Faszination schwimmen in Berlin - gestern und heute

Kreuzberg, der Ort an dem man vor dem Mauerbau sein musste und den noch heute die Mystik der damaligen Zeit umgibt. Der Ort am dem "sie" sein wollen. Medienschaffende, Künstler, all die, die nicht Spätzle genannt werden wollen –-jeder findet im Sommerbad Kreuzberg etwas aus jedem X beliebigen Freibad in Westdeutschland, Berlin und auch der *DDR*
Gefühlt mitten im Wald liegt ein kleines Juwel der deutschen Bäderlandschaft. 50 Meter, frisch saniert. Aus allen Ecken Berlins gut zu erreichen
Recherchearbeit ist mit vielen Umwegen verbunden, kostet viel Zeit, Geld und ganz häufig rennt man dabei in Sackgassen. Ob nun online, weil jedes Archiv andere Tools nutzt, gefühlt 435 unterschiedliche Bedienungsanleitungen und man sich in jedes erst einfuchsen muss. Oder offline, wenn man, manchmal auch mit langer Anreise, vor Ort im Archiv sitzt, real 40 Akten a 300 Blatt durchlesen muss, oft in Sütterlin oder unleserlicher Handschrift alles versucht zu entziffern und dann ohne Ergebnis nach
Das Sommerbad, von vielen liebevoll "die Rixe" genannt, wurde am 30.07.1955 von Dr. Schmiljan, Gesundheitssenator,als erstes der im Bäderbauprogramm geplanten eröffnet. Nach der Zuschüttung des Seebad Mariendorf war es in Tempelhof das erste Schwimmbad.
Das Bad liegt im hippen Bezirk Mitte, auf der bekannten Fischerinsel. Das Datum der Eröffnung, das ich recherchieren konnte, ist der 09.10.1979. Als achter Schwimmhallenneubau in Ostberlin folgte sie der Schwimmhalle am Tierpark. Die Schwimmhalle wurde 2009 saniert und im Herbst 2015 wurde das Foyer umgebaut. Ein Kundenzentrum der Berliner Bäder Betriebe hat nun dort seinen Standort.
Wie beschreibt man ein Bad, dass in vielen Medien als "eines der schönsten Bäder Europas" bezeichnet wird und man selbst das Besondere nie fand? Was schreibt man über ein Bad, dessen Originalität schon bei seiner Erbauung eine Nachbildung war und später bei Sanierung zwar der Denkmalschutz eine Rolle spielte, aber dennoch Originale einfach platt gemacht wurden?
In Berlin existiert die schönste, abwechslungsreichste Bäder Landschaft die es in Deutschland gibt. Durch die Tatsache der geteilten Stadt gibt es die unterschiedlichsten Bautypen. Kombibäder zum Beispiel im Westteil, sogenannte Volksschwimmhallen im Ostteil der Stadt. Identischer Bautyp bedeutet noch lange nicht identisches Innenleben. Durch Sanierungen, die mal lieblos unter dem Motto "hau raus die Kohle", mal durchdacht mit Sinn für Ästhetik erfolgten, unterscheiden sich auch Baugleiche...
Bestes Gesamtpaket Kombibad Spandau Süd Ein Schwimmbad, Betonung auf schwimmen als Sport. Halligalli gibts nicht, braucht auch keiner hier. Bei jedem Besuch war die überwiegende Mehrheit der Besucher ernsthaft am Sport interessiert. Schwimmsport, der sich nicht definiert daran, wie schnell, sondern ob man technisch und im Sinne der Fairness sich der Länge nach nach vorne bewegt.
Von Zschornewitz, einem der ältesten Kraftwerke Deutschlands, heute Industriedenkmal, verlief die Golpa Leitung hier entlang bis nach Rummelsburg. Das Gelände, auf dem das als Ankogelbad bekannte Kombibad steht, war bis kurz vor dem II. Weltkrieg Eigentum der jüdischen Gemeinde und ein projektierter jüdischer Friedhof. Das Gelände wurde von der jüdischen Gemeinde 'verkauft' , Käufer war der Magistrat von Berlin.
Berlin ist nicht gerade die Hochburg für den Karneval, aber närrisch können wir auch ohne Ufftatatätärä, Stadtclowns gibt es zur Genüge. Das Bad allerdings hat so gar nichts von Karneval. Weder ist es besonders bunt, noch gibt hier eine Anhäufung von Vergnügungseinheiten. Das hier ist ein funktionales Schwimmbad. Eines wie sie in den Jahren in der die Stadt durch die Mauer geteilt war auf beiden Seiten entstanden.

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