der Öffentlichkeit zumindest teilweise zur Verfügung stehen) blieben zum Saisonbeginn, der traditionell mit dem Schulbeginn zusammenfällt in Berlin, geschlossen. In den restlichen Hallenbädern waren es insgesamt am Montag, den 04.09. 79,5 Stunden Betriebszeit in den Hallenbädern.

Geöffnet waren 10 Sommerbäder von 18. Gesamt Betriebsstunden waren hier 121.

 

In 17 Hallenbädern= 71 Stunden- unterschiedlich verteilt.

In 10 Sommerbäder= 116 Stunden- unterschiedlich verteilt

Man muss sagen, es wurde im Verlauf der ersten Woche dann besser, allerdings nur, um am Wochenende darin zu gipfeln, dass am Samstag in einer Hauptstadt, mit etwa 3,5 Millionen Einwohnern um 19 Uhr kein Bad mehr geöffnet war. Am Sonntag das gleiche Bild.

 

Etwas besser. Genau das ist einer Hauptstadt, einem Betreiber, der sich als "Größter Bäder Betrieb Europas" bezeichnet unwürdig.

Warum waren so wenig Hallen geöffnet?

Laut Berliner Bäder Betriebe wurde die "Sommersaison verlängert".

Das klingt gut, schaut man auf das Wetter, ist das wirtschaftlich ein Desaster.

Was also steckt wirklich hinter der "Saisonverlängerung" trotz mäßiger bis schlechter Wettervoraussetzungen?

 

Schaut man auf die angegebenen Gründe, muss man sich fragen, wer da was koordiniert. Da  waren "Wartungen nicht abgeschlossen"- zum Beispiel in der Schwimmhalle Allendeviertel.

Es sind  Legionellen, die eine längere Schließung notwendig machten. Wie sieht es im Stadtbad Lankwitz aus?

In den Bildern die Kommunikation.


Und zwar genau bis zu dem Tag, an dem ich schriftlich nachgefragt hatte, ob das Bad wirklich am 15.08.17 öffnet oder ob die Wasseraufbereitungsanlage länger "defekt" ist. Gut zwei Stunden nach meiner Mail stand auf der Homepage

Es gab dann noch zwei weitere Angaben zur Wiedereröffnung des Bades. Derzeit ist der 23.09. als Termin angegeben. Die Tatsache, dass es Legionellen sind, wurde erst auf die zweite  Nachfrage des Tagesspiegel eingeräumt.

Update: 15.09.2017 Erkrankter hat sich beim Tagesspiegel  gemeldet

Es gibt ein interessantes Urteil des BGH zur Auskunftspflicht von Behörden und wer als Behörde gilt

 

Hier der Ausschnitt aus dem Newsletter Steglitz Zehlendorf vom 07.09. Wer Fragen zu Legionellen hat, kann das Gesundheitsamt anrufen. Wer sich über das Informationsfreiheitsgesetz informieren möchte, kann hier nachlesen. Hier nur so viel: Legionellen an sich sind nichts Ehrenrühriges, sie sind quasi überall.

Einige der Hallenbäder sind seit heute, zumindest eingeschränkt, geöffnet. Geschlossen sind derzeit noch

die Schwimmhallen

Mitte und die SSE (Sanierung) Märkisches Viertel, Hüttenweg, Finckensteinallee, Neukölln, Wilmersdorf I, Tempelhof, Alte Halle Charlottenburg (für die Öffentlichkeit) und die Neue Halle bleibt am Wochenende wieder zu.


Das heißt leider dennoch nicht, dass zumindest jetzt eine Öffnung wie in der Saison 2016/17 erfolgt. Viele der Schwimmhallen laufen derzeit mit "Sonderöffnungszeiten", das heißt, gekürzte Zeiten für öffentliches schwimmen, aber auch für Vereine. In einigen sieht es so aus, als würde erneut dauerhaft die Wochen Betriebszeit geringer als schon in der letzten Saison.

Der Parallelbetrieb ohne konkrete Angaben, wie viel Wasserfläche der Vollzahler dann vorfindet nachdem er gezahlt hat, treibt derartige Blüten, dass es Bäder gibt, in denen es, z.B. früh von 6.30-7 Uhr uneingeschränktes schwimmen gibt.

Na ja, die Sommerbäder brauchen ja mehr Personal, könnte mancher denken. Ist das so? Wie viele Besucher sind denn in den Freibädern bei Regen, unter 20 Grad? Zuletzt war ich z.B. im Kombibad Seestrasse Sommerbad. 10 Besucher in der Zeit, in der ich dort war. Für diese Besucherzahl reichen die Saisonkräfte. Zumal in den meisten Freibädern die Betriebsstunden gekürzt wurden, respektive die "verlängerte Saison" vorzeitig beendet wurde. Im Sommerbad Kreuzberg wird derzeit unter "Hochdruck" das Sportbecken saniert. Mehrfache Hinweise in Sozialen Netzwerken zeigen, dass teilweise keine Bauarbeiten stattfinden.

Hier nur kurz: warum wird der Steuerzahler nicht informiert über Baufortschritte?

In Kreuzberg z.B. hat das Wasser derzeit gefühlt 16 Grad. Wie viele Besucher kommen dort noch?

Update: 13.09. Die Sommersaison im Kombibad Seestrasse wurde ohne Vorankündigung heute um 14 Uhr beendet

Es gibt, so war es im Sportausschuss im Juni im Abgeordnetenhaus vom Bäderchef, Andreas Scholz-Fleischmann, zu hören, derzeit eine Umstrukturierung innerhalb der Berliner Bäder Betriebe. Außerdem wird das Bäderkonzept evaluiert (download des derzeitigen von 2014 unten) Es gibt also eine Umstrukturierung der erst seit 2013 umstrukturierten Bäder Betriebe. Und was das Bäderkonzept betrifft, gilt das offensichtlich nur, wenn es um Ausschluss der Öffentlichkeit geht, nicht aber z.B. bei der Defintion "Öffentlichkeitsbad" (ohne Vereine und Schulen, siehe Öffnungszeiten und Angaben z.B. Stadtbad Wilmersdorf I)

Wohin gehen die Berliner Bäder Betriebe?

Ich hatte bereits 2015 hier auf dem Blog vor mich hin fantasiert, dass ich damit rechne, dass Bäder 'ausgelagert' werden. Sogenannt "beliebte" Bäder (also Bäder, die vom Betreiber bevorzugt behandelt werden, lange Öffnungszeiten, schnelle Reparaturen, genug Personal, wie z.B. die SSE, Stadtbad Schöneberg, Wellenbad Spreewaldplatz)

und die "Sorgenkinder" (also Bäder, die wie z.B. das Sommerbad Staaken, das nur 6 Wochen Saison hatte oder Bäder wie in der Zingster Strasse oder in Kaulsdorf, in der Sewanstrasse mit wenig Wasserzeiten für die Öffentlichkeit) in unterschiedliche Geschäftsbereiche aufgeteilt werden könnten.

Dazu gibt es dann ein Organigram, in dem unter den Vorständen sowohl (neue und alte) Positionen,  als auch Mitarbeiter (mit Senatsverträgen und mit neueren Vertragsmodellen)  und eben die Bäder unterschiedlich gewichtet sind?

 

Stimmt die Richtung oder ist eine Auflösung der jetzigen Form der Verwaltung das Richtige?

Es darf, das ist meine Meinung, kein Zurück in die Bezirke geben.

Es war nicht alles so, wie es heute vernebelt durch Zeit, erinnert wird. Außerdem müßte in Bezirken erst entsprechendes Personal eingestellt und vor allem mit Bädern vertraut werden. Und bis dahin? Noch mehr Schließungen? Das kann und darf sich Berlin nicht leisten.

Was dann?

Eine mögliche Idee könnte sein, die Berliner Bäder Betriebe einem erfolgreichen Landesunternehmen zu unterstellen. Ich meine, da kämen nur die Wasserbetriebe in Frage.

Bleibt die Tatsache, dass Bäder ein ganz spezielle Aufgabe sind, weder mit anderen Sporteinrichtungen zu vergleichen noch mit der Wasserversorgung einer Stadt.

Es könnte also innerhalb der Wasserbetriebe die Aufsicht über Geschäftsentscheidungen zu Bädern geführt werden.

Mit einer  Auflösung der jetzigen Verwaltung müsste auch garantiert werden, dass die Mitarbeiter weiter - gegebenfalls in anderen Landesunternehmen oder auch unter Leitung der Wasserbetriebe-beschäftigt werden.

Man muss sich bei dem ganzen Desaster, dass wir erleben, auch bewußt sein, dass eine Auflösung nicht dazu führen darf, dass Menschen arbeitslos werden.

Außerdem, egal wie ich es persönlich grade erlebe und viele Tausend Nutzer ebenfalls, der jetzige Vorstandsvorsitzende ist nicht Ursache des Chaos. Ich will hier nicht en Detail aufschlüsseln wann was passiert ist. Es hat nicht erst angefangen unter dem Senator Klaus Böger, unter dessen Führung es  massiven Bäder Stillegungen gab. Das war auch das Ergebnis der Verwaltung unter Bezirken.

Offensichtlich gibt es immer nur den Weg zu sparen, weg zu rationalisieren statt zu investieren.

 

In der Folge hat, seit Gründung der Berliner Bäder Betriebe 1996, das Bädersterben seinen Lauf genommen. Seit 2013 wird, statt endlich den Weg zu gehen, neue Funktionsbäder zu bauen, dieser Weg weiter gegangen.

Jedes Unternehmen weiß, nur mit Kundenbindung schafft man einen wirtschaftlichen Erfolg. Stattdessen gehen Kunden verloren, zweimalige Preiserhöhungen binnen weniger Monate, unzuverlässige Öffnungszeiten weil statt massiver Personalaufbau immer noch mehr Personal verloren geht (Alterspyramide, Weggang, Kündigungen) als eingestellt wird.

Statt kreativer Wege, fällt in Deutschland gefühlt alles unter die "Schwarze Null".

Ja, es gibt 60 Millionen Euro aus den Siwa Geldern.

Davon sollen zwei "Multifunktionsbäder gebaut werden. Ein Schwimmbad wird gebaut, es geht voran? Nein, wie hier nach zu lesen ist. Mal abgesehen davon, was nützt dem Spandauer, Marzahner, Köpenicker, Lichtenberger ein Multifunktionsbad in z.B. Mariendorf? Anfahrt, Kosten, das alles unter dem ASpekt der demografischen Entwicklung ist kontraproduktiv.

Es ist das  Bad nebenan, was fehlt. Und es werden weitere fehlen in Zukunft, so in der Holzmarktstrasse und Tempelhof. Bäder zum Abriss freigeben wollen in der 15 Jahre Planung und der Neubau (den ich bezweifle) dann nur für Schulen und Vereine und "Reha Zwecke".

Man, wer Wellness will, legt 5 Euro drauf und fährt nach Brandenburg oder in private Bäder in denen seit Jahren Wellness, Aqua Fitness und Co stattfinden.

 

Es gibt Mittel, um z.B. die 2016 vom Parlament in Sonderfinanzierung geförderten 25 neuen Vollzeit Stellen im operativen Bereich, also am Beckenrand (die ich leider immer noch nicht bewiesen sehe in den Ausführungen der Berliner Bäder Betriebe und nicht beantworteten Fragen der Abgeordneten) zu verstetigen.

 

Schaut man jetzt auf die Zuschüsse, die immer wieder erhöht wurden, die 1,2 Millionen Euro zusätzlich in 2016 und die Öffnungszeiten, fragt man sich: wo ist das Personal?

 

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01_SenV und HA_Berliner Bäderkonzept 202
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