Kombibad Seestrasse Freibad

Der Sommer ist vorbei, aber wärmer war es bei meinen Besuchen auch nicht. Guter Tag, um das Freibad zu beschreiben.

Das Kombibad ist der letzte Bau dieser Art in Berlin*.

Fertig gestellt wurde das Hallenbad 1980, 5 Jahre später als die ersten drei. Das Freibad folgte ein Jahr später.

2011 bekam das Sommerbad ein Edelstahlbecken, neue Heizung und Lüftung. 1,7 Millionen Euro. Kein Cent für ...aber dazu später.

 

Wedding, Arbeit, Grenze.

Der heute gefühlt hippe Teil im Norden Berlins war einst Arbeiterviertel, zu Mauerzeiten grenznah und wenig angesehen. Die Mieten waren niedrig, der Bezirk drohte zu kippen vor nicht allzu langer Zeit. Vorbei. Wedding kommt. Zumindest wenn man den Medien folgt auf diesem Weg des hypens.

Aus Grenznah wurde Art, Vielfalt und, man glaubt es kaum, Strassenbahn. Für mich das Symbol der tatsächlichen Wiedervereinigung. Die Strassenbahn fährt bis Warschauer Strasse, Ewig, erst zwischen breiten Strassen rechts und links neben den Schienen, dann durch enge Gassen, Häuser zum anfassen.

Ach, Moment, das ist ja ein Text über das Kombibad in der Seestrasse.

Beste Gastronomie der Berliner Bäder. Lecker Kaffee, der nette Service lohnt auch ohne vorher zu schwimmen.

Seepferdchen, ungewöhnliche Fische, Frühschwimmer, wenn man so will. Allerdings treffen sie sich nicht nur zum schwimmen.

Seepferdchen paaren sich in den Morgenstunden und den Nachwuchs tragen die Männchen aus. Oh je, schon wieder weit weg vom Thema.

Ein Aufgang führt geradeaus zum Sommerbad.

Von außen  moderner als die drei Erstlinge der Kombibäder. Klinkerbau, rote Steine, blaues Dach.

Kassenhäuschen, Drehkreuz, Beton, Schilder. So kann man jede Beschreibung anfangen und macht nichts falsch. Warum befinden sich eigentlich die schönsten Entrées von Bädern außerhalb Berlins?

Das netteste am Eingang war der junge Mann, der gerade das Bad verliess. Auf meine Frage nach der Wassertemperatur zuckte er mit den Achseln "20 Grad?". Er wusste es nicht, er bot mir an, seine Sommerkarte zu benutzen "kann ich nicht mehr abschwimmen, die schließen ja"

Die KassiererIn sprach nicht mit mir als ich ihr dieselbe Frage stellte, sie zeigte nur hinter mich. 26 Grad.

Danke für das Gespräch...

Rechts sieht man das Hallenbad Gebäude, Rutsche des Freibads, aber erst eimmal geht es über Beton.

Uhren für jede Blickrichtung. Ob man allerdings zur Uhr schauen will oder auf die Flugzeuge, die in gefühlt greifbarer Nähe zur Landung ansetzen bleibt dem Besucher überlassen.

Umkleiden

oder das, was man so nennt.

Spinde in orange, manche mit Schloss, das man mitbringen muss- hats nicht gereicht, das Geld, um alle mit Pfandvorrichtungen zu versehen? Grottige Umkleidekabinen. Die anderen Kombibäder sind älter, aber hier dachte ich, wer es nicht weiß, alle Kombibäder kennt, muss denken, das hier ist das älteste. Einzelkabinen die jeder Beschreibung spotten. Und, nein, es ist nicht der nachlässige vorherige Besucher. Bei meinem letzten Aufenthalt gab es kaum Besucher. Strömender Regen, kalt, Wind. Keiner da, außer ein paar tapfere Stammschwimmer.

Nach ein paar vergeblichen Versuchen einen funktionierenden Spind gefunden, wollte ich die Dusche benutzen. Dafür war ich wohl zu doof. Knauf an der Tür, ruckeln, drehen, ziehen, hochdrücken. Tat sich nix. Blick in die Toiletten und schnell weg.

Durchschreitebecken. Haare. Vermutlich um daran zu erinnern, dass in dem Bad auch mal mehr Besucher sind...

 

50 Meter Edelstahlbecken, blau war es nicht.

Das lag aber möglicherweise an dem Regen der mittlerweile so dicht war, dass Schwimmbeckenwasser mit ihm eins zu werden schien.

Tolle Perspektive, wenn man am Kopfende steht und auf die Glasfassade der Halle schaut. Vor der Fensterfront der als Kletterturm getarnte Aufsichtsposten der Bademeister. Ich musste grinsen. Hat der Erbauer dabei an einen Tower im Flughafen gedacht oder an einen Abenteuerspielplatz der damaligen Zeit?

 

Es waren beim letzten Besuch vielleicht 10, 12 Schwimmer im Becken. Grade Linien zog jeder durch das Wasser. Völlig störungsfrei konnte ich Bahnen ziehen, den Regen auf dem Rücken spüren, das Getöse der Flugzeuge war ausgeblendet. Mitarbeiter: 0, jedenfalls sag ich keinen.

Und dann kam das Duschabenteuer. Eine nette junge Frau, die direkt vor mir lief, bog ein, zur Dusche. Ich hinterher. Sie lächelte. Klick, sie kannte offensichtlich den Trick. Die Tür öffnete sich...

 

zur Duschhölle der Berliner Bäder.

Wand, Wand, Wand, Wand mit Tür ist ein Raum,  fiese Farben, Wasser, das nur mäßig wärmte und die Angst, die Tür fällt zu. Ich habe vergessen, ob es da Fenster gibt. Ich habe nur die Wände angestarrt und zur Tür geschielt. Auch von innen nur der Knauf.

Allein wär ich da nicht drin geblieben.

Ich hab ja schon viele schlimme Sanitärräume gesehen, aber das? Es war recht sauber, aber dieses Raumgefühl. Brrr. Unverständlich,  dass der "Größte Bäder Betrieb Europas" es nicht schafft, die wichtigsten Räume neben sauberen Schwimmbecken auf Vordermann zu bringen.

Der Föhn funktionierte mit 5 Cent. Während man ihn nutzt, kann man Flugzeuge beobachten...

 

Fazit

50 Meter, schwimmbar

Es gibt ein Nichtschwimmerbecken, mit Rutsche, Spielplatz und Planschbecken.

Im Sommer sicher schön wenn man sich auf der Wiese umzieht.

 

Das Bad erreicht man mit der U 6, bis U Bahnhof Seestrasse. Man kann 2 Stationen mit der Strassenbahn fahren, zu Fuß sind es auch nur wenige Minuten. Der U Bahnhof Osloer Strasse, U 9, ist in die andere Richtung etwas näher dran. Das Bad befindet sich auf einer erhöhten Position, hinter Hecken und Büschen versteckt sieht man es nicht sofort von der Strasse.

 

*Geplant war ein weiteres Kombibad in Steglitz Ende der 1980 er Jahre. Nach langem hin und her  waren Gelder bewilligt, Beteiligte sich einig und dann? Vergeigt im Bezirk. Ein, den Kombibädern ähnliches Modell sollte in Tiergarten entstehen nachdem das Freibad nebenan aufgegeben worden war. Auch dort, Geld vorhanden, vergeigt von den Berliner Bäder Betrieben. Man darf gespannt sein, wann sich was tut für den Neubau in Mariendorf

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